Vielsaitiges aus Frankreich

Einmal mehr verdiente die Kammermusik-Reihe der Tonhalle ihren Namen: Im 5. Meisterzyklus-Konzert gastierten Baiba Skride, Daniel Müller-Schott und Harfenist Xavier de Maistre mit Werken von Fauré, Ibert, Ravel und Henriette Renié.

Bettina Kugler
Drucken
Teilen

Dass ihre lichten, lieblichen Arabesken zum Frühling gehören wie Veilchenduft: Dieses gedankliche Band verdankt die Harfe wohl dem Dichter Mörike. Mit dessen «leisem Harfenton» aus dem Gedicht «Er ist's» im Ohr erwartet man lyrischen Schwung, lichtdurchflutete Klänge und linde Lüftchen von einem Konzertabend mit dem französischen Harfenisten Xavier de Maistre, geboren in Toulon, inzwischen Professor an der Hamburger Musikhochschule. Doch nicht umsonst hat dieser seine Festanstellung als Solist der Wiener Philharmoniker vor einigen Jahren zugunsten einer Solokarriere aufgegeben. Das hübsche Klanggefunkel allein war ihm auf Dauer zu wenig – und zu einseitig.

Flinke Finger, feiner Klangsinn

Zumal de Maistre, wie sich beim 5. Meisterzyklus-Konzert am Dienstagabend in der Tonhalle St. Gallen zeigte, ein sensibler, aufmerksamer Kammermusikpartner ist: sanglich gestaltend, im Gegensatz zu manchem Pianisten am Steinway nie zu dominant. Für Baiba Skride und Daniel Müller-Schott ein reines Glück: Ihr nobler, zuweilen auch asketisch reduzierter, die melancholische Seite der Werke berührender Ton kam in den Trios von Jacques Ibert und Henriette Renié bestens zur Geltung.

Solistisch präsentierte sich de Maistre in Gabriel Faurés traumselig zartem Impromptu Des-Dur, entstanden als Prüfungsstück für ein Vorspiel am Pariser Conservatoire. Was man de Maistres feinsinniger, farblich nuancenreicher Interpretation nicht anmerkt – keinen Moment steht dabei allein stupende Fingerfertigkeit im Vordergrund.

Ravel und der Jazz

Auch Baiba Skride und Daniel Müller-Schott erwiesen sich im Duo und im Trio mit de Maistre als Freunde und subtile Gesprächspartner: Man hörte es nicht nur; es war ihnen auch anzusehen, dass sie sich musikalisch viel mitzuteilen haben. Sogar in Ravels später Sonate für Violine und Violoncello, überraschend kratzbürstig, mit spannenden Anleihen beim Jazz. Die Stimmen spielen hier kaum aufeinander zu, führen vielmehr ein launisches Eigenleben – dennoch gelang es der lettischen Geigerin und dem deutschen Cellisten, einen gemeinsamen Ton zu finden: schlank, flexibel, mit rhythmischem Biss, ohne je den Saiten ihrer Instrumente unnötig Gewalt anzutun.

Es riss dann dennoch eine: im Klangrausch des herrlichen Trios von Henriette Renié, einst gefeierte Harfenistin, heute trotz zahlreicher kostbarer Kompositionen nahezu vergessen. Die Spannung freilich konnte dadurch nicht verlorengehen.

Aktuelle Nachrichten