Film
Viele liebten «Mulan» als Zeichentrickfilm, jetzt bringt Disney die Realverfilmung – Welche Version ist besser?

Den neuen Film «Mulan» gibt es nur fürs Heimkino auf der Plattform Disney+. Was taugt der neue Hoffnungsträger von Disney? Ansichten einer «Mulan»-Anhängerin der ersten Stunde.

Gabriela Jordan
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Wer die Heldin sehen will, muss tief ins Portemonnaie greifen.

Wer die Heldin sehen will, muss tief ins Portemonnaie greifen.

The Walt Disney Company (Germany) GmbH

Ich geb’s zu, ich schäme mich. Der Zeichentrickfilm «Mulan» ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Aber dafür schäme ich mich nicht. Niemals. Der 88-minütige Disney-Film ist grossartig, die Lieder sind wundervoll, die Botschaft stark: Eine mutige Frau, Mulan, widersetzt sich den Regeln im antiken China und verkleidet sich als Mann, um ihre Familie und ihre Heimat zu beschützen.

Nein, ich schäme mich dafür, dass ich erst vor einer Weile mitbekommen habe, dass Disney die Geschichte mit echten Schauspielern neu verfilmte und auf die Leinwand bringen wollte.

Aber halb so schlimm, denn zur Scham gesellte sich rasch die Freude. «Mulan» kommt ins Kino! «Mulan» kommt ins Kino! «Mulan» kommt... nicht ins Kino. Sie wissen ja: Corona, geschlossene Kinos in den USA, mehrmals verschobener Filmstart. Der Hoffnungsträger von Disney wird deshalb nur auf der Plattform Disney+ gezeigt. Seit gestern Freitag kann man ihn dort streamen, vorausgesetzt, man hat ein Abo und will für das Filmerlebnis zusätzliche 29 Franken hinblättern. Das Kino wird in Europa umgangen. Ein absolutes Novum bei Disney.

Schade, sehen wir die ­fantastischen Bilder nicht im Kino

Ich durfte mir die Realverfilmung bereits zuvor ansehen, statt in bequemen Kinosesseln halt im ruckeligen Zug, sozusagen mit 4-D-Effekt. Und ich fand: Klasse! Aber war das wirklich «Mulan»? Kein Gesang, kein Humor, dafür ganz viel Action und Pathos.

Kindergerecht ist das bestimmt nicht mehr. Ein paar Lieder werden in den Schlüsselszenen nur kurz instrumental angedeutet und statt des sprechenden Ahnendrachens Muschu flattert ab und zu ein Phönix durch die Szene. Und dann ist da plötzlich noch eine böse Hexe, die Mulan auf ihre Seite zu ziehen versucht.

Während etwa die «Aladdin»-­Realverfilmung vom letzten Jahr sehr nahe am Original bleibt, kommt «Mulan» von Regisseurin Niki Caro also komplett anders daher. Doch wer es schafft, seine falschen Erwartungen in den ersten 15 Minuten aufzugeben, kann ihn in vollen Zügen geniessen.

Die Kampfszenen inmitten der fantastischen Landschaften ziehen einen in Bann. Die Hauptfiguren sind toll besetzt, mit Liu Yifei als Mulan und Jason Scott Lee als Bösewicht. Und die Romanze mit dem Hauptmann... Ach, zu viel verraten will ich ja nicht – schauen Sie selbst.