Ausstellung im Kirchhoferhaus: Viele kleine Roman Signers

Acht Schulklassen haben sich von Kunstwerken zu eigenen Bildern, Skulpturen und Installationen inspirieren lassen. Die Ergebnisse dieses kreativen Projekts werden nun in der Ausstellung «Kunst macht Schule» im Kunstmuseum St.Gallen gezeigt.

Urs-Peter Zwingli
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Inspiriert von Roman Signer: Beispielsweise ein Miniklavier aus Karton und Wäscheklammern.
5 Bilder
Die neuen modernen Stillleben der Schülerinnen und Schüler.
Ausgehend von Spitzwegs «Lesender Eremit» entstanden Kameras mit farbigen Augen.
Farbige Maske: Kunst durch die Augen der Kinder.
Die Ausstellung zeigt jeweils das Originalwerk und die künstlerische Antwort der Kinder. (Bilder: Benjamin Manser)

Inspiriert von Roman Signer: Beispielsweise ein Miniklavier aus Karton und Wäscheklammern.

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Das ist sicher im Sinne des anarchischen Altmeisters Roman Signer: Schüler einer fünften Klasse liessen sich von einer ­seiner Installationen dazu inspirieren, einen überdimensionalen Bleistiftspitzer, einen nutzlosen Radiergummi aus Heissleim oder ein Miniklavier aus Karton und Wäscheklammern zu basteln. Diese und andere Werke der Schüler werden derzeit in der Ausstellung «Kunst macht Schule» im prachtvollen Kirchhoferhaus des Kunstmuseums St.Gallen gezeigt. Acht Schulklassen aus dem Kanton St.Gallen haben dafür in Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden eigene Bilder, Skulpturen und Installationen erschaffen.

Kunstcoaches als Unterstützung

Ausgangspunkt der Arbeiten war jeweils ein Kunstwerk aus dem Fundus des Kunstmuseums, der rund 15 000 Exponate umfasst. Daraus wählten die am Projekt beteiligten Kunstschaffenden ein Werk aus und diskutierten es mit den Schülern. Anschliessend unterstützten sie diese als «Kunstcoaches» bei ihrer kreativen Arbeit. Der Ostschweizer Bildhauer Thomas Stüssi sagt bei einem Rundgang durch die Ausstellung:

«Kinder machen viel leichtsinniger Fehler als Erwachsene und sehen das nicht so tragisch.»

Stüssi hat die Installation «Bodensee und Säntis» (eine 1975 erstellte Nachbildung des Alpsteinreliefs über dem Bodensee mittels Ballons) von Roman Signer und Bernard Tagwerker für die Schüler ausgewählt. «Ich wollte ihnen zeigen, dass Kunst nicht nur Bilder und Skulpturen umfasst, sondern auch technische Installationen dazuzählen», sagt Stüssi, der als Kunstcoach zwei Tage im Klassenzimmer verbracht hat.

Emoticons im Stillleben

Das Verständnis erweitern, was Kunst sein kann: Das ist eines der Ziele des Projektes «Kunst macht Schule», das vom Dachverband Lehrpersonen Gestalten St.Gallen (DLG-SG) angestossen wurde. Dominik Noger vom DLG-SG sagt:

«Kunst hat mit der Realität der Schüler wenig zu tun. Durch das Projekt wird sie greifbar.»

Zudem fördere ein solches Projekt Kompetenzen, deren Vermittlung an die Schüler gefordert sei: «Etwa das zielgerichtete Arbeiten an einem Projekt in Gruppen», sagt Noger.

Die Ausstellung zeigt denn auch nicht nur das Originalwerk und die künstlerischen Antworten der Schüler: Zu jedem der acht kreativen Dialoge wurde eine Dokumentation erstellt. Darin beschreiben unter anderem die Schüler in ihren Worten, wie sie «Kunst macht Schule» erlebt haben.

Aktuelle Einflüsse aus den sozialen Medien

Beim Rundgang durch die in acht Räume gegliederte Ausstellung zeigt sich, dass das ursprüngliche Kunstwerk von den Schülern oft stark weiterentwickelt wurde. So wählte die Fotografin Tine Edel das Bild «Lesender Eremit» von Carl Spitzweg aus: Eine dunkle Ansicht eines Mannes in einer Höhle, in die durch ein Loch im Felsen etwas Licht scheint. Die Schüler griffen das Lichtloch auf, indem sie überdimensionierte Lochkameras mit einem farbigen Auge an der Vorderseite bastelten. Oder das ebenfalls sehr düstere Stillleben mit Bibel von Hans Thoma: Mit ihrem Kunstcoach Massimo Milano zeichneten die Schüler eigene, bunte Stillleben. Sie entwarfen klassische Motive mit Früchten, bauten aber auch Emoticons ein und spielten so mit aktuellen Einflüssen aus den sozialen Medien. Und schliesslich verkleideten sie sich als Früchte und stellten das Stillleben in ihrer Turnhalle nach – es sind solche erfrischend anderen Zugänge zum Thema, die die Ausstellung sehenswert machen.

«Kunst macht Schule», bis 7. April im Kirchhoferhaus an der Museumstrasse 27, St.Gallen. Eintritt frei.
13.3., 18–20 Uhr: Vom Kunstwerk zum Schülerbild – Workshop für Lehrpersonen
27.3., 18.30 Uhr: Öffentliche Führung
7.4., 10–14 Uhr: Offenes Kunstlabor