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Viel Wurstpapier und Plastiksäckli

An der elften Aktion der Kunstreihe «Rendez-vous» im Kornhaus Rorschach sind vier Ostschweizer Kunstschaffende beteiligt. Unter dem Motto «À discrétion» zeigen sie Arbeiten zum Thema Essen, die teilweise zwiespältige Gefühle auslösen.
Martin Preisser
Stefan Rohner, Gabriela Falkner, Brenda Osterwalder und André Büchi vor der Installation «Schlaraffenland» von Gabriela Falkner. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Rohner, Gabriela Falkner, Brenda Osterwalder und André Büchi vor der Installation «Schlaraffenland» von Gabriela Falkner. (Bild: Benjamin Manser)

RORSCHACH. Zehn Jahre ist es her, seit Erich Wagenhofers Dokumentarfilm «We feed the World» in die Kinos kam. Er wühlte vor allem wegen des gnadenlosen Blicks auf die Massentierhaltung auf. Das Thema Essen ist keine einfache, geradlinige Realität. Auch nicht in der Kunst. Alle Arbeiten der Kornhaus-Ausstellung sind extra für diese gefertigt. Elisabeth Krucker, «Rendez-vous»-Initiantin, hat die Kunstschaffenden vernetzt.

Sinnlich und abschreckend

André Büchi, einer der vier Kunstschaffenden der 11. «Rendez-vous»-Aktion, bildet das Wort «Lebendmittel» am Boden des Kornhauses ab. Rosa, sinnlich, leicht wirkt die Installation nur auf den ersten Blick. Hergestellt ist sie aus unzähligen Papieren zum Einpacken von Wurst und Fleisch. In der Massierung des zerknüllten Papiers bekommt die Arbeit auch etwas Morbides, wirkt fast wie ein Grab. Zwischen sinnlich und abschreckend changiert auch die Arbeit von Gabriela Falkner, die das Thema Schlaraffenland thematisiert. Die Stirnseite des Raums wirkt – auch wieder nur auf den ersten Blick – einladend, ästhetisch, wie eine grosse Süssigkeit. Im Märchen von Ludwig Bechstein muss man sich, um ins Schlaraffenland zu kommen, durch Mauern von Reisbrei essen. Eine vierköpfige Familie ist es bei Gabriela Falkner, die sich durch eine Wand von über 1700 Plastiktüten «frisst», um zum «erlösenden» Konsumerlebnis zu kommen. Die Schaufensterpuppen sind von hinten zu sehen, bleiben gesichtslos im Konsumrausch. Falkners Arbeit rüttelt auf, weil sie auf den ersten Blick harmonisch wirkt und doch mit massenhaftem Einsatz von Plastik verstört.

Video in Plastikflasche

Hintergründig, doppelbödig und mit Ironie kommen die Videoinstallationen von Stefan Rohner daher. Er baut Abspielgeräte und Bildschirme in Alltagsgegenstände wie Eierbehälter oder Putzmittelflaschen ein. Da ironisiert eine Hand im Putzhandschuh in Zeichensprache durchaus unser Putzverhalten.

Verkleidet als Hahn, der auf ein Ei schiesst und wie eine Verfremdung des Tell-Mythos wirkt, inszeniert sich der Künstler in einem Mini-Video. Am auffälligsten ist Rohners Kühlschrank, der in der Tür einen Bildschirm hat. Eine Meerjungfrau turnt da auf und ab in tiefem Blau und mit einer Wasserschlange im Hintergrund. Kühlen, Einfrieren, Auftauen – hier wird das alles phantasievoll und technisch wie ästhetisch sehr genau in neue Kunst-Bilder umgewandelt.

Zuletzt Brenda Osterwalder, die den Installationen als einzige Malerei entgegensetzt. Assoziativ und auch ein wenig verstörend setzt sie viele, sich oft zu widersprechen scheinende Motive rund ums Thema Essen, Tierhaltung, aber auch Kindheit und Natur aufs Bild, das dann einen Sujetzyklus anbietet, der den Betrachter zu neuen Denk- und Verknüpfungsansätzen verführt.

Bis 14.6., Sa/So 11–18 Uhr, Kornhaus (Projektraum), Rorschach. Finissage: So, 14.6., 11 Uhr (Diskussionsrunde zum Thema Welternährung) www.kulturfruehling.ch

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