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«Viel ist intuitiv entstanden»

Hier ein bisschen Dornröschen-Romantik, dort ein wenig 1001 Nacht: Die Ausstellung «Sleeping Beauty» von Haviva Jacobson in der Galerie vor der Klostermauer regt vielfältig an.
Dorothee Haarer
Die in Appenzell lebende Künstlerin Haviva Jacobson löst mit ihren Arbeiten zahlreiche Assoziationen aus. (Bild: Michaela Rohrer)

Die in Appenzell lebende Künstlerin Haviva Jacobson löst mit ihren Arbeiten zahlreiche Assoziationen aus. (Bild: Michaela Rohrer)

ST. GALLEN. Es sind märchenhaft anmutende Werke mit Spraylack und transparenten Folien. Die in Appenzell lebende Künstlerin Haviva Jacobson stösst dabei unaufgeregt und urteilsfrei das Nachdenken an: über Grenzen und Mauern, Nähe und Distanz.

«Ich will keine Aussagen in meinen Arbeiten verpacken», erklärt Jacobson beim Gang durch die Galerie vor der Klostermauer. «Vieles hier ist intuitiv entstanden. Ich selbst erkenne oft erst im Nachhinein, was mich während des Entstehungsprozesses beschäftigt hat.» Aus diesem Grund gibt die Künstlerin für «Sleeping Beauty» auch keinerlei Deutungen vor. Sie hofft darauf, dass jeder Besucher in den Werken Aussagen für sich findet, die ihn umtreiben.

Schwebende Fenster in Rosarot

Als Material hat Jacobson, die oft mit Pigmenten auf Holz arbeitet und eine abstrakte Formensprache wählt, diesmal Spraylack auserkoren. Farbträger sind Folien in unterschiedlichen Formaten – mal schulheftklein, mal fenstergross. Die Folien besprüht sie mittels Post-it-Schablonen mit grafischen Formen in Silbergrau und Rosarot und präsentiert sie kachelartig montiert an der Wand oder freischwebend unter der Galeriedecke. So nehmen die Arbeiten der 1961 in Israel geborenen Künstlerin die Galerie in Besitz. Und sie machen den Raum selbst zum Ausstellungsakteur.

Stacheldraht und Gartenidylle

Vor den Augen des Betrachters entstehen so eine Vielzahl von Eindrücken. Und alle besitzen Gültigkeit. Niemals bestätigt Jacobson den Ausstellungsgast in seinen Überlegungen. Aber sie negiert auch nichts. Vermutlich ist das der Grund, weshalb es so leicht fällt, eigene Assoziationen bei «Sleeping Beauty» anzustellen. So fühlt man sich vielleicht beim Anblick der kantigen Muster auf den kleinen Folien im Erdgeschoss schnell an Mauersteine und Schutzwälle erinnert. Ganz anders ergeht es einem dann in der zuckerfarbenen Welt der freischwebenden Folien im Stockwerk darüber. Hier herrscht Gartenhag-Idylle. Sofern man sich auf diese Eindrücke einlässt, meint man rasch einen gemeinsamen Nenner in Jacobsons Arbeiten zu erkennen: Die Frage nach dem Sinn von Barrieren und auch, ob sie Schutz bieten oder abschrecken.

Welt hinter dem Schutzwall

Für Nähe und Schutz steht die Art von Begrenzung, wie sie im Obergeschoss zu finden ist. Hier hängen, leicht versetzt, rosa besprayte Folien von der Decke. Sie wirken filigran, zerbrechlich und machen doch den Zutritt in den Raum schwer. Es gelingt mühelos, sich hinter diesen Schichten aus Durchsichtigkeit ein träumendes Dornröschen vorzustellen, das behütet dem Kuss seines Prinzen entgegen schläft. Eine «Sleeping Beauty», sicher und arglos hinter schwächlichen Barrieren. Zugleich macht sich Unbehagen breit. Stimmt diese Sichtweise? Müsste man eher orientalische Arabesken erkennen, an Harems-Wände denken, ohne Dornröschen? Geht es hier um versteckte Frauen, die hinter Mauern ein bewachtes Leben führen. Zum Schutz vor einer gefährlichen Welt? Oder wovor?

Die Künstlerin schweigt. Und es bleibt offen, ob «Sleeping Beauty» als Brückenschlag zwischen Orient und Okzident, zwischen vertrauter Tradition und ferner Faszinationen gedacht ist. Auch wird nicht verraten, ob Jacobson nach dem Wert von Grenzwällen und Schutzmauern fandet. Was hingegen klar hervortritt, ist das eigene Gefühl, das sich beim Beschauen dieser Ausstellung breit macht. Denn dieses bleibt und wirkt weiter. Und das ist gut so.

Bis 20. März, Galerie vor der Klostermauer

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