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Viel Enthusiasmus auf beiden Seiten

Zwei Jungstars stahlen mit Saxophon und Cello dem Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester im KKL in einem rein russischen Programm die Show.
Fritz Schaub
Jess Gillam bei ihrem Debüt-Auftritt im Rahmen des Lucerne Festivals am 27. August 2019 in der Lukaskirche. (Bild: Patrick Hürlimann/Lucerne Festival)

Jess Gillam bei ihrem Debüt-Auftritt im Rahmen des Lucerne Festivals am 27. August 2019 in der Lukaskirche. (Bild: Patrick Hürlimann/Lucerne Festival)

Eine junge Engländerin namens Jess Gillam sorgte in einem Debütkonzert am jüngsten Lucerne Festival für Furore mit einem Programm für Saxofon. Sie war zweifellos von der London-Schweizerin Ursula Jones-Strebi, der unermüdlichen Förderin junger Musikerinnen und Musiker, die im Stiftungsrat des Lucerne Festivals sitzt, empfohlen worden.

Das jüngste Konzert des Zentralschweizer Jugendsinfonieorchesters (ZJSO) stand neu unter dem Patronat der Strebi-Stiftung Luzern. Was lag näher, als die hochbegabte, erst zwanzigjährige Saxofonistin als Solistin vorzuschlagen, auch für das Konzert des Zjso, welches das vom Luzerner Sinfonieorchester bekannte Konzertformat «Rising Stars» weiterführt? Sie fügte sich geradezu ideal in das junge Orchester ein, dessen Mitglieder zwischen 15 und 26 Jahre alt sind.

Bei Jess Gillams Auftritt spielten allerdings nur die Streicher, denn Alexander Glazunow (1865–1936) komponierte zwei Jahre vor seinem Tod das Konzert in Es-Dur op.109 für Altsaxofon und Streichorchester. Als Jess Gillam, die schon durch ihr sportlich-extravagantes Outfit auffiel, am Schluss das Sforzato-Es bombensicher in den Raum setzte, erhob sich ein Begeisterungssturm im KKL-Konzertsaal. Denn sie krönte damit eine Darbietung, die von A bis Z technisch untadelig, selbstbewusst und musikalisch hoch inspiriert war.

Beifallsumrauschte Solistinnen

Es musste fast zwangsläufig passieren, was die BBC News nach ihrem Auftritt bei der legendären «Last Night oft the Proms» in der Royal Albert Hall 2018 titelten: «Eine Saxofonistin stiehlt allen die Show». Nun war aber die Überraschung gross, als die zweite Solistin, die fast gleichaltrige Cellistin Milena Umiglia, die im vergangenen Jahr ihren Bachelor in der Klasse des Luzerners Rafael Rosenfeld in der Musikakademie Basel absolvierte, der Engländerin in den Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowski nur wenig nachstand. Sie löste verdientermassen einen ähnlichen Beifallssturm aus im bis auf die ersten beiden Ränge besetzten Haus.

Darbietung voller Spontaneität

Hatte die Saxofonistin in dem selten gespielten Konzert von Glazunow mit einer fast jazz-liken Darbietung voller Spontaneität beeindruckt, gefiel die Cellistin durch die intonationsmässig blitzsaubere und rokokohaft-filigrane Ausführung der sieben Variationen, die zwar stilistisch an das grosse Vorbild Mozart erinnern, aber trotzdem durch und durch eine romantische Tschaikowski-Komposition sind.

Schon vor dem Konzert herrschte im Foyer aufgeräumte Stimmung und dichtes Gedränge, die eine höhere Besucherfrequenz erwarten liessen, als sie in der Realität war. Und Enthusiasmus herrschte im Saal sowohl im Zuschauerraum als auch auf dem Podium. Von grossem Einsatz angestachelt waren schon die «Polowetzer Tänze», die als Konzert- oder Ballettstück populärer sind als die Oper «Fürst Igor» von Alexander Borodin, aus der sie stammen. Hatte das Orchester die beiden Solistinnen mit der gebotenen Anpassungsfähigkeit begleitet, trat es nun in grosser Besetzung voll aus sich heraus.

Ehrgeizige Orchesterdarbietungen

Besonderen Ehrgeiz bewiesen das ZJSO und sein Gründerdirigent Joseph Sieber mit der Darbietung der fünften Sinfonie von Peter Tschaikowski, einem Schwergewicht nicht nur der russischen Konzertliteratur. Ob es nötig war, einzelne Sätze jeweils im verdunkelten Saal zu beginnen, um so die Schicksalshaftigkeit anzutönen, bleibe dahingestellt. Denn hörmässig kam der Kampf gegen das Fatum auch ohne dies zum Ausdruck. Auch wenn nicht alles ganz perfekt gelang, wurden doch die Leitlinien gross und breit herausgestellt. Eindrücklich, wie Joseph Sieber das Orchester immer wieder zusammenhielt und bei den dramatischen Höhepunkten zu kraftvollen Ausbrüchen bündelte. So gehörte der Schlussbeifall ganz dem Orchester, und unter dem begeisterten Beifall des Publikums liess Sieber der Reihe nach verdientermassen die einzelnen Musiker und Musikergruppen aufstehen.

Hinweis: Am Sonntag, 27. Oktober 2019, 17 Uhr, wird das Konzert im Theater Uri in Altdorf wiederholt. Dabei spielt anstelle von Jess Gillam die Tessinerin Nadine Speziga das Saxofon-Konzert von Alexander Glazunow.

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