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Francisco Obieta ist neuer Präsident vom St.Galler Contrapunkt: «Verzichten wir auf Nischen, verarmen wir kulturell»

Die Konzertreihe für zeitgenössische Musik wird neu vom Kontrabassisten und Komponisten geleitet. Neue Musik brauche Zeit für die Entwicklung und die Wahrnehmung, sagt der vielseitige Musiker.
Martin Preisser
Komponist und Kontrabassist Francisco Obieta. Bild: Urs Bucher

Komponist und Kontrabassist Francisco Obieta. Bild: Urs Bucher

Der in Au lebende Musiker mit argentinischen Wurzeln, Francisco Obieta, ist neuer Präsident des St.Galler Vereins Contrapunkt/New Art Music, der sich der Aufführung zeitgenössischer Musik widmet. Obieta ist Komponist und als Kontrabassist auch Dozent am Landeskonservatorium Feldkirch.

Ist der Eindruck richtig, dass es um die Reihe Contrapunkt in letzter Zeit eher ruhiger war?

Francisco Obieta: Meine Vorgängerin, Barbara Camenzind, hat Contrapunkt stilistisch geöffnet, also auch für zeitgenössische Musik ausserhalb der reinen Avantgarde. Das ist vielleicht bisher nicht so klar geworden.

Ist eine Stadt wie St. Gallen gross genug für eine Reihe mit zeitgenössischer Musik?

Ja, gerade weil Contrapunkt ein Nischenprodukt ist, hat die Reihe einen wichtigen Platz. Verzichten wir auf Nischen, verarmen wir kulturell. Ich denke in diesem Zusammenhang nicht in den Kategorien Angebot und Nachfrage. Gerade weil zeitgenössische Musik nie kommerziell sein kann, braucht sie Unterstützung und Raum.

Wie wollen Sie die recht kleinen Publikumszahlen bei Konzerten moderner Musik verbessern?

Es braucht in Zukunft viel mehr Medienpräsenz. Und ich will auch die Zusammenarbeit mit anderen musikalischen Institutionen in der Stadt suchen. Ich könnte mir, auch um die junge Generation stärker an diese ­Musik heranzuführen, vermehrt kommentierte Konzerte, etwa auch im Kontakt mit den Kantonsschulen, vorstellen.

Warum gibt es für Musik unserer Zeit nach wie vor rechte Hemmschwellen?

Die rein avantgardistische Musik hat sich in den letzten Jahrzehnten weltweit ja manchmal selbst in eine Ecke manövriert. Oft ist da einfach nur noch Musik für Musiker entstanden, und nicht Musik fürs Publikum. Aber Neue Musik braucht auch Zeit. Ich vergleiche es vielleicht mit der Pharmaforschung. Da findet viel im Verborgenen statt. Und es vergeht viel Zeit, bis ein Medikament marktreif ist. So ist es auch mit experimentellen musikalischen Äusserungen. Sie brauchen ihre Zeit der Entwicklung und der Wahrnehmung.

Contrapunkt will Musik unserer Zeit breit pflegen?

Ich möchte in diesem Kontext auch nicht von zeitgenössischer Musik reden, das Adjektiv schreckt immer wieder ab. Ich nenne sie lieber aktuelle Musik. Musik, die das Zeitgefühl und die Themen aufgreift, die uns heutige Menschen betreffen, eben aktuelle Musik, die nicht Avantgarde ist. Das muss nicht nur gefällige Musik sein. Trotzdem hat auch die Avantgarde bei Contrapunkt ihren Platz, im Sinne einer wichtigen Nische, in der auch Forschung nach neuen Ausdrucksformen möglich ist.

Machen Sie noch ein wenig Appetit auf das Contrapunkt-­Programm 2020.

Es sind fünf Konzerte geplant. Da gibt es einen zeitgenössischen Abend für Harfe, aber auch als Komponistenporträt einen Liederabend mit Musik des Ostschweizers Bruno Karrer. Klassische Moderne und aktuelle Musik verbindet das neue St.Galler Ensemble Orbiter. Und erneut zu Gast ist das Feldkircher Ensemble Pulsart. (map)

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