Troubas Kater: Vertraut, aber doch ganz anders

Die Berner Band gehört zum Besten und Innovativsten, was Mundart-Pop aktuell zu bieten hat. Mit dem grossartigen neuen Album «Iz eifach nid abeluege» rüttelt die Band um Frontmann QC an der eingerosteten Berner Hierarchie.

Stefan Künzli
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Troubas Kater: Die Verunsicherung unserer Zeit wird mit Leichtigkeit eingefangen.

Troubas Kater: Die Verunsicherung unserer Zeit wird mit Leichtigkeit eingefangen.

Bild: Tabea Hueberli

Es tut sich was im Mundart-Pop. Nach Jahren des Stillstands versuchen Bands wie Jeans For Jesus und Dachs den verlorenen Zeitgeist wieder einzufangen. Mit anderen Mitteln macht dies auch Troubas Kater. Die Combo um Frontmann QC und den Gitarristen und Komponisten Matthias Urech wurde vor fünf Jahren gegründet, um den Sound von hier und heute aufzuspüren. Für sie konnte es nicht sein, dass der Berner Mundart-Pop immer noch so tönt wie im 20. Jahrhundert. Die Ur-Idee von Troubas Kater: Wie tönt Bern heute?

Im Gegensatz zu Dachs und Jeans For Jesus setzt der Kater aber nicht auf Elektronik, sondern auf akustische Sounds von traditionellen Instrumenten: Ein Sousafon übernimmt den Basspart, dazu kommen eine dreiköpfige Bläsersektion, akustische Gitarre, Schlagzeug und Akkordeon. QC will Troubas Kater ausdrücklich nicht als akustischen Gegenentwurf zur Elektronik-Combo Jeans For Jesus verstanden wissen. «Ich schätze es sehr, was Jeans For Jesus macht», sagt QC. Troubas Kater erhebt auch nicht den Anspruch, das Echte zu vertreten, nur weil die Band traditionelle Instrumente spielt. Im Gegenteil: «Wir lassen uns gern und oft von aktuellen elektronischen Sounds inspirieren und übersetzen sie auf unsere Instrumente», sagt er.

Der Song «Enzym» zum Beispiel kommt als Tango daher, der Beat ist aber dem aktuellsten Hip-Hop-Trend «Trap» entlehnt. Sousafon- und Tuba-Spieler Jürg Lerch überträgt den tiefen Bass des «Trap» auf sein Instrument und Akkordeonist Kaspar Eggimann versucht, den folkloristischen Anstrich seines zu vermeiden. Die Bläser-Sektion wiederum klingt nicht nach Blasmusik der Dorfkapelle, sondern nach der weiten Welt. Nach Brass vom Balkan oder aus Lateinamerika. QC, bürgerlich Markus Sollberger, sieht sich auch nicht in einer direkten Linie von Ur-Vater Polo Hofer. Er nennt dagegen Mani Matter und Polos Erben Patent Ochsner und Züri West. Troubas Kater verleugnet die Berner Mundart-Tradition nicht, sie wird aber aktualisiert und aufgefrischt. Der Kater klingt also irgendwie vertraut, aber doch ganz anders.

Der Sprachfluss hat oberste Priorität: Es muss rollen

Der Sänger und Rapper, der bei der Band «Männer am Meer» bekannt wurde, ist für die HipHop-Elemente besorgt. «Rap ist mein Handwerk, meine Herkunft. Das habe ich gelernt», sagt er. Als Rapper würde er sich heute aber nicht mehr bezeichnen. Wie schon Rapper wie Bligg, Lo & Leduc sowie Dabu von Dabu Fantastic hat sich QC Pop angenähert. «Hip-Hop ist mit Zwängen verbunden. Eine Liveband bietet musikalisch viel mehr Möglichkeiten. Insofern hat mir Troubas Kater die Welt der Musik aufgetan», sagt QC. Aber in seinen Lyrics geniesst der Sprachrhythmus und der Sprachfluss oberste Priorität. «Es muss rollen», sagt er. Dazu ist er bereit, Zeilen anzupassen und sprachliche Konzessionen zu machen. Der Kater groovt und bringt Leute zum Tanzen.

QC sieht sich nicht als Moralprediger. Lieber verpackt er seine Botschaften in wunderliche Geschichten mit doppelten Boden. Im neuen Album nimmt er die Hörer mit auf eine Reise durch eine Fantasie- und Traumwelt. «Finge eifach aus viu schöner i mim troumzäut», heisst es in «Troumzäut». QC will die Reise aber nicht als Flucht aus der Realität verstanden wissen. Vielmehr ermögliche die Fantasiewelt einen «anderen Blick auf die reale Welt». Sie tue «andere Sichtweisen» auf und befreie von Konventionen. «I ha ghofft i chön der stoub vo derä wäut puschte/weni nume gnue höch obe abe hueschte», singt er in «Relegione».

Troubas Kater will aber auch nicht zu schwermütig und düster wirken. Er schnurrt auch wohlig und zufrieden. Deshalb streut QC wie in «dini schwöschter» und «made in china» Witz und Humor ein. Grandios ist, wie es der Musik immer wieder gelingt, inhaltliche Stimmungen aufzunehmen und zu transportieren. Im potenziellen Hit «flügendi insle» etwa kontrastiert die düstere Strophe mit dem euphorischen Refrain («ha nur no hundert sorge mit dir») und verdeutlicht emotionale Zerrissenheit. Oder in «stägeli uf stägeli ab» steigert die Musik kontinuierlich die Spannung und steuert die Stimmung einer unruhigen Nacht auf einen dramatischen Höhepunkt zu.

Troubas Kater gehört zum Besten und Innovativsten, was Schweizer Mundart-Pop heute zu bieten hat. Mit «iz eifach nid abe luege» setzt die Band noch eins drauf und rüttelt an der eingerosteten Berner Hierarchie. Das Album ist ein Wurf – musikalisch und textlich. Zweifel und Verunsicherung in einer unruhigen, schweren Zeit werden mit eindrücklicher Leichtigkeit eingefangen und hoffnungsvoll-optimistisch transportiert.

Folgt noch ein Sommersong zum Klima-Wandel?

Aber weshalb schweigt der Kater zum Klima-Wandel? «Wir haben einen Klima-Song», wirft QC ein. Er heisst «Mis Flamingo-Böötli und ig». Ein Sommer-Song, der jetzt aber nicht ins Album gepasst hat. «Es ist aber gut möglich, dass wir ihn im Frühling noch veröffentlichen. Und überhaupt: Vor 14 Jahren habe er mit Männer am Meer und dem Song «Natürlich» schon mal einen Klima-Song geschrieben. Wahrscheinlich der erste Schweizer Song zum Klimawandel.

Troubas Kater: iz eifach nid abe luege (katha music). Live: 28.2. Langnau; 6.3. Luzern; 7.3. Attisholz; 12.3. Seewen; 28.3. Brugg; 8.4. Winterthur; 10.4. Bern (Plattentaufe); 25.4. Langenthal; 8.5. Zug; 16.5. Arbon.