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Verstörend schöne Einfraulieder

Die Amerikanerin Emily Wells gab am Mittwoch in der Grabenhalle ihr erstes Schweizer Konzert. Der Auftritt war nichts weniger als ein Blick in die Zukunft von Hip-Hop, Klassik und Soul.
Roger Berhalter

«Habt Ihr hier in der Schweiz auch Gospel?», fragt Emily Wells ins Publikum. «Nein? Aber wie vergnügt Ihr Euch denn?» Die zierliche Sängerin kann es kaum fassen, dass sie in einem Land ohne Soul gelandet ist. An diesem Mittwochabend tritt sie zum erstenmal in der Schweiz auf.

Um Loop-Meilen voraus

Ganz allein steht die 31-Jährige im Vorraum der Grabenhalle auf der Bühne. Umgeben von einer abenteuerlichen Installation aus Trommeln, Kabeln, Mischpulten, Keyboards und anderen Geräten. Ihr zu Füssen liegt das Entscheidende: Eine per Pedal bedienbare Loopmaschine, mit der Emily Wells ihre Stimme und ihre Klänge aufnehmen und nahtlos abspielen kann.

Mit einem solchen Gerät arbeiten heute viele. Bekannte Musiker hierzulande, deren Konzerte erst dank der Loopmaschine möglich werden, sind zum Beispiel Mich Gerber oder Frölein Da Capo. Wie letztere ist auch Emily Wells ein «Einfrauorchester», aber was für eins! Die Amerikanerin ist vielen ihrer Loop-Kollegen um Meilen voraus. Einerseits durch die Vielfalt: Als klassisch ausgebildete Violinistin spielt sie mit der Geige ganze Streicherensembles ein, zusätzlich aber auch Bassläufe, Melodica-Harmonien und Synthesizer-Akkorde. Dazu singt und trommelt sie live.

Anderseits klingt kaum ein Loop-Musiker so dynamisch wie sie. Spur um Spur, Element um Element schichtet sie Klanggebäude auf, lässt sie aber wenn nötig per Fusspedal wieder zusammenstürzen, um Neuem Platz zu machen.

Knackige Beats und Melancholie

Die gebürtige Texanerin kann dabei verdammt cool sein, etwa wenn sie in «Mama's Gonna Give You Love» zu einem Hip-Hop- Beat und einem reduzierten Basslauf ins Mikrophon nuschelt. Das ist Soul, das ist Gospel, und doch klingt es neu. Sie kann aber auch traurig sein. In manchen Stücken weinen die Geigen, und Wells' Stimme beginnt zu klagen. Statt knackiger Beats erklingen melancholische Flächen, auch das ist Emily Wells. In den besten Momenten verdichtet sich alles zu so verstörend schönen Liedern wie «Passenger».

Gibt die Amerikanerin Vollgas, singt sie aus voller Kehle, schlägt mit beiden Armen auf die Trommeln, stampft mit dem Fuss auf die Pauke, und gleichzeitig ertönt ein Beat, wummert ein Bass, begleiten sie mehrstimmige Chöre und Geigen. Es sind komplexe Klangspiele, die Emily Wells vor Publikum treibt. Andere würden hektisch hantieren, angestrengt schalten und walten oder gar den Überblick verlieren. Wells hingegen wirkt immer entspannt, entrückt, versunken, nie verloren. «Man muss an den Punkt kommen, an dem man loslassen kann», wird sie nach dem Konzert sagen. «Das braucht viel Übung.»

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