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Premiere eines Stars von hier: Verschwenderisch schöne Rebellion

Regula Mühlemanns erste Hauptrolle im Luzerner Theater liess lange auf sich warten. Umso ereignishafter kämpft sie jetzt in Charles Gounods Shakespeare-Oper «Roméo et Juliette» um die erste grosse Liebe.
Urs Mattenberger
Liebe als Rebellion gegen versteinerte Traditionen: Regula Mühlemann in Gounods «Roméo et Juliette» im Luzerner Theater. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)

Liebe als Rebellion gegen versteinerte Traditionen: Regula Mühlemann in Gounods «Roméo et Juliette» im Luzerner Theater. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)

Es gibt Theatererlebnisse, die prägen sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein. Gut möglich, dass die Premiere von Charles Gounods «Roméo et Juliette» am Freitag im Luzerner Theater mit Regula Mühlemann in der weiblichen Titelrolle dazu gehören wird. Denn geschafft hat das die Luzerner Sopranistin schon vor acht Jahren mit einer Nebenrolle am Luzerner Theater: Bei ihrem Auftritt als Barbarina in Mozarts «Figaro» machte der bezaubernde Silberglanz und die Leichtigkeit ihrer Stimme auf Anhieb klar, dass hier ein Stern aufging.

Jetzt, wo sie längst ein internationaler Star geworden ist, kehrt sie also in einer für sie neuen Titelrolle zurück ans Luzerner Theater (Interview in der Ausgabe vom Mittwoch). Man spürte an der Premiere, dass sich Mühlemann und das Luzerner Publikum dank ihrer zahlreichen Auftritte in der ­Region und vor allem im KKL ­verbunden fühlen. Der Applaus am Ende von Gounods hochromantischer Shakespeare-Oper war am Freitag enthusiastisch und brandete beim Erscheinen Mühlemanns an der Rampe auf.

Weltklasse am Luzerner Theater

Viele Bravorufe gab es zwar auch für andere Sänger, den Theaterchor, das Luzerner Sinfonieorchester unter Clemens Heil und für die Inszenierung von Vincent Huguet. Der junge Regisseur interpretiert den Familienzwist zwischen den Montaigus und Capulets einleuchtend als Wertekonflikt zwischen den Generationen und bringt damit in der Festszene zu Beginn unerwartete Dynamik ins eher statische Werk.

Aber auch da fällt Mühlemann bereits eine Hauptrolle zu, wenn sie ihre Gipsbüste, mit der ihr Vater sie in die museale Ahnengalerie der Capulets einreihen will, zu Boden schmeisst und als moderne junge Frau furios gegen die arrangierte Heirat mit Graf Pâris und für ihre erste ­grosse Liebe rebelliert. Und so ist man selbst beim Schreiben über die Inszenierung rasch wieder bei den Sängern, allen voran bei Mühlemann und dem Tenor Diego Silva als Roméo, deren grosse, schwelgerische Duette das Herzstück der Oper sind.

Regula Mühlemann als Juliette und Diego Silva als Roméo. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)

Regula Mühlemann als Juliette und Diego Silva als Roméo. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)

Nicht nur rollenbedingt kann man hier die Luzerner Sängerin von einer neuen Seite kennen lernen. Mühlemanns Stimme verfügt selbstverständlich über den jugendlichen Barbarina-Glanz und eine schwerelose Wendigkeit. Aber sie hat an Fülle und Durchsetzungskraft hinzugewonnen und wechselt mühelos vom dunkel getönten dramatischen Ausdruck ins Delirium gleis­sender Spitzentöne. Zudem lebt Mühlemanns Juliette von einer animalischen Spiellust und Bühnenpräsenz, die sich in ihren konzertanten Auftritten im KKL nur eingeschränkt entfalten kann. Ein Glücksfall von Weltklasse am Luzerner Theater also: Allein wegen dieser Sängerin sollte man sich diese Produktion auf keinen Fall entgehen lassen.

Grosse Oper im kleinen Haus

Trotzdem ist Mühlemann hier nicht Star, sondern ganz Teamplayer. Diego Silvas Roméo – ein Rocker mit schwarzer Lederjacke und weichem Kern– behauptet sich neben dieser Juliette eindrücklich mit tenoralem Schmelz und einer dramatischen Erregung, die lediglich in hohen ­Lagen etwas im Schatten dieser Juliette steht. Ihre verschwenderisch schönen Duette, in denen sich die Schwingungen und ­Vibrationen beider Stimmen potenzieren, sind ganz gross in der Oper im kleinen Haus an der Reuss. Obwohl das Liebespaar die übrigen Beteiligten fast zu Nebenrollen macht, gibt es auch in diesen starke sängerische wie darstellerische Akzente. Im Bandenkampf prallt der mächtige Bariton von Bernt Ola Volungholens Mercutio auf den hochgespannten Tenor von Robert Maszls Tybalt. Jason Cox als Graf Capulet und Vuyani Mlinde als Frère Laurant geben der Familien- und der kirchlichen Autorität machtvolle Statur. Abigail Levis (als Romeos Freund Stéphano) und Flurin Caduff (als tölpelhafter Graf Pâris) steuern Kabinettstücke an Komik bei.

Doppelt filmreif

Womit man von den Sängern noch einmal zurückkehren muss zur Inszenierung. Die Bühne von Aurélie Maestre setzt die Idee des Generationenkonflikts um, indem sie die Handlung in leicht surreal verwinkelte Museumsräume verlegt. In diesen symbolisieren Statuen und Büsten die Macht versteinerter Traditionen und Werte wie die drohende ­Musealisierung von Kunst. Das schafft eine starke Atmosphäre, aber verstärkt den statischen Charakter der Oper.

Paradoxerweise gilt das auch für das realistische Spiel. Dieses tendiert in der Hochzeitszeremonie zum Kitsch und reizt den tödlichen Kampf der Familiengangs als Prügelei im B-Movie-Stil aus.

Filmreif ist auch die Musik, die das Luzerner Sinfonieorchester unter Clemens Heil beisteuert. Es trägt die grosse Liebe mit orchestralen Wogen empor, ohne das Pathos zu sehr zu strapazieren. Und es sorgt mit betörenden kammermusikalischen Feinheiten und Farben für jene intimen Momente, in denen sich auch eine grosse Liebe erfüllt.

Vorstellungen: 4., 8., 11., 16., 18., 22., 24., 30. November, 2., 7., 9., 20., 22., 26. Dezember, Luzerner Theater. Infos/VV: www.luzernertheater.ch

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