Verrückter Reiter aus Südkorea

Er hat den beliebtesten YouTube-Clip der Geschichte gedreht: Der Rapper Psy reitet auf einem imaginären Pferd. Und kritisiert sein Land.

Cathrin Michael
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South Korean rapper PSY, who sings the popular "Gangnam Style" song, dances after his press conference in Seoul, South Korea, Tuesday, Sept. 25, 2012. (AP Photo/Lee Jin-man) (Bild: Lee Jin-man (AP))

South Korean rapper PSY, who sings the popular "Gangnam Style" song, dances after his press conference in Seoul, South Korea, Tuesday, Sept. 25, 2012. (AP Photo/Lee Jin-man) (Bild: Lee Jin-man (AP))

Steht er auf der Bühne, interessiert sich niemand mehr für Britney Spears. In einer amerikanischen Talkshow bleibt ihr der Mund offen, als der südkoreanische Sänger Psy wie ein verrückter Reiter auf der Bühne tanzt – ohne Pferd natürlich. Dieser «Gangnam Style» und sein gleichnamiges Video haben ihn berühmt gemacht. Darin reitet er ein imaginäres Pferd, wackelt mit der Hüfte, schwingt mit den Armen, als würde er ein Lasso durch die Luft wirbeln. Dazu hämmert ein eingängiger Dance-Beat.

Das Video ist erst seit Mitte Juli auf YouTube zu sehen, doch Horden von Fans, sogar ihre Mütter, Soldaten der US-Navy und Stars wie Robbie Williams ahmen den Reitertanz nach kurzer Zeit nach. Nun auch Britney Spears. Als sie sich ihre Highheels ausziehen will, winkt Psy ab und sagt: «Dress classy, dance cheesy.» Schön angezogen sein, aber billig tanzen – das geht auf.

Er holt den Weltrekord

Psy hat mit dem Video einen Weltrekord aufgestellt: 2 141 758 Mal wurde der «Like»-Knopf unter dem Clip angeklickt. «Gangnam Style» ist somit das beliebteste Video in der Geschichte von YouTube. Es sei das Video gewesen, bei dem alle gefragt hätten: «Hast du das schon gesehen?», sagte Dan Barrett vom «Guinness World Records». Unglaubliche 300 Millionen Mal wurde es bereits angesehen.

Der Durchbruch für den pummeligen Rapper mit dem richtigen Namen Jae-Sang Park kam plötzlich, obwohl der 34-Jährige schon seit zehn Jahren im Geschäft ist. Er produziert und schreibt eigene Musik und hat bereits sechs Alben veröffentlicht. In «Gangnam Style» kritisiert er den verschwenderischen Lebensstil im angesagten Nobelviertel Gangnam in Seoul, «dem Beverly Hills von Korea», wie Psy erklärt. Er zeigt schick gekleidete Menschen beim Tennis, solche, die vor der Skyline Seouls Fitnessübungen machen, und gerät mit zwei asiatischen Schönheiten in einen Sturm aus Koks.

Die Texte handeln von «heissen Bräuten» und davon, dass Psy der geeignete Mann für sie sei. Die Botschaft jedoch sagt klar: Es geht nicht um Geld und Muskeln, sondern darum, etwas im Kopf zu haben.

Die K-Pop-Welle kommt

Der Einzug in die Schweizer Single-Hitparade (momentan Platz fünf) und Platz eins der iTunes-Charts: Das ist bisher noch keinem anderen Südkoreaner gelungen. Psys Erfolg könnte der Beginn einer K-Pop-Welle sein, die von Asien über den Mittleren Osten und Amerika langsam nach Europa rollt. K-Pop ist Popmusik aus Südkorea, die Dance-Beats und R'n'B-Rhythmen vermischt. Sie entstand in den 1990er-Jahren analog zum japanischen J-Pop. Zwischen den koreanischen Strophen tönt's immer mal wieder «Oh Yeah!» oder «Alright!». Die vielen Boy- und Girlbands sind adrett gekleidet, sorgfältig frisiert und Tausende Teenager ahmen ihren Stil nach.

Bleibt abzuwarten, ob sie auch mit Psy mitziehen. Sollte dieser Platz eins der US-Charts erreichen, will er halbnackt vor einer Menschenmenge tanzen. «Am liebsten vor dem Rathaus in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.»