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Philippinischer Film feiert die Liebe in der Gallusstadt

Am Filmfestival Fribourg stehen romantische Komödien im Focus. Mit dabei ist «Meet me in St. Gallen» der philippinischen Regisseurin Irene Villamor.
Geri Krebs
Die philippinische Filmcrew 2017 in der Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: PD)

Die philippinische Filmcrew 2017 in der Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: PD)

Eigentlich ist es nichts anderes als die alte traurige Geschichte von den zwei Königskindern, die zueinander nicht finden. Celeste und Jesse heissen sie hier, sind Mitte 20 und leben in der philippinischen Hauptstadt Manila. Zwar entstammen sie nicht gerade königlichen, aber doch gut ­situierten Familien in dem ostasiatischen Inselstaat. Celeste ist erfolgreiche Werberin mit künstlerischen Ambitionen, während Jesse Medizin studiert, dabei aber vom Wunsch beseelt ist, Rockstar zu werden. Die beiden laufen sich in einem Coffeeshop über den Weg, zoffen sich zuerst mal. Dies deshalb, weil Celeste Jesse beschuldigt, sie verfolgt zu haben.

Doch heftig einsetzender Regen – in romantischen Komödien fast zwingend – lässt die zwei sich näherkommen. Als sie sich bei dieser ersten Begegnung mit ­Namen vorstellen, sagt Celeste: «Aha Jesse, wie im Film Celeste and Jesse forever». Und spielt damit auf die gleichnamige romantische Komödie von US-Regisseur Lee Toland Krieger an, ein Film, der im Sommer 2013 auch in hiesigen Kinos lief und den einige Kritiker mit Woody Allens Filmen verglichen.

Philippinisches Kino auf der Suche nach Sehnsuchtsorten

Ganz im Gegensatz zum Film von Regisseurin – und Drehbuchautorin – Irene Villamor ist dort das Protagonistenduo, gespielt von Rashida Jones und Elijah Wood, seit Jahren verheiratet und beschliesst eine Trennung im gegenseitigen Einvernehmen – um sich danach im Laufe der Jahre doch immer wieder zu begegnen und es vergeblich wieder miteinander zu versuchen.

Demgegenüber ist «Meet me in St. Gallen» ein Film, der von der Unmöglichkeit handelt, aus einer flüchtigen Begegnung eine Beziehung wachsen zu lassen – und dies, obwohl beide Haupt­figuren in unterschiedlichen ­Momenten sich nichts sehnlicher wünschen als das. Der stark dialoglastige Film spielt zu weiten Teilen in Innenräumen und konzentriert sich ganz auf die beiden Hauptfiguren Celeste und Jesse, gespielt von Bela Padilla und Carlo Aquino, die in den Philippinen zwei Superstars sind. Erst die letzte Viertelstunde des Films erklärt den Titel, Celeste und Jesse treffen im verschneiten St. Gallen des Dezembers 2017 aufeinander.

Philippinischer Film gleicht Bollywood

Es war der Basler Cyrill Gerber und seine Firma Milan Film, der damals als Service-Produzent für den reibungslosen Ablauf der unter grossem Zeitdruck stattfindenden Dreharbeiten des philippinischen Filmteams sorgte. Er machte sich 2018 einen Namen als einer der Produzenten von «Out of Paradise» des in der Schweiz lebenden Mongolen Batbayar Chogsom.

Gerber erklärt in Fribourg: «Ähnlich wie im Bollywood-Kino ist auch das philippinische Mainstream-Kino unentwegt auf der Suche nach Sehnsuchtsorten, die für das dortige Publikum absolut exotisch sind.» Und Festivaldirektor Thierry Jobin ergänzt: «Ich suche für das Festival stets auch nach Filmen, in denen die Schweiz mit den Augen von Menschen aus ganz anderen Kulturen gesehen wird.»

Nachgefragt
«St. Gallen ist für Weihnachten perfekt»
Irene Villamor, Regisseurin und Drehbuchautorin von «Meet me in St. Gallen» erzählt von ihrer Faszination für die Gallusstadt.

Wie kamen Sie auf St. Gallen als Schauplatz?
Die Geschichte sollte auf einem Weihnachtsmarkt in Europa enden, denn Celeste, die Künstlerin, hat den Wunsch, einmal Weihnachten in einem fernen Land zu verbringen, samt den dafür typischen Dekorationen und – ganz wichtig für alle Filipinos: Schnee. So suchte ich online nach Weihnachtsmärkten – dabei fiel mir der St. Galler als einer der 10 populärsten auf. Die Bilder der leuchtenden Sternenstrahlen über den Strassen überzeugten mich, den 3. Akt des Films in St. Gallen spielen zu lassen.

Der Film war in den philippinischen Kinos ein grosser Erfolg. Was bleibt dem dortigen Kinopublikum von St. Gallen in Erinnerung?
Nun, philippinische Kinogänger wissen jetzt, dass St. Gallen für Weihnachten perfekt ist, ein «place to go». Davor hatte noch nie jemand etwas von St. Gallen gehört, niemand hätte gewusst, wo in Europa sich die Stadt befindet.

Und was bleibt Ihnen als wichtigste Erinnerung?
St. Gallen ist gleichermassen ursprünglich und charmant. Die Stiftsbibliothek und der Dom haben mich überwältigt, ebenso die bereits erwähnten Sternenlichter über den Strassen. All das war der perfekte Hintergrund für die Einsamkeit von Jesse und seinen existenziellen Überlegungen zur emotionalen Ausnahmesituation, in der er sich befindet.

Romantische Komödien sind im philippinischen Kino seit je populär. Hat sich das Genre in den letzten Jahren verändert?
Absolut. Noch vor wenigen Jahren hatten diese Filme meist eine leichtfüssige, vorhersehbare Story mit einem obligaten Happy End. Doch in letzter Zeit gibt es immer mehr Filme wie «Meet me in St. Gallen», bei denen im Kontext einer Love Story auch ökonomische, politische oder soziale Probleme gestreift werden.

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