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Der Streit geht weiter: Verhindert das Theater St.Gallen Milo Rau?

An der Palace-Diskussion zur Kulturpreisverleihung sagte Milo Rau am Samstag, er habe dem Theater St.Gallen mehrere Stücke angeboten, aber nie eine positive Antwort bekommen. Das Theater weist die Vorwürfe zurück, ist aber an Rau weiterhin interessiert.
Hansruedi Kugler
Seit «City of Change» im Jahr 2011 gab es auf St.Galler Bühnen keine Inszenierung von Milo Rau. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seit «City of Change» im Jahr 2011 gab es auf St.Galler Bühnen keine Inszenierung von Milo Rau. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Debatte um die Verleihung des St.Galler Kulturpreises geht in die nächste Runde. Nach dem Stadtpräsidenten Thomas Scheitlin greift Regisseur Milo Rau die Leitung des Theaters St.Gallen an. An der Diskussion am Samstag Abend im Palace sagte Rau, er habe dem hiesigen Theater mehrfach Stücke und Co-Produktionen angeboten, aber nie eine Antwort bekommen. Auf Nachfrage, um welche Stücke es sich gehandelt habe, sagte er: «Em­pire» und «Hate Radio".

«Daraus schliesse ich, dass Werner Signer an meinem Theater kein Interesse hat.»

Eine brisante Äusserung, denn die stadträtliche Begründung, wieso Rau bei der Vergabe des Kulturpreises übergangen worden ist, lautete: zu wenig kulturelle Fussabdrücke in der Stadt. Verhindert also das Theater St.Gallen Milo Rau? Tatsächlich sah man nach «City of Change» im Jahre 2011 auf St.Galler Bühnen keine Inszenierung von Milo Rau mehr. Tim Kramer, von 2007 bis 2016 Schauspieldirektor, sagt, Milo Rau habe ihm kein Stück mehr angeboten. Umgekehrt habe er Rau eine Arbeit angeboten: «Mein Vorschlag war, die Gerichtsverfahren um die Deutsche Bank und den Ostschweizer Josef Ackermann zu beleuchten. Ob aus Desinteresse oder Zeitmangel, in jedem Fall hat er mich bezüglich eines möglichen weiteren Projektes in St. Gallen nicht mehr kontaktiert.»

Werner Signer weist Unterstellung zurück

Auch die für «City of Change» verantwortliche Dramaturgin Karoline Exner sagt, Milo Rau habe ihr keine Stücke angeboten. «Selbstverständlich hätte ich einen solchen Vorschlag mit Tim Kramer besprochen, da ich das Schaffen von Milo Rau als politisch und kulturell bedeutend einschätze.» Milo Rau sagt dazu: «An die Josef-Ackermann-Geschichte erinnere ich mich leider nicht. Man muss dazu wissen, dass mir sehr häufig Gerichtsverfahren vorgeschlagen werden.» Seine Produktionsleiterin habe die Verantwortlichen beim Theater nicht erreichen können.

Werner Signer, geschäftsführender Direktor des Theaters St.Gallen

Werner Signer, geschäftsführender Direktor des Theaters St.Gallen

Werner Signer, geschäftsführender Direktor des Theaters St.Gallen, weist Milo Raus Äusserung zurück: Er habe noch nie eine Produktion verhindert. Das bestätigen sowohl Tim Kramer wie der jetzige Schauspieldirektor Jonas Knecht. Signer weiter: «Wenn man mit jemandem eine gute Produktion gemacht hat, und Milo Raus ‹City of Change› war eine solche, dann sucht man die weitere Zusammenarbeit.» Tim Kramer unterstreicht Signers Loyalität beim Projekt «Lehrermord» und «City of Change»: «Ich möchte betonen, das in diesen stürmischen Zeiten, die bis hin zu einer Morddrohung mir gegenüber gipfelten, Werner Signer und der gesamte Verwaltungsrat äusserst loyal und unterstützend waren.»

Gastspiele sind in St.Gallen bisher heimatlos

Sowohl Milo Rau wie das Theater St.Gallen haben trotz solcher Misstöne weiterhin Interesse an einer Zusammenarbeit. «Ich würde mich freuen, wenn einmal ein Stück von mir eingeladen würde», sagt Milo Rau. So wie das bei seinen Filmen möglich sei. Diese stellt er oft persönlich im St.Galler Kino Kinok vor. Und relativiert seine Kritik vom Samstag: Es sei ein strukturelles Problem, da das Stadttheater für Co-Produktionen mit freien Gruppen nicht gut aufgestellt sei und weil ein potenter Ort für Gastspiele fehle. Schauspieldirektor Jonas Knecht bedauert die derzeitigen Querelen:

«Ich finde Milo Rau einen extrem interessanten Künstler, den ich sehr gerne in St.Gallen zeigen würde.»

Die beiden sind in regem Kontakt. So hat Milo Rau Jonas Knecht im Frühsommer 2016 ein Gastspiel angeboten: «Mitleid 2» war der Arbeitstitel. Weil die Planung für seine erste Saison schon abgeschlossen war, habe er aber absagen müssen, sagt Jonas Knecht. Umgekehrt hat Milo Rau ein Angebot von Jonas Knecht nicht annehmen können. Für das Episodenstück «Das Schweigen der Schweiz» hat Knecht Rau gebeten, eine Szene beizusteuern. Das habe sich aber terminlich nicht ergeben, sagt Rau. Generell zum Thema Gastspiele sagt Jonas Knecht: «Wir haben viele Anfragen für Gastspiele. Aber dafür haben wir im Theater St.Gallen derzeit weder Geld noch Personal.» Solche Gastspiele müssen ausserhalb des Theaters finanziert werden. Diese Erfahrung hat Jonas Knecht selbst als freier Theatermann oft gemacht.

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