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Stück zum Kristallhöhlenmord: Vergessen tötet ein zweites Mal

Dass Mord in der Schweiz verjähren kann, hat Regisseur Dietmar Paul so beschäftigt, dass er es im seinem Stück ­«Höhlenmord» thematisiert. Darin geht es um den Mord an zwei Mädchen bei der Kristallhöhle.
Mirjam Bächtold
Regisseur Dietmar Paul: «Das Stück basiert auf Tatsachen, aber vieles ist Fiktion.» (Bild: Mareycke Frehner)

Regisseur Dietmar Paul: «Das Stück basiert auf Tatsachen, aber vieles ist Fiktion.» (Bild: Mareycke Frehner)

Im Juli 1982 machten Karin Gattiker und Brigitte Meier eine Velotour durch die Ostschweiz. Am 31. Juli wurden sie zuletzt lebend gesehen, an einer Wegkreuzung in Oberriet verlor sich ihre Spur, es wurden nur die Fahrräder gefunden. Erst im Oktober 1982 wurden die Leichen der beiden Mädchen entdeckt, unter Steinen begraben in der Nähe der Kristallhöhle Kobelwald. Der Täter wurde aus Mangel an Beweisen nie ermittelt. Nun ist der Mord seit sechs Jahren verjährt, letztes Jahr wurden die Beweise vernichtet. Diese Verjährung von Mord, die es in Deutschland und Österreich nicht gibt, war der Auslöser für Dietmar Paul, das Stück «Höhlenmord» zu schreiben, das im Oktober im Theater 111 in St.Gallen aufgeführt wird.

Es geht in seinem Stück nicht um eine Darstellung der Ereignisse der damaligen Zeit. Dietmar Paul will die Folgen des Ereignisses aufzeigen und hat dazu als Figur Sandra geschaffen, die Zwillingsschwester eines der ermordeten Mädchen, die nun drei Wochen vor der Verjährung dafür kämpft, dass der Fall neu aufgerollt wird. Ihr Gegenspieler im Stück ist der Staatsanwalt Urs, den sie kurzerhand entführt. Sie will ihn zwingen, ihr zuzuhören und die Akten wieder zu öffnen.

Theorien ranken sich um den Mordfall

«Das Stück basiert zwar auf wahren Tatsachen, es ist aber vieles Fiktion. Ich habe eine eigene Geschichte geschrieben, in der es vor allem um Trauer geht und darum, was sie mit den Menschen machen kann», sagt Dietmar Paul. Beide Figuren im Stück wurden durch die Ereignisse geprägt und verändert. Der Autor will mit seinem Stück auch keine logische Theorie präsentieren, wer der Täter hätte sein können.

«Ich will die Frage aufwerfen, ob die Verjährung eines Mordes sinnvoll ist oder nicht.»

So wie sich um den Mordfall verschiedenste Theorien ranken, treibt Dietmar Paul sein Stück in drei Mögliche Richtungen. Der Zuschauer soll sich so verwirrt fühlen, wie damals die Ermittler.

Mit Betroffenen gesprochen

Für die Recherche hat Dietmar Paul viel gelesen, etwa Peter Beutlers Roman «Kristallhöhle» oder «Zwillinge» von Arthur Honegger. Ausserdem hat er mit Betroffenen gesprochen, mit einem Mitglied der IG Kristallhöhlenmord, die im November 2017 gegründet wurde, mit Bewohnern aus Goldach, wo die Mädchen gewohnt hatten und mit Personen, welche die Familien kannten oder entfernt verwandt sind. Er besuchte die Kristallhöhle und verschaffte sich ein Bild vor Ort. Um die Trauer authentisch schildern zu können, hat er auch mit Seelsorgern gesprochen.

Es ist ein kluger Schachzug, eine Zwillingsschwester ins Spiel zu bringen. Die Schauspielerin Eveline Ketterer wird Sandra spielen. «Ich bin froh, dass die Zwillingsbeziehung zentraler ist als der Mord. Wenn man sich zu sehr in die Geschehnisse von 1982 vertieft, ist das kaum auszuhalten», sagt sie. Sandra leidet im Stück nicht nur am Verlust der Schwester, sondern auch an Schuldgefühlen und am festen Glauben, sie ersetzen zu müssen. In «Höhlenmord» schildert Dietmar Paul eindrücklich, wie Trauer einen Menschen zerstören kann, bis er zu allem fähig ist und die eigene Freiheit riskiert.

Premiere im Theater 111 am Freitag, 5. Oktober.

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