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Verflixter Generationenkonflix: Adrenaline im Gallierdorf

Das Gallierdorf steht wieder einmal Kopf: In ihrem neusten Album erhalten Asterix und Obelix Besuch von der jüngeren Generation.
Stefan Brändle
Aufregung ist im Anmarsch: Rote Zöpfe sorgen bald für Aufregung im Gallierdorf und einen Adrenalin-Schub bei Obelix. (ZVG)

Aufregung ist im Anmarsch: Rote Zöpfe sorgen bald für Aufregung im Gallierdorf und einen Adrenalin-Schub bei Obelix. (ZVG)

Nein, die Frage lässt sich nicht länger beiseiteschieben: Kommt Obelix etwa in die Pubertät? Seine Nerven – und nicht nur die seinen – liegen öfters blank. Der Grund ist ein mysteriöser Besuch in dem Gallierdorf, das sich nicht von den Römern unterjochen will.

Zwei mit Geweihen geschmückte Häuptlinge kommen nächtens mit einer schlanken und ranken Gestalt mit feuerrotem Haarzopf. Es handelt sich um niemand geringeren als die Tochter des Vercingetorix, jenes historischen Arvernerchefs, der in der historischen Wirklichkeit gegen Caesar unterlag.

Noch ist die Geschichte geheim

Der neuste Asterix-Band erscheint erst am 24. Oktober in zwanzig Sprachen, und auch wenn der genaue Ablauf der Geschichte bis dahin geheim bleibt, wissen Fans längst: Adrenaline – so heisst die junge Frau charmanterweise – wird im Gallierdorf über Kurz für einen höheren Blutdruck und Herzschlag sorgen.

Ganz besonders bei Obelix, der zwischen rotem Kopf, Schmollhaltung und schnippischen Antworten die gleichen Symptome zeigt wie Adrenaline und ihre Altersgenossen Selfix und Blinix.

Vercingetorix selbst kommt nicht vor in dem 38. Band, dem vierten des Szenaristen Jean-Yves Ferri und des Zeichners Didier Conrad. Während der Zeit Caesars – also Asterix’ – war der echte Arvernerhäuptling noch am Leben: Er schmorte bis zu seinem Tod im Jahre 46 v. Chr. in einem römischen Kerker.

Wie schon die beiden Asterix-Schöpfer René Goscinny und Albert Uderzo wollte, ja konnte Ferri die historische Wirklichkeit nicht verändern. Dafür erfand er die Häuptlingstochter.

Mit den Zöpfen von Greta Thunberg

Und deshalb gebührt die Heldenrolle des neusten Asterix-Bandes nach bleibenden Charakteren wie Falballa, Maestria oder Gutemine wieder einmal einer Frau. Das passt zum Zeitgeist, geht aber nicht darüber hinaus: Das Thema Feminismus passe zum Beispiel nicht in eine antike Geschichtsära, meinte Ferri diese Woche an einer Pressekonferenz in Paris.

Dass Adrenaline gar die Züge – zumindest Zöpfe - einer Greta Thunberg tragen soll, wollte er auch nicht bestätigen. Die unvermeidlichen Anachronismen, also Anspielungen auf die Gegenwart, fallen subtiler aus. Etwa, der keltische Halsring Torques, der die Römer auf Adrenalines Fährte bringt, aber (nicht) mit einem Handy-Kopfhörer zu verwechseln ist.

Die ganze Story klingt schon einmal gut ausgedacht. Das gilt auch für die Namen der neuen Protagonisten und die Anachronismen, den Wortwitz und die obligaten Running Gags. «Was heisst das, Zaubertrank macht fett?!?», fragt Obelix mit nun schon puterroter Nase.

Ferri und Conrad, beide schon Jahrzehnte in der französischen Comic-Branche tätig, sind absolute Profis. Dem Asterix-Urahnen Goscinny (+1977) und Uderzo (92) zollen sie den gebührenden Respekt:

Die Sesterzen rollen weiter

Nach seinem vierten Asterix-Streich bezeichnet Ferri den Goscinny-Stil weiterhin als «unnachahmbar» und sagt: «Wir versuchen schlicht, den Geist der Serie zu bewahren – mit einem Mix aus Antikem und Aktuellem, der immer noch zum Lachen bringt.»

Und Sesterzen, die weiter rollen. Der Grossverlag Hachette, dem Uderzo die Rechte an den Asterix-Bänden 2008 abgetreten hatte, sorgt für eine Startauflage von fünf Millionen Alben. Zwei Millionen erscheinen auf Französisch, 1,6 Millionen allein auf Deutsch.

Noch wichtiger war Uderzos Entscheid, die Serie nicht mit ihm selber enden zu lassen, sondern ein Nachfolger-Duo anzustellen, das alle zwei Jahre einen neuen Band herausbringt. So erreicht der scheinbar alterslose Asterix, dessen erstes Abenteuer 1959 im Comicmagazin «Pilote» erschienen war, heuer das runde Alter von 60 Jahren.

Exakt gleich alt, auch wenn nicht alterslos, sind Ferri und Conrad. So lange sie das Niveau halten, werden sie die Cashmaschine namens Asterix zweifellos am Leben halten. Die Generationen der ersten Asterix-Leser trauern der Gosciny-Ära nach und schnöden, dass den neuen Alben «irgendetwas» etwas fehle, was die alten ausgemacht habe.

Die Kids von heute stören sich aber nicht an den relativ anonymen Autorennamen und freuen sich über das neue Gallier-Abenteuer. Eben: ein richtiger Generationenkonflikt. Nachzulesen im 38. Band.

Hinweis

Die Tochter des Vercingetorix. Asterix-Band 38, Hachette. Ab 24. Oktober im Handel.

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