Verdis «Attila» in Licht und Schatten

Aufs Ganze gesehen erntet die Inszenierung der Oper «Attila» auf dem St. Galler Klosterplatz in den Zeitungen viel Lob. «Die Latte für die Konkurrenz in Solothurn, Avenches, Pfäffikon und Schinznach ist hoch gelegt», meint Christian Berzins in der «Aargauer Zeitung» zum Start der St.

Drucken
Teilen

Aufs Ganze gesehen erntet die Inszenierung der Oper «Attila» auf dem St. Galler Klosterplatz in den Zeitungen viel Lob. «Die Latte für die Konkurrenz in Solothurn, Avenches, Pfäffikon und Schinznach ist hoch gelegt», meint Christian Berzins in der «Aargauer Zeitung» zum Start der St. Galler Festspiele. Regisseur und Bühnenbildner Stefano Poda lasse sich klugerweise nicht auf Aktualisierungen ein, dafür könne er «die Musik in prächtige Bilder setzen».

«Beleidigend schlecht»

Noch besser als der Regisseur schneidet der Dirigent Antonino Fogliani ab. Das von ihm geleitete Sinfonieorchester St. Gallen lasse Verdis «nicht eben geniales Frühwerk» pulsieren, «dass es eine Freude ist», stellt Berzins fest. Keine Freude sei, dass man es über die Verstärkeranlage «beleidigend schlecht hört».

Es ist eine Kritik, der sich auch andere Zeitungen anschliessen. Das Orchester sei «mit seiner reichen und differenzierten Arbeit akustisch nicht optimal präsent», schreibt Herbert Büttiker im Winterthurer «Landboten». Und in den Ohren des auf der rechten Tribüne sitzenden NZZ-Berichterstatters Jürg Huber «klangen die aus Lautsprechern hinter der Bühne zugespielten Klänge an der Premiere oft matt.»

«Perfekt als Kriegerin»

Umso besser schneiden die Sänger ab – und vor allem die Sängerin, Mary Elizabeth Williams als Odabella. «Die weibliche Protagonistin ist der Star des Abends», stellt die NZZ fest, nachdem sie den «strömenden Bass» des Attila-Darstellers Alexander Vinogradov ebenso gelobt hat wie den «warmen unforcierten Tenor» von Bruno Ribeiro als Foresto. Mary Elizabeth Williams sei «perfekt für die Rolle der Kriegerin», stellt Christian Berzins fest. Vinogradov möge als Hunnenkönig zwar «etwas gar jungenhaft und schmächtig wirken», sein Bassbariton aber werde im Laufe des Abends schnell schöner und sicherer.

Einen letzten Aspekt hebt Stephan Thomas in der «Südostschweiz» hervor: die ebenfalls von Stefano Poda verantwortete Lichtregie. «Kein Wunder, dass man über seinem Spiel mit Licht und Schatten vergisst, was denn hier Schauerliches über die Bühne ausgebreitet ist.» Rolf App