Verdi und das Welterbe

Kultur ist ein wichtiges Argument, wenn es ums Reisen geht. Doch wie werden die Kulturstadt St. Gallen und ihre Attraktionen auf ausländischen Reiseportalen dar- und vorgestellt? Ein kleiner Ausflug ins Netz.

Beda Hanimann
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Die Attraktion Nr. 1, gespeichert für zu Hause: Unesco-Welterbe Stiftsbezirk. (Bild: Urs Jaudas)

Die Attraktion Nr. 1, gespeichert für zu Hause: Unesco-Welterbe Stiftsbezirk. (Bild: Urs Jaudas)

Es war ein Zufallstreffer, nicht gesucht und nicht erwartet, auf der virtuellen Spur der Stichworte Verdi, Wagner und St. Gallen. «Festliches Verdi-Wochenende in St. Gallen», stand da auf der ersten Seite eines PDF-Prospekts des Linzer Reiseanbieters Sabtours. «Notenblatt» heisst der Prospekt mit «Opern- und Musikreisen 2013», weiter hinten folgen dann Destinationen wie Leipzig, Berlin, Paris, München und Verona.

Ein toller Auftritt für die «schöne Schweizer Kantonshauptstadt St. Gallen», die im März mit Vorträgen, Konzerten und Opern tatsächlich zum Verdi-Mekka wird. Nicht aus dem Nichts heraus, wie eine andere Website bestätigt: «Das Theater St. Gallen hat eine lange und erfolgreiche Tradition, was die Pflege der Opern Giuseppe Verdis anbelangt», heisst es auf freizeit-erlebnisse.com.

Einzigartige Kulisse

Am Anfang also war der Zufallstreffer. Er weckte bald die Frage: Und wie ist das denn so generell, die Kulturstadt St. Gallen im Internet? Wie gerät die Gallusstadt online in den Radar der Kulturreisenden? Also schnell und gezielt weitergesucht nach Stichwörtern Kunstreisen, Kulturreisen, Musikreisen, Festspielen – immer ergänzt um den Zusatz «nach St. Gallen».

Man wird rasch fündig, oft allerdings sind es auch ältere Seiten. Vor drei Jahren hatte Rainer J. Beck, «Deutschlands ältester Spezialveranstalter für Musikreisen», das dreitägige Programm «Frühling im liebenswerten St. Gallen» im Angebot, zu Verdis «Alzira» und Stadtführung gehörte auch ein Abstecher zu den «Meistersingern» nach Zürich. Die deutsche DCS-Touristik bot im gleichen Jahr ein 2-Tages-Package an zu den Festspielen mit «Hörgenuss vor einer einzigartigen Kulisse».

Die «einzigartige Kulisse», das Unesco-Welterbe Stiftsbezirk, schält sich denn auch bald als eigentliches Top-Argument für eine (Kurz-)Reise nach St. Gallen heraus. Sekundiert meist von Festspielen und Verdi-Tagen, die den Kulturinteressierten den letzten Kick geben. Oder einfach ein konkretes Datum liefern.

Die Vergangenheit lockt

Bahnurlaub.de gibt auf der Unesco-Schiene Vollgas. Der Online-Anbieter bewirbt von Juli bis Oktober eine achttägige Reise zu den Schweizer Unesco-Welterben, die ersten zwei Tage sind der Gallusstadt gewidmet: «Die hübsche Altstadt, das Stift und eine lebhafte Kulturszene machen St. Gallen einen Besuch wert.»

Unter den Tourempfehlungen von kulturreise-ideen.de ist auch die Stiftsbibliothek als «älteste Bibliothek der Schweiz und eine der grössten und ältesten Klosterbibliotheken der Welt» aufgeführt.

Es ist also primär die Kulturgeschichte, mit der auswärtige Anbieter ihren Kunden die Stadt schmackhaft machen. Beck etwa schrieb damals zu seinem liebenswerten St. Galler Frühling: «Den besonderen Rang und guten Namen, den St. Gallen in der Kulturgeschichte Europas hat, verdankt diese Stadt in hohem Mass bedeutenden Kulturschaffenden früherer Zeiten, sei es in Literatur, Architektur oder Malerei.»

Kleinste Grossstadt der Schweiz

Aber es ist nicht nur das. Bahnurlaub.de verspricht einen Stadtrundgang, der einen «Eindruck von der glanzvollen Vergangenheit bis hin zur Gegenwart» vermittle. Die spielt auch im Städtetip für die «kleinste Grossstadt der Schweiz» des Wiener Portals tip-online.at eine wichtige Rolle. Unter der Rubrik «Anschauen» figurieren neben dem Stiftsbezirk auch die Stadtlounge, zum «Anhören» werden die Festspiele und das OpenAir empfohlen sowie das «für seine gute Akustik bekannte» Theater. Dazu komme «ein reiches Kulturleben auf Bühnen, in Museen und Galerien».

Erwartungsgemäss noch detaillierter sind die heimischen Portale, allen voran das offizielle MySwitzerland.com. Dort kommen auch die Kunsthalle und das Textilmuseum zu Ehren oder das noch junge Military Tattoo. Die Kultur als Reiseargument, wie es eine HSG-These formuliert hat, findet im Netz also ihre Bestätigung – ebenso wie der Hinweis, Shopping als Ergänzung sei nicht zu unterschätzen. Tatsächlich hat es bei expedia.de sogar die AFG Arena in die Insider-Tips geschafft. Ohne dass dabei von den Toten Hosen die Rede wäre.