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Verbotene Liebe

Unter Verwandten Seit der Bundesrat das Inzestverbot in Frage gestellt hat, erhitzt diese Frage die Gemüter. Ein Blick in menschliche und tierische Gemeinschaften zeigt: Inzesttabus sind weit verbreitet. Allerdings sichern sexuelle Beziehungen unter Verwandten manchmal auch das Überleben.
Sie sind Bruder und Schwester – und trotzdem miteinander liiert: Göttervater Zeus und seine Gemahlin Hera. (Bild: akg)

Sie sind Bruder und Schwester – und trotzdem miteinander liiert: Göttervater Zeus und seine Gemahlin Hera. (Bild: akg)

Das Vorhaben des Bundesrats scheint zu scheitern. Er will das Inzestverbot aufheben, das pro Jahr zu etwa vier Verurteilungen führt. CVP, EVP und SVP sehen die Familie gefährdet. Immerhin ist dem Bundesrat aber ein Tabubruch gelungen – denn über Geschlechtsverkehr zwischen Bruder und Schwester spricht man nicht.

Tiere kennen dagegen kein Tabu. Robert Zingg, Kurator und Zoologe am Zoo Zürich, sagt denn auch: Für den Menschen sei Inzest eine moralische Frage, für Tiere nicht. Da gehe es nur darum, einen evolutiven Nachteil zu verhindern.

«Es gibt verschiedene Mechanismen im Tierreich, die dem Inzest vorbeugen – aber sie wirken nicht immer.»

Inzest ist nicht schlimm

Inzest müsse man zoologisch jenseits der moralischen Verwerfung betrachten, sagt Zingg. «Inzest als solcher ist nicht per se schlimm.» Aber durch Paarungen unter nahen Verwandten könne das Risiko steigen, dass sich Allele, Ausprägungen in den Genen, mit negativen Codierungen häuften.

Das kann zu genetisch bedingten Schäden führen, woraus morphologische Probleme entstehen können, beispielsweise Unterkiefer- oder Schwanzverkürzungen.

Inzucht kann aber auch hilfreich sein. Sie verwurzelt beispielsweise genetische Anpassungen an die Umwelt stärker in der DNA, was das Überleben einer Art in einer speziellen Umgebung sichern kann. «Nicht alle Arten sind gleich empfindlich auf Inzucht», sagt Zingg.

Tierarten in kleinen Populationen sind dagegen nicht gefeit und können trotzdem durch den genetischen Flaschenhals «schlüpfen», ohne genetisch Schaden zu nehmen. Dafür gibt es Beispiele: Der Bestand des asiatischen Löwen ist einst bis auf 20 Exemplare abgesackt. Trotzdem überlebte er, obwohl er seine Variabilität erst wieder aufbauen muss. Auch die Haustierzucht beruht schliesslich auf Inzucht. Die eindeutig definierbaren Rassen gehen bei einer Auskreuzung verloren.

Und Inzucht ist Forschern bei Versuchsmäusen willkommen, denn genetische Variabilität erschwert die Vergleiche für Studienzwecke nur.

Trotzdem gibt es natürliche Programme, welche helfen, die genetische Vielfalt nicht durch Inzest zu gefährden. Der Hengst der Steppenzebras wirft alle Jungtiere aus seiner Herde und verkleinert so die Wahrscheinlichkeit, dass sich Verwandte paaren.

Das Verlassen einer Gruppe schränkt nicht nur das Inzest-Risiko ein, sondern ermöglicht bei Migration eine genetische Bereicherung einer fremden Population.

Weil sie Hemmungen haben

Tiere kennen auch Hemmungen. Krallenäffchen leben beispielsweise in einer sozialen Struktur, in der Jungtiere den Eltern helfen, weitere Junge aufzuziehen. Die Krallenäffchen halten sich an eine strikte Regel in der Gruppe, nach der nur das Elternpaar reproduzieren darf.

Erst wenn die Jungtiere die etwa neunköpfige Gruppe verlassen und einen eigenen Partner suchen, dürfen sie sich paaren. Diese Kontrolle funktioniert nach Zingg recht solid. Wird die Gruppe allerdings zu gross, lässt die soziale Kontrolle nach. Bei Zwergseidenäffchen, die in einer Gruppe von 18 Tieren gelebt haben, sei eine Tochter trächtig geworden. Bestraft wurde sie dafür nicht.

In Wolfsgruppen reproduziert sich immer nur ein Paar. Die geschlechtsreifen Tiere innerhalb der Gruppe kontrollieren sich selbst und verhindern eine Paarung ausserhalb des Zuchtpaars. Stirbt allerdings ein Zuchttier, sei es nicht ausgeschlossen, dass eines aus der Gruppe nachrutsche und damit Inzucht ermögliche.

Interessant ist das Verhalten unserer nächsten Verwandten: Gorillas leben in einem Harem.

Generell wandern die Jungen ab, bevor sie geschlechtsreif werden und sich mit dem Vater und Haremsführer paaren könnten. Der Orang-Utan führt ein solitäres, weiträumiges Leben. Die Wahrscheinlichkeit, dass er auf eine Tochter trifft, ist klein. Bei Bonobos kommt dazu, dass die Weibchen alles unternehmen, damit die Väter gar nicht wissen, wer ihre Kinder sind.

Mit gutem Grund: Ein neuer Haremsführer will keine Zeit verlieren und sich mit seinen neuen Weibchen gleich fortpflanzen. Deshalb ist es möglich, dass das Männchen bis zu zweijährige Jungtiere tötet. Nicht aber, wenn er sie für seine eigenen Kinder hält oder sich dessen nicht sicher ist.

Warum Sex?

Um sich paaren zu können, müssen die Männer somit viel investieren. Zoologen fragten sich deshalb, ob sich Sex überhaupt lohne. Anhand der Wasserschnecke hat man den Nutzen erforscht.

Unter dem Druck von Parasiten hatten jene Wasserschnecken einen Vorteil, die sich sexuell fortpflanzten, während ohne Parasiten der Vorteil bei denen lag, die sich asexuell fortpflanzten.

Bruno Knellwolf

Wichtiger Schutz durch die Mütter. (Bild: ap)

Wichtiger Schutz durch die Mütter. (Bild: ap)

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