Verabschiedet und zugenäht

Drei feine Sachen an einem Abend: Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau hat ihren Mitarbeiter Klaus Hersche verabschiedet, einen genähten Jahresbericht veröffentlicht und zu einem kleinem Fest geladen.

Dieter Langhart
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FRAUENFELD. Fadengeheftet bei einem Buch bedeutet, dass der Buchbinder die Seitenbögen am Rücken mit einem Faden zusammenhält, bevor er den Rücken ableimt. Für einmal haben die Gestalter das wörtlich genommen – und das Buch mit einem Faden abgenäht. Und keinen Rücken aufgeklebt, damit sich die Seiten auch hinten auffächern lassen.

Portfolio statt nur Fakten

Darin berichtet die Kulturstiftung des Kantons Thurgau über das vergangene Jahr. Weil das an sich eine trockene Sache ist, lässt sie den Jahresbericht gestalten: 2013 von Kaspar Mühlemann in Weinfelden, jetzt von Susanna Entress und Urs Stuber in Frauenfeld. Und macht aus dem Heft zugleich ein Künstler-Portfolio: auf Renate Flury folgt Rina Jost – mit einem erfrischenden Thurgauer Reisebericht aus Illustrationen und kurzen Texten.

Übermütig und einfühlsam

Am Montag hat die Kulturstiftung den Jahresbericht vorgestellt an ihrem Sommerfest, das zugleich Abschied war für ihren Beauftragten Klaus Hersche und seine sieben Jahre Wirken. Gewürdigt hat ihn Claudia Rüegg, Präsidentin des Stiftungsrates (ihre Worte verlas Renate Bruggmann). Neugierig auf Begegnungen sei der weltgewandte Innerrhödler, übermütig und voller Enthusiasmus, vergnügt, aber einfühlsam und verbindlich – ein Begleiter der Kulturschaffenden, der unter Kulturförderung weit mehr als finanzielle Unterstützung verstanden habe.

Hersche hat die Publikationsreihe Facetten betreut, hat 2013 die erste Werkschau ausgerichtet und heuer die erste Blueschtfahrt organisiert. Und sein letztes Projekt wird «Schaffe» sein im November in Ermatingen, ein kreativer Austausch nicht nur von Kulturschaffenden.

«Wunderbar und erstaunlich»

«Es langet», sagte Klaus Hersche zum Abschied und lachte, «sieben Jahre sind eine gute Zeit.» Jetzt geht er in Pension. Er hat Theater und Kultur organisiert in Fribourg, Lyon, Paris. «Was wollen Sie denn im Thurgau?», habe ihn der damalige Stiftungsratspräsident Humbert Entress beim Anstellungsgespräch gefragt. Hersche sprach von der «wunderbaren und erstaunlichen Arbeit», die die Thurgauer Kulturstiftung leiste. Sie besteht seit 1991 – und ist einmalig in der Schweiz, da unabhängig von der Politik; die Regierung kontrolliert lediglich die Rechnung. Die Stiftung unterstützt mit 1,1 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds innovative Projekte zeitgenössischer Kultur und initiiert auch eigene wie die Reihe tanz:now.

Dal Molin folgt

Gioia Dal Molin war ebenfalls unter den gut hundert Besuchern. Die Zürcher Kunstwissenschafterin und Kuratorin mit Jahrgang 1981 löst Klaus Hersche ab.

Interview mit Klaus Hersche: bit.ly/1L5X8WJ www.kulturstiftung.ch