Vatersein mit hängender Zunge

Als moderner Vater braucht man jede Menge schwarzen Humor. Männer sind im Herzen alle Junggesellen. Nun aber trinkt man auf der eigenen Party alkoholfreies Bier und Kinder schreien nach Chips.

Hansruedi Kugler
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Focus - Lesen - Heinrich (Bild: Hansruedi Kugler)

Focus - Lesen - Heinrich (Bild: Hansruedi Kugler)

Als moderner Vater braucht man jede Menge schwarzen Humor. Männer sind im Herzen alle Junggesellen. Nun aber trinkt man auf der eigenen Party alkoholfreies Bier und Kinder schreien nach Chips. «Ich muss mal raus!», heisst deshalb die Devise dieser schwarzhumorigen Mitvierziger in Nils Heinrichs rauhbeinigem Roman. Denn die Gattin ist ein verängstigter Ratgeber-Junkie, das Kind ein unmenschlicher Arbeitgeber: Überstunden und unbezahlte Nachtschichten sind da selbstverständlich. Der Kabarettist Heinrichs rattert in diesem atemlosen Roman etliche Klischee über das Elternsein herunter. Wer Spass an kabarettistisch zugespitzten Formulierungen und an grobkörniger Selbstironie hat, wird dieses Buch mögen. Kleinkinder sind hier «quickende Leberkäse», die schreien können, ohne Luft zu holen. Und das «Terrorisierenlassen» durch die Kinder wird aufgeteilt, was «Ehegattensplitting» heisst. Nach Kapiteln wie «Kinderturnen», «Das Kind will zum Fasching» oder «Krank» ist der Mann erschöpft, aber versöhnt mit seinem Leben und sogar reif fürs zweite Kind.

Nils Heinrich: Sei froh, dass du nicht Joghurt heisst. Satyr 2016, 222 S., Fr. 18.90