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US-Pop-Band Vampire Weekend – mehr Licht als Schatten

Die US-Kreativ-Pop-Band Vampire Weekend klingt auf ihrem vierten Album «Father Of The Bride», das sechs lange Jahre nach dem Vorgänger erscheint, immer noch skurril, aber mit sich und dem Leben im Reinen.
Steffen Rüth
Ezra Koenig, Chris Baio und Brian Robert Jones von der Band Vampire Weekend spazieren singend im Washington Square Park in New York. (Foto: Taylor Hill/Getty Images/3.Mai 2019)

Ezra Koenig, Chris Baio und Brian Robert Jones von der Band Vampire Weekend spazieren singend im Washington Square Park in New York. (Foto: Taylor Hill/Getty Images/3.Mai 2019)

Der erste Eindruck beim Treffen in einem angesagten Londoner Hotel: Äusserlich ist alles wie immer. Ezra Koenig hat sich in den letzten zehn Jahren nicht erwähnenswert verändert. Das Haar ist immer noch pechschwarz, der Blick verschmitzt. Man könnte den New Yorker Psychotherapeutensohn nach wie vor für jenen Studenten der elitären «Columbia University» halten, an der er vor mehr als einem Jahrzehnt seinen Abschluss machte und erstmal als Lehrer arbeitete, kurz ­bevor er mit dem Debütalbum «Vampire Weekend» unerwartet durch alle Decken ging. Dass jene Sammlung von Songs, die von afrikanischen Einflüssen, Singer/Songwritern wie Paul Simon und von Indie-Pop inspiriert war, als leichtfüssig und unbeschwert gilt, wundert Ezra noch heute. «Sorglos war ich das letzte Mal als Kind. An der Uni war ich nie locker. Ich dachte, alle anderen ziehen an mir vorbei, während ich nichts hinbekomme.»

Auch der Mythos, dass er aus einem reichen Elternhaus komme, stimme nicht. «Ich verliess die Uni mit mehreren zehntausend Dollar Schulden und ohne Krankenversicherung, während die meisten meiner Kumpels ­Investmentbanker wurden.» Schlüsselsong des ersten Albums, so Koenig, sei für ihn nicht der ­Indie-Hit «Oxford Comma» gewesen, sondern das ernste «The Kids Don’t Stand A Chance» – die Kids haben keine Chance. «Meine Gedanken kreisten darum, dass ich versagt hatte.»

Zehn Jahre auf der Suche nach dem Platz im Leben

Auch später war es mit der Unbeschwertheit nicht weit her. Auf dem 2013 erschienenen dritten Album «Modern Vampires Of The City» machte sich Ezra, obwohl noch keine 30, neue Sorgen, diesmal unter anderem über den Tod. «Die Endzwanziger waren eine harte Zeit für mich. Im Grunde handeln unsere ersten drei Alben von der Suche nach dem Platz im Leben, den ständigen Schlachten, der Konkurrenz mit den anderen, den Unsicherheiten und Zumutungen des Erwachsenenlebens.» Diese Suche, sie hat nun ein Ende. Koenig, der nach dem freundschaftlichen Abgang von Keyboarder Rostam Batmanglij uneingeschränkte Kopf des Trios, ist kein Heranwachsender mehr und hat die vergangenen Jahre genutzt, um sich in seinem neuen Lebensabschnitt einzurichten. Dass er sechs Jahre lang keine Platte gemacht hat, findet er ohnehin nicht weiter wild. «Ich war ja nicht faul, höchstens ein bisschen.» Ezra hat den Song «Hold Up» für Beyoncé sowie die Manga-Serie «Neo Yokio» für Netflix geschrieben, ist mit seiner langjährigen Partnerin, der Filmemacherin und Quincy-Jones-Tochter Rashida Jones in Los Angeles zusammengezogen und Vater geworden.

Auf «Father Of The Bride», ein mit 18 Songs und diversen Gästen prallvolles Werk, überwiegt denn auch das Licht den Schatten. Ein verspielteres, differenzierter klingendes und locker zwischen viel Pop und ein bisschen Folk, Country, Disco sowie Inspirationen aus japanischer («2021») oder italienischer («Bambina») Musik umherhüpfendes Album muss man erst einmal finden. Raffiniert, wie stets bei Vampire Weekend, sind die Texte, seien sie nun selbstironisch («Unbearably White»), verliebt («Hold You», «We Belong Together») oder melodramatisch sinnierend wie in «Harmony Hall» mit Sätzen wie «Ich will so nicht leben, aber ich will auch nicht sterben». Die Grundausrichtung der Songs jedoch, die sei positiv, sagt Ezra Koenig. «Ich singe über Zuneigung und Sympathie, über Hoffnung und die Liebe. Es gibt auf der Platte Lieder, die einfach nur süss sind – weil sie auch einfach nur süss sein sollen. Meine früheren Texte waren meist ziemlich impressionistisch und abstrakt, die neuen sind direkter, schlichter und wahrhaftiger. Das reale Leben hat bei Vampire Weekend Einzug gehalten.»

Glühender Anhänger von Bernie Sanders

Zur neuerlangten Zuversicht passt, dass Ezra Koenig, 2016 ein glühender Unterstützer des linksdemokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders, weiterhin an seinen Mann glaubt. «Es wäre für mich, vor allem aber für das Land, eine Riesensache, wenn Bernie 2020 Trump schlagen und US-Präsident werden würde.» Und selbst, wenn jemand anderes bei den Demokraten das Rennen mache: Bernie sei im Geiste dabei. «Bernie Sanders hat eine ganze Reihe von jungen Politikern inspiriert und motiviert. Vielleicht haben die Kids ja doch noch eine Chance auf eine gelungene Zukunft.»

Hinweis
Album «Father Of The Bride» ab 3.5. im Handel

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