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URAUFFÜHRUNG: "Matterhorn": Umjubelte Weltpremiere mit Schwächen

Am Samstag erlebte das Musical "Matterhorn" am Theater St. Gallen eine umjubelte Uraufführung. Das Drama um die Erstbesteigung des Kultberges ist professionell gemacht, aber in vielem unausgegoren.
Martin Preisser
Das Bühnenbild gehört zum Interessantesten der «Matterhorn»-Inszenierung: die Seilschaft um Edward Whymper beim schwierigen Aufstieg. (Bild: Andreas J. Etter)

Das Bühnenbild gehört zum Interessantesten der «Matterhorn»-Inszenierung: die Seilschaft um Edward Whymper beim schwierigen Aufstieg. (Bild: Andreas J. Etter)

Spektakulär ist bei dieser St. Galler Musicalneuproduktion vor allem das Bühnenbild (Peter J. Davison). Der leicht schräge Boden zeigt eine Originalzeichnung des Matterhorn-Erstbesteigers Edward Whymper und bildet den Berg selbst ab. Oft wird der Boden auch zur zerklüfteten Eislandschaft. Bühnenbildnerischer Höhepunkt ist die Szene, in der Whympers Seilschaft mühsam den Weg nach oben sucht.

Das Musical reisst zu viele Themen an

Das Musical packt viele Inhalte zusammen. Nicht nur das Drama um die Erstbesteigung des Matterhorns, sondern auch die Besessenheit durch den Berg, die in diesem Stück der Besessenheit in der Liebe gleichgesetzt wird. Weitere Themen sind die Gier nach Erfolg, auch der tourististische Grössenwahn, und die Frage des Umgangs mit der Natur. Und da will dieses Musical vielleicht zu viel. Mit dem Ergebnis, dass viele Inhalte nur kurz angerissen sind. Es fehlt eine Stringenz in der Handlung, aber auch eine klare Linienführung, die die Psychologie der Figuren wirklich plastisch werden lassen könnte. Aus diesem Mosaikhaften resultiert eine gewisse Kühle der Inszenierung. Wenn Regisseur Shekhar Kapur den Berggeist Orka vor einer sich drehenden Erdkugel über den Umgang des Menschen mit seinem Planeten reflektieren lässt, wirkt das ein wenig aufgesetzt.

Albert Hammond ist ein fantasievoller Komponist, der Handwerk und Stilmittel beherrscht. In seinem ersten Musical scheinen indes zu viele Wiederholungen auf, alles wirkt zu standardisiert. Vor allem in den vorwiegend an den 1980er-Jahren orientierten Songs bleibt harmonisch vieles schablonenhaft. Nachbessern muss unbedingt die Tontechnik. Die meisten Solos sind viel zu laut begleitet, auch wenn die Matterhorn-Band unter Bernd Steixner das Beste an Präzision und Präsenz gibt. Zu erleben ist bei der im Vorfeld stark gehypten «Matterhorn»-Inszenierung jedoch eine bewegliche, sehr präsente Musicaldarstellercrew. Oedo Kuipers als jugendlich-sehnsuchtsvoller Edward Whymper, Lisa Antoni mit starker Ausstrahlung als Olivia Buckingham, Sabrina Weckerlin als Berggeist Orka geheimnisvoll immer wieder aus dem Hintergrund auftauchend und Benjamin Oeser als der burschikose Italiener Jean-Antoine Carrel. Eine besondere Rolle, quasi als wissender, buckliger Aussenseiter, spielt Luigi Schifano als Luc Meynet, den Komponist Albert Hammond mit intensiven neobarocken Arien für Countertenor bedacht hat.

Mit Michael Kunze hat das Theater St. Gallen erneut einen bekannten und versierten Autor und Songtexter engagiert. Kunze reisst viele Themen an, aber fokussiert textlich zu wenig auf die Charakterisierung der Figuren oder auf bewusste dramatische Zuspitzungen. Vieles wirkt sprachlich etwas unausgereift. Und leider gleiten viele Songzeilen manchmal doch recht ins Kitschig-Banale ab.

Mit «Matterhorn» gelingt ein farbiges, viel Alpenkolorit und Naturklischees abbildendes Musical. Alles ist professionell umgesetzt, aber der zündende Funke, der aus der Empathie für die Personen entstehen könnte, bleibt aus. Zu viel ist nur angedeutet. Die Konzentration auf weniger Handlungsstränge wäre mehr gewesen.

Die Liebe zum Berg und die Liebe zu einer Frau

Die stärksten Ideen kommen in diesem Musical zum Tragen, wenn die Inszenierung zwischen der Liebe zu einer Frau und der Liebe zu einem Berg wechselt. In diesem Zusammenhang ist der Kunstgriff mit der Figur des Berggeists Orka ein gelungener. Warum Olivia diese Orka allerdings in einer riesigen Basilika anbetet, bleibt rätselhaft. Die Nebenhandlung um das Big Business in der Gastronomie wirft interessante Fragen auf, verwässert aber immer wieder die Konzentration auf das eigentliche Bergdrama. Vieles in dieser Musicalproduktion, die durchaus das grosse Know-how und die grosse Erfahrung von Texter, Komponist und Regisseur anzapft, bleibt aber episodenhaft und zu wenig auf den Kern hin orientiert.

Weitere 33 Vorstellungen bis Februar 2019

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