Uraufführung in Gonten: Peter Roths milde und mahnende Weihnachtsmusik

In Gonten wurde am Samstag Peter Roths neues Weihnachtsoratorium uraufgeführt. Es ist ein sanft komponierter Wunsch nach Frieden.

Martin Preisser
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Peter Roth hat sein neues Weihnachtsoratorium auch selbst dirigiert. Bild: Ralph Ribi

Peter Roth hat sein neues Weihnachtsoratorium auch selbst dirigiert. Bild: Ralph Ribi

Lüpfig ist das «Stille Nacht» am Anfang von Peter Roths neuem Weihnachtsoratorium. Das Publikum darf gleich mitsummen und mitsingen, wie später immer wieder in den eingeflochtenen Chorälen. Diese Musik spricht unmittelbar an, macht Hörer und Spieler zu einem Ganzen. Peter Roth hat zehn Szenen in elegantem ­Neobarock komponiert, oft mit Volkstümlichem unterlegt. Diese Musik erzeugt ihre Kraft immer wieder daraus, dass sie eine Botschaft übermittelt.

Jeder kann zu einem Stück Frieden beitragen

Peter Roth hat sein Weihnachtsoratorium eindringlich, ohne Längen, konzentriert fliessend komponiert, aber ohne Wucht oder grelle Effekte, ja versöhnlich, berührend auch durch eine fein empfundene Schlichtheit. Das ganze Werk ist sehr gesanglich gedacht, in Gesang, der Menschen mitnimmt und sie unmittelbar anspricht. Und das Oratorium ist ein ehrlicher, von Herzen kommender Appell gegen Missbrauch von Macht und Geld, gegen die Ausplünderung unseres Planeten. Jeder, wo er auch steht, kann an seinem Platz zu einem Stück Frieden beitragen. Diesen Wunsch untermalt diese Weihnachtsmusik ohne erhobenen Zeigefinger. Die Feinheit und konzentrierte Unaufdringlichkeit resultieren auch auf einer gelungenen Instrumentierung.

Vier Streicher plus Hackbrett (mit den Geschwistern Küng) sowie Oboe (Carla Romero), Klarinette (Manfred Wetli) und Fagott (Emil Salzmann) nutzt Peter Roth für einen filigranen Farbteppich, der aufs Angenehmste den drei Solisten und dem Chor einen Boden gibt. Der Komponist hat Instrumente und Gesang auf eine ganz unmittelbare, natürliche Art verknüpft.

Gemeinsamkeit zwischen Bildern und Musik

Das Oratorium geht sechs Bildern von Willy Fries nach, welche die Schrecken des Zweiten Weltkriegs zeigen, aber auch die Geburt Christi vor Toggenburger Kulisse. In gewisser Hinsicht gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen diesen Bildern und der Musik des Toggenburger Komponisten: Es ist eine Direktheit der Aussage, auch etwas auf den Kern Reduziertes.

Die Schrecken, die Handlungen von Machtmenschen auslösen können, fasst Peter Roth nie in einer plakativen Musik zusammen. Er mahnt viel mehr mit Milde. Und kombiniert dabei auch schöne Gesangsduette und Terzette. Immer wieder spürt man in der Musik eine Heimatverbundenheit und etwas Geerdetes, das sich mit den barocken musikalischen Traditionen verknüpft.

Farbig-tänzerischer Friedensappell

Kathrin Signer (Sopran), mit durchdringendem, aber fein gehaltenem Sopran, Margrit Hess mit warmem Alt und viel ruhiger Atmosphäre sowie Jens Weber, der mit seinem Tenor viel Ausstrahlung und sehr gute Textverständlichkeit ins Geschehen brachte, bildeten einen nie ­ abreissenden kantablen Strom ­dieser Musik. Das Chorprojekt St.Gallen, Roths treues Ensemble, sang unter des Komponisten Leitung aus vollem Herzen, ­berührt von dieser ehrlichen, direkten und am Schluss beim Friedensappell farbig-tänzerischen Musik. Grosser Beifall war dieser altersmilden Musik in der voll besetzten Kirche gewiss.

Hinweis

Nochmals: Sa, 14.12., 20 Uhr, ev. Kirche Teufen; So, 15.12., 17 Uhr, kath. Kirche Alt St.Johann