«Unvergessliches Rendez-wuff»

Die 7. St. Galler Literaturtage Wortlaut bieten eine Plattform für lokale und regionale Autoren, bitten aber auch Schriftsteller aus den Nachbarländern auf die Bühne. Ab heute läuft der Vorverkauf für das umfangreiche, vielfältige und grenzgängerische Programm an.

Valeria Heintges
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Thomas Meyer kommt zum Wortlaut-Prolog nach Appenzell. (Bild: Lukas Lienhard)

Thomas Meyer kommt zum Wortlaut-Prolog nach Appenzell. (Bild: Lukas Lienhard)

ST. GALLEN/APPENZELL. Das St. Galler Wortlaut-Festival dehnt sich aus. In seiner diesjährigen Auflage vom 26. bis 29. März wird es in die Berge hinaufsteigen und mit Thomas Meyer und seiner «Rechnung über meine Dukaten» Station in der Buchhandlung Appenzell machen. Wortlaut ist eben «ein regionales und überregionales, spartenübergreifendes und grenzgängerisches Literaturereignis», wie das Organisationsteam um Richi Küttel im Programmheft schreibt.

Neuerungen und alte Bekannte

Das Programm wird ab heute verteilt – und bietet neben guten alten Bekannten auch einige Neuerungen. Nach Meyers Stippvisite in Appenzell wird das Festival am Freitagabend von Michèle Minelli eröffnet, die die Buchpremiere ihres Werkes «Die Verlorene» feiert, in dem sie die authentische Geschichte der Frieda Keller erzählt, die 1904 in St. Gallen Opfer eines Justizskandals wurde. Danach werden Richi Küttel und Etrit Hasler unter dem Titel «Säg Rächt» einen Dialekt-Poetry-Slam ausführen. Neben Schweizer Dialekten aus Zürich, Olten, Bern, Thurgau (Martina Hügi) und St. Gallen (Renato Kaiser) wird auch Kölsch und Berlinerisch zu hören sein.

Die Reihe «Spoken Word» wird auch am Samstag und Sonntag gepflegt, wenn Sandra Künzi und Reg Fry über «Mikronowellen» sprechen, Hazel Brugger die Welt in Einzelteile zerlegt, Ahne Zwiegespräche mit Gott führt oder Guy Krneta, Matto Kämpf und Renato Kaiser die neue Internetplattform der Szene vorstellen.

Am Samstag geben sich im Stundentakt im Splügeneck am Pic-o-Pello-Platz Ostschweizer Literaten ein Stelldichein, stellen in jeweils 25 Minuten Texte vor und geben Einblick in ihre Werkstatt. Mit dabei auch Monika Schnyder, Werner Alex Walser, Christian Rechsteiner, Tabea Steiner und Julia Sutter. Die Journalistin und Schriftstellerin Angelika Overath, die aus Deutschland kommend im Bündnerischen Sent eine neue Heimat gefunden hat, liest am Samstag aus ihrem Werk «Sie dreht sich um». Darin findet eine verlassene Frau in Frauenporträts bildender Künstler Kraft – und Gesprächspartnerinnen.

Auf den Hund gekommen

Auf den Hund gekommen ist die Autorengruppe Ohrenhöhe, wie bereits der Titel ihrer Lesung «Komm mit uns nach Spaniel» verrät. «Freuen Sie sich auf ein unvergessliches Rendez-wuff zwischen Strassenlaterne, Sommerlinde und Kotbeutelspender», verspricht das Programmheft (manche Zitate muss man in voller Länge bringen).

Sehr viel ernster wird der Österreicher Constantin Göttfert mit «Steiners Geschichte», in dem er sich grosser Themen wie Leid und Verrat, Schuld und Vertreibung annimmt. Um Leben und Tod geht es auch in Kristof Magnussons «Arztroman», in dem er das Leben einer Ärztin zwischen Notaufnahme und unglücklicher Ehe erzählt.

Sind viele dieser Werke bereits im Sommer letzten Jahres erschienen, gibt es bei Wortlaut auch ganz Taufrisches zu entdecken. Ruth Schweikert stellt ihren neuen Drei-Generationen-Roman «Wie wir älter werden», Monika Slamanig in der ganz neuen Reihe «Edition Literatur Ostschweiz» ihren Erzählband «Durstland» vor.

Unter dem Etikett «Comic und Graphic Novel» gibt es Begegnungen mit Marijpol, Christoph Fischer oder Aisha Franz; Richard Butz und Nathalie Hübler sprechen über Worte in der Stadt. Und Grenzgänger der Literatur diskutieren mit Reina Gehrig, Leiterin Solothurner Literaturtage, über den Übergang zwischen und den Umgang mit den verschiedenen Genres.

Gesamtprogramm: www.wortlaut.ch