Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Unter der Oberfläche des Internets

Im Palace St. Gallen diskutiert heute Abend der kanadische Wissenschafter und Autor Ronald Deibert zum Thema staatliche Überwachung im Internet. Zuvor wird der Dokumentarfilm «Black Code» gezeigt, der auf seinem Buch basiert.
Philipp Bürkler
Szene aus «Black Code»: Filipe Garcia Peçanha während Protesten in Rio de Jeneiro. (Bild: PD)

Szene aus «Black Code»: Filipe Garcia Peçanha während Protesten in Rio de Jeneiro. (Bild: PD)

Weltweit hören immer mehr Regierungen ihre Bürgerinnen und Bürger ab. Sie überwachen sie, wenn sie auf sozialen Medien posten oder in Chats vermeintlich unter vier Augen mit einer vertrauensvollen Person kommunizieren. In den vergangenen Jahren haben sich Regierungen beim Abhören und Überwachen geradezu professionalisiert sowie die dahinterstehenden Anbieter von Überwachungssoftware kommerzialisiert. Spätestens seit den Enthüllungen durch Edward Snowden im Jahr 2013 ist Überwachung zum Milliardengeschäft geworden. Autokratische Regierungen haben gesehen, wozu US-Geheimdienste fähig sind. Solchen Staaten, die es mit Menschenrechten nicht so genau nehmen, waren die USA ein Vorbild punkto Überwachungsmöglichkeiten.

Menschenrechtler unter Beobachtung

Der Kanadier Ronald Deibert befasst sich bereits seit Jahren mit den Folgen staatlicher Überwachung im Internet. Bereits 2013 ist sein Buch «Black Code» erschienen. Darin beschreibt Deibert eines der wichtigsten Themen unserer Zeit.

Weltweit stark von staatlicher Überwachung betroffen sind laut dem Wissenschafter vor allem Mitarbeiter von Menschenrechtsorganisationen. Deibert leitet das Citizen Lab an der Universität Toronto. Dort forscht er zusammen mit rund drei Dutzend Computerwissenschaftern, Programmierern und Aktivistinnen zu Überwachungsthemen. Begonnen hatten er und sein Team, als sie vor mehr als zehn Jahren bemerkten, wie die staatliche Zensurbehörde in China in Skype-Chats Begriffe wie Tian’anmen oder Falun Gong herausfilterten. Mittlerweile ist das Citizen Lab Toronto eine der führenden Institutionen für Menschenrechte und Internetsicherheit.

Heute Abend diskutiert Ronald Deibert im Palace St. Gallen mit Patrick Walder von Amnesty International über seine Arbeit. Zur Vertiefung des Themas staatlicher Überwachung wird der Dokumentarfilm «Black Code» gezeigt. Der Film des Kanadiers Nicholas de Pencier basiert auf dem gleichnamigen Buch von Deibert und führt in verschiedene Länder, in denen Menschen von der eigenen Regierung abgehört oder überwacht werden.

Aktivisten kämpfen gegen staatliche Überwachung

Der Film zeigt Menschen in Pakistan, Jordanien, Syrien, Brasilien, Schweden, Äthiopien und Tibet. In diesen Ländern erzählen Bürgerinnen und Bürger, wie sie vom eigenen Staat überwacht wurden und welche Folgen das für sie hat. Da ist der junge Syrer, der wegen eines ironischen Facebook-Posts von seiner Regierung mehrere Wochen gefoltert wurde. Da sind die tibetischen Mönche, die mehrere Mobiltelefone nutzen, um der chinesischen Zensur zu entgehen. Wer zu oft mit derselben Nummer gewisse Nummern anruft, macht sich verdächtig.

Die traurigste Geschichte ist wohl jene über die junge Pakistanerin Sabeen Mahmud. Die Aktivistin äusserte sich öffentlich über den Umgang der Regierung mit Facebook, YouTube und Twitter, Plattformen welche die Regierung regelmässig abschaltet. Auf dem Nachhauseweg von einem Seminar wurde sie selber zur Zielscheibe, als sie ein bewaffneter Mann niederschoss.

Ein weiterer Fall zeigt die Geschichte von Bruno Ferreira Teles in Brasilien. Der Mann wurde von der Polizei beschuldigt, an einer Demonstration einen Molotow-Cocktail gegen einen Beamten geworfen zu haben. Guerilla-Journalisten konnten anschliessend dank Handyaufnahmen anderer Protestteilnehmer beweisen, dass nicht er, sondern ein Undercover-Polizist den Sprengsatz geworfen hatte. Während in westlichen Ländern solche Praktiken ziemlich abstrakt und theoretisch klingen, sind Menschen weltweit in Dutzenden Staaten solcher Willkür ausgesetzt.

Hinweis

Mi, 10.10., 18 Uhr, Palace St. Gallen, Menschenrechte I: Black Code

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.