Unsterblichkeit

«…oder kennst du jemanden, der objektiv gesehen und zwingend beliebigen weiteren Generationen zur Verfügung stehen müsste? Ich sehe da keinen Bedarf. Von den unüberblickbaren sozialen Konsequenzen nicht zu reden! Aber daran wird dieser Romantiker nicht gedacht haben.

Keller & Kuhn
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«…oder kennst du jemanden, der objektiv gesehen und zwingend beliebigen weiteren Generationen zur Verfügung stehen müsste? Ich sehe da keinen Bedarf. Von den unüberblickbaren sozialen Konsequenzen nicht zu reden! Aber daran wird dieser Romantiker nicht gedacht haben. Ein Triumph des Gefühls über den Verstand, wenn du mich fragst. Oh, entschuldige bitte, ich habe den Zucker vergessen!»

Verblüfft schaut ihr Minetti nach. Er hatte Rita von Grabovski erzählt, der sich beim Warten auf den Bus bitter über die Sterblichkeit der Menschen beklagt hatte.

«Ist er verliebt?»

Ritas Stimme klingt nachsichtig, als sie zurückkommt und den Zucker auf einem kleinen Teller mit zwei Petit Beurres über den Tisch schiebt.

Minetti zuckt die Achseln. Gerade als Sekretär eines umfangreichen Departements kann es Grabovski nicht daran gelegen sein, dass Staatsangestellte ewig leben. Das würde selbst das Gesundheitsdepartement nicht verkraften.

«Siehst du vielleicht einen anderen Grund, weshalb man sich darüber beklagen könnte?» So, wie sich Rita vor ihn hinstellt, ist ihm klar, dass er nicht um eine Antwort herumkommt.