Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die St.Galler Band Lord Kesseli and The Drums macht Unsterblichkeit auf
432 Hertz

Das exzentrische St. Galler Duo Lord Kesseli and The Drums ist mit seiner sakralen visuellen Ästhetik einzigartig in der Schweiz. In diesen Tagen erscheint das neue «Melodies of Immortality». Und heute Abend spielt das Duo im Palace St. Gallen.
Philipp Bürkler
Starker Sound und passende Ästhetik: Dominik Kesseli und Michael Gallusser. (Bild: Michel Canonica)

Starker Sound und passende Ästhetik: Dominik Kesseli und Michael Gallusser. (Bild: Michel Canonica)

«Unsere Musik ist auf 432 Hertz gestimmt», erklärt Dominik Kesseli. Normalerweise liege der Referenzton, mit dem man eine Gitarre stimme, beispielsweise mit einer Stimmgabel, bei 440 Hertz. «Durch die leichte Verschiebung klingt der Sound etwas tiefer. Man sagt diesem Ton auch göttliche Schwingung.» Lord Kesseli and the Drums musizieren also auf der gleichen Frequenz wie Buddhisten, die sich mit der Silbe «Om» mantramässig in Trancezustände versetzen.

Gott, Buddhismus oder sogar eine okkultistische Sekte? Alles ist möglich beim St. Galler Duo. Dominik Kesseli und Michael Gallusser spielen bewusst mit der Ästhetik des Geheimnisvollen und dem Mystisch-Düsteren. Musikalisch genauso wie visuell. Auf dem neusten Album «Melodies of Immortality» zeigen sich die beiden auf einem Coverfoto als in Kutten gehüllte spirituelle Priester, umgeben von Kerzen, Weihrauch und religiösen Em­blemen. «Die Kirche macht seit 2000 Jahren erfolgreiche PR, da dachten wir uns, wir können etwas abschauen, weil es offenbar funktioniert», erklärt Michael Gallusser.

Zu Beginn hätten sie es gar nicht so ernst genommen. «Wir fanden es einfach lustig», so der 41-jährige Schlagzeuger Gallusser, der seit Jahren ein eigenes Tonstudio in St. Gallen betreibt.

Ästhetik, die gleichzeitig fasziniert und verstört

Zahlreiche Reaktionen hätten sie auf ein Foto erhalten, das sie beide zusammen mit zwei Minis­tranten-Buben zeigt, die mit einer weissen Albe bekleidet sind. «Wir haben uns lange überlegt, ob wir das machen sollen oder nicht», sagt Gallusser. Als Folge der Missbrauchsskandale um Priester könnte die Darstellung missverstanden werden. «Wir bekamen Reaktionen von Leuten, die das ziemlich geschmacklos fanden.» Ihre Fans lieben sie genau für diese ungewohnte Ästhetik. Entstanden sei das Foto spontan während eines Videodrehs. «Der anwesende Fotograf meinte, lass uns ein Foto mit den Ministranten machen, wenn die beiden Buben schon da sind», erklärt Kesseli.

Bei Lord Kesseli and the Drums verschwimmen die Kunstfiguren mit den beiden realen Musikern. Man weiss nicht so recht, was stimmt und was nicht stimmt. «Damit spielen wir bewusst», sagt der 38-jährige Sänger und Gitarrist Kesseli. Das religiös-sakrale begleitet ihn bereits seit der Kindheit. Kesseli ist im Kanton Wallis aufgewachsen. Sein Vater spielte damals Orgel in der Kirche, und der kleine Dominik hat in Chören gesungen. «Es gibt gewisse Dinge, die auch in einem stecken», sagt Kesseli. 1992 zieht er nach St. Gallen und lernt schon bald Michael Gallusser kennen. Beide spielten damals in verschiedenen St. Galler Bands. Einige Jahre später werden beide Mitglieder der Mundartband von Manuel Stahlberger. Seit 2014 sind sie gemeinsam als Lord Kesseli and the Drums unterwegs.

Ihr Sound klingt roh und authentisch. Das liegt vielleicht dar­an, dass sie es locker und entspannt angehen. «Wir machen zwar täglich Musik, üben aber nicht mit der Gitarre die Tonleiter rauf und runter», sagt Kesseli. Musikmachen und «üben» bedeute auch, sich mit neuen Ins­trumenten zu befassen oder ein Computerprogramm zu studieren. «Geübt haben wir vor allem als Teenager. Damals haben wir nicht viel erlebt, ausser in irgendwelchen Probekellern zu sitzen», meint Gallusser ironisch.

Mit dem Übungskeller ist es definitiv vorbei. Nun betreten Lord Kesseli and the Drums auf ihrer Tour die grossen Bühnen der Schweiz und «bekehren» das Publikum, der sympathischsten «Sekte» beizutreten, die die Schweiz aktuell zu bieten hat.

Konzert: heute Abend im Palace St. Gallen, 21 Uhr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.