«Unsere bevorzugte Droge ist die Musik»

Die junge, international besetzte Band Blues Pills hat mit ihrem Débutalbum die Top 10 der Hitparade erobert. Die von Janis Joplin, Jimi Hendrix und Led Zeppelin inspirierte Band findet Blues und Psychedelic Rock nicht altmodisch, sondern neu und aufregend.

Reinhold Hönle
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«Ziemlich nüchterne Band»: Blue Pills. (Bild: pd)

«Ziemlich nüchterne Band»: Blue Pills. (Bild: pd)

Der packende Album-Opener «High Class Woman» erzählt zuerst vom Vogelflug, grünem Gras, Sonnenschein, langen Haaren und wilden Träumen, als wäre es eine Hippie-Hymne, mündet dann aber in den Refrain «High class woman, high class man, so much power held in your hand, day is coming and you'll all be damned». Blues-Pills-Bassist und Mitbegründer Zack Anderson erklärt: «Wir finden, dass die politischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Eliten ihre Verantwortung nicht wahrnehmen und damit die Zukunft unseres Planeten aufs Spiel setzen, da der Unterschied zwischen Arm und Reich dauernd wächst und der Umweltschutz kaum Fortschritte macht.»

Keine Nostalgie

Das Thema scheint den Newcomern wirklich auf den Nägeln zu brennen. Es inspiriert Sängerin Elin Larsson, deren eindringlicher Gesang an Janis Joplin erinnert, und die drei Musiker auch zu «Ain't No Change» und «Black Smoke», die den 60er- und 70er-Jahre-Bluesrock ebenso wie die ekstatischen «Devil Man» und «Astral Plane» überzeugend aufleben lassen. Während die CD in der Schweiz auf Platz 10 in die Hitparade einstieg und einige Medien die Blues Pills feiern, empfinden andere ihre Orientierung «back to the roots» als kreative Bankrotterklärung.

«Da wir noch nicht einmal geboren waren, als diese Musik ihre erste Blütezeit erlebte, hat unsere Begeisterung dafür nichts mit Nostalgie zu tun. Für uns ist sie brandneu und aufregend!», schwärmt Anderson, der die Doors, Led Zeppelin und Jimi Hendrix als Teenager kennenlernte, wenn seine Eltern ihre alten LP hörten. Die White Stripes brachten ihn auf die Idee, dass man sich dieser Musik auch heute noch verschreiben könnte.

Der aus Iowa stammende Amerikaner fand in den Ferien in der Schwedin Larrson eine Gleichgesinnte. Als sie ihn ein halbes Jahr später besuchte, schrieben sie erste Songs und nahmen mit Andersons Halbbruder Cory Berry (Schlagzeug) Demos auf, die sie ohne grosse Erwartungen auf YouTube stellten. Nach dem positiven Echo im Netz, von Konzertveranstaltern und einem schwedischen Indie-Label beschlossen sie, eine richtige Band zu gründen. Anderson fragte den 16jährigen Gitarristen Dorian Sorriaux, den er einmal live gesehen hatte, ob er auf ihrer ersten EP «Bliss» einige Soli beisteuern würde. Als das Quartett auch persönlich harmonierte, zogen die Jungs alle nach Örebro und bauten die Anhängerschaft durch weitere EPs und fleissiges Touren kontinuierlich aus.

Stimmiger Vintage-Sound

«Blues Pills» wurde in einem Studio mit alten Bandmaschinen eingespielt, in dem noch kein einziger Computer stand. Angesichts des stimmigen Vintage-Sounds und des Bandnamens fragt man sich, ob das Quartett wie so manche Psychedelic-Rock-Formation in den Sixties auch durch LSD oder anderen Drogen inspiriert wurde. «Nein, ich habe früher in meinem Leben Sachen ausprobiert, aber weder möchte ich in Sachen Kreativität davon abhängig werden, noch wäre Schweden ein idealer Ort, um sie sich zu besorgen», meint Anderson schmunzelnd. «Ich denke, wir sind eine ziemlich nüchterne Band. Unsere bevorzugte Droge ist die Musik.»

Blues Pills: «Blues Pills» (Nuclear Blast/Warner Music)

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