Ungewöhnliche Opernaufführung: Pianistin rettet «Salome»-Vorstellung im Luzerner Theater

Gerda Neunhoeffer
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Die russische Pianistin Valeria Polunina.

Die russische Pianistin Valeria Polunina.                                                                     

Bild PD

Luzerner Theater «Salome» ohne Orchester? Die vielen Besucher des Luzerner Theaters erleben am Samstagabend eine grandiose, einzigartige Aufführung der Oper von Richard Strauss. Und ja, es geht ohne Orchester. Wenn man eine versierte Pianistin wie Valeria Polunina hat, die innert eines Tages die gewaltige Aufgabe annimmt, den Orchesterpart auf dem Flügel zu spielen.

Wegen des Corona-Virus müssen seit Freitagmittag alle Veranstaltungen gemeldet werden. Besucher dürfen ins Theater, aber das Luzerner Sinfonieorchester hat noch Auftrittsverbot, weil es dreizehn Tage vorher in Norditalien war. Anschaulich schildert Intendant Benedikt von Peter die vielen Telefonate und den endgültigen Entscheid.

Die Singenden scheinen näher zu rücken

Man gewöhnt sich schnell daran, dass aus dem Orchestergraben nur Töne vom Flügel kommen. Wie Valeria Polunina die Partitur leben lässt, wie sie Klänge schimmern und gewaltig brausen lässt, ist phänomenal. Irgendwie scheinen die Sänger näher zu rücken als über dem Orchesterklang, es wird intim, kammermusikalisch und unglaublich packend: eine immense Leistung des Ensembles unter der musikalischen Leitung von Clemens Heil. Nur beim Schleiertanz, den Heather Engebretson so fantastisch tanzt, wie sie sonst singt, erklingt das Orchester von einer CD. Der nicht enden wollende Applaus am Ende zeigt, wie aus einer Notsituation etwas Grossartiges entstehen kann.