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Ungeküsst auf dem Mähdrescher

Glosse
Katja Fischer De Santi

Was haben wir in den letzten zehn Jahren mit unseren Bauern und Bäuerinnen mitgelitten: Wir haben mit Urban, dem 32-jährigen Hühnerbaron, geweint, als ihm seine Hofdame seinen ersten Kuss verweigert. So nah sei er einer Frau noch nie gekommen, kommentiert er das Geschehen danach tapfer. Tränen der Freude gab es beim Bündner Fridolin: Grauer langer Bart, Sonnenbrille und ein Gemüt wie Balu der Bär. In seinem einfachen Haus ist die Zeit 1950 stehengeblieben. Er ernährt sich fast ausschliesslich von Rösti und macht auf dem Hof fast alles von Hand. Und dann kommt Claudia, packt an, kocht, streichelt ihm den Bart. Rührung kaum zu verhindern.

«Bauer, ledig, sucht...», das ist mehr als eine Kuppelsendung für schwer vermittelbare Bauern. Das ist gefilmte Liebeshilfe. Da wird Romantik noch in den grössten Dickschädel gehämmert. Röbi serviert seiner Silvia ein Glas frische Milch ans Bett. Thomas holt seine Yvonne mit dem Mähdrescher vom Bahnhof ab. Kathi will ihren Bruno mit Blätterteigpastetli nicht den Magen, aber den Kopf verdrehen. Das ist manchmal kaum mitanzusehen, aber authentischer als tausend Rosen bei Sonnenuntergang. Seit 2008 läuft «Bauer, ledig, sucht…», auf dem Schweizer Privatsender 3+. Die Sendung ist mit Schweinen, Kühen, Marco Fritsche, Christa Rigozzi eine Art best of Switzerland. Bis weit über 300000 Zuschauer verfolgen donnerstags die liebestollen Ackersmänner. Das ist Landlust mal wortwörtlich genommen. Knorrige Typen, ambitionierte Jungbauern, esoterische Lebenskünstlerinnen und geschäftstüchtige Salatbäuerinnen beweisen der TV-Schweiz seit zehn Jahren, dass es die Landidylle, von dem dieses Land so zehrt, irgendwo da draussen noch gibt.

Beim Zuschauen können aber Einfamilienhausbesitzer und Städterinnen mit Genugtuung feststellen, dass auf dem Land die Wiesen zwar satter, das Leben aber härter ist. Hofdamen müssen vor allem eines sein: alltagstauglich. Wobei die Grenze zwischen Liebe und Anlehre gerade bei den älteren Kandidaten oft nicht trennscharf verläuft. Georg, 61, aus dem Bündnerland wurde von seiner Schwester und der Mutter für die aktuelle Staffel angemeldet, weil diese nicht mehr für ihn haushalten wollen. Stefan, 36, aus dem Thurgau hingegen züchtet Rinder, ernährt sich aber vegetarisch und findet, seine Frau müsse nicht Bäuerin sein, das sei sein Job.

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