Ungebrochene Lust am Schreiben: Der Schlattinger Krimiautor Daniel Badraun bringt dieses Jahr gleich vier Bücher raus

«Randulin» heisst der neue Krimi von Daniel Badraun. Mit dem sympathischen Antihelden seines Buches verbindet den Schriftsteller einiges. 

Bettina Kugler
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Autor Daniel Badraun mag wie seine Romanfigur Tee.

Autor Daniel Badraun mag wie seine Romanfigur Tee.

Bild: Reto Martin

Ein rascher Blick auf die Karte: Daniel Badraun wählt einen Chai ohne Milch. Er lacht. «Mit einer Tasse Kaffee lasse ich mich nicht fotografieren.» Wenig später stehen zwei japanische Teekännchen und Tonschalen auf dem Tisch. Zeit spielt nun keine Rolle.

Die Liebe zum Tee teilt der Kleinklassenlehrer und Autor aus Schlattingen mit seiner Romanfigur Claudio Mettler, ebenso wie die Wurzeln im Engadin. Geboren und aufgewachsen ist Badraun in Samedan; oft zieht es ihn noch in die Berge. Zu Hause im Thurgau ist er meist mit dem Velo unterwegs.

«Randulin »ist das rätoromanische Wort für Zugvogel

Mettler hätte einen Assam bestellt, das weiss auch, wer nur den neuesten «Fall» des sympathischen Losers und Antihelden gelesen hat. «Randulin», so der Titel des Buchs, ist das rätoromanische Wort für Zugvogel. Und weil Claudio Mettler kein Kommissar ist, erst recht kein smarter Detektiv, geht es in «Randulin» nicht um Mord und Totschlag, sondern eher um Menschen und um das, was sie bewegt, ihren angestammten Ort zu verlassen.

St.Moritz ist lediglich der Ausgangspunkt; von dort reist Mettler schon bald in Richtung Australien ab. Fortan stolpert er von einer brenzligen Situation in die nächste. Hintergrund ist eine Erbschaftsangelegenheit: Mettler soll einen Bündner Auswanderer Down Under ausfindig machen. Die Gegenseite aber kämpft mit harten Bandagen, was meist ins Komische umschlägt.

Der «Tatort» gehört zum Sonntagsritual

Gewalt um der Gewalt willen mag Badraun nicht. Die schwedischen Krimis findet er zu brutal; ein Schweizer Sebastian Fitzek ist er ebenso wenig. Hin und wieder schaltet er auch den TV-«Tatort» ab, «dabei gehört der zum Sonntagsritual». Mettler ist ihm als Figur ans Herz gewachsen, aber nach vier Krimis durch alle Jahreszeiten am Ende seiner Mission – zumindest vorläufig.

Angefangen hat Badraun mit rätoromanischen Texten und Fortsetzungsgeschichten fürs Radio. Später heckte er Kinderkrimis von Woche zu Woche aus: Im Rahmen des Thurgauer Leseförderungsprojekts «Geschichtendock» schrieb er jeweils mit der Wendung weiter, die beim Online-Voting am meisten Neugier weckte. Er weiss also, was gern gelesen wird.

Von seinen Romanen aber kennt er anfangs nur das Setting: die Orte, die Figuren, den ungefähren Plot. Der Rest ergibt sich beim Schreiben. «Es ist wie ein Kasten mit vielen kleinen Schubladen», sagt er. Welche er öffnet und was sich darin verbirgt, davon lässt er sich gerne überraschen.

Fernreise nach Australien

Australien als Hauptschauplatz gehörte bei «Randulin» zum Setting: So liess er Mettler jenen Kurztrip machen, den er selbst aus familiären Gründen zwei Jahre vorher unternommen hatte. «Mein Bruder war in Australien schwer erkrankt gestrandet. Ich wusste, wenn ich ihn nochmals sehen möchte, muss es sofort sein.» Sonst macht Badraun selten Fernreisen; was er gern hat, findet er in der Nähe. Der Teetrinker und Velofahrer sagt:

«Ich bin gern langsam unterwegs.»

Mit zunehmendem Alter ändert das auch seine Haltung zum Schreiben. Zwar ist Daniel Badraun mit seinen Krimis in gleich zwei deutschen Verlagen, Gmeiner und Emons, gut unterwegs. Doch reizt ihn, es wieder mit «Literatur» aufzunehmen, wie in seinen frühen Jahren, als er noch für die Schublade schrieb. «Es waren Texte, die in die Richtung von Markus Werner gingen», sagt er; «das interessierte aber keinen. Wahrscheinlich gab es zu dieser Zeit schon genug davon.»

Jetzt wäre die Zeit reif: Im Juni wird Daniel Badraun 60. Dass dieses Jahr gleich vier Bücher erscheinen, deren Autor oder Herausgeber er ist, freut ihn. Ein Geschenk des Zufalls – aber auch Resultat seiner ungebrochenen Lust am Schreiben.

Daniel Badraun: Randulin. Engadin-Krimi. Gmeiner, 307 S., Fr. 22.50