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UNESCO: Steine rollen über die Schweiz

Seit 10 Jahren im Weltnaturerbe: Zum Jubiläum «reisen» drei grosse Verrucano-Steine aus der Tektonikarena Sardona durch die Schweiz. Den ersten Halt machen die tonnenschweren Brocken im Stiftsbezirk St. Gallen.
Die St. Galler Regierungsrätin Heidi Hanselmann befreit den Stein TO im Stiftsbezirk vom Schnee. (Bild: Kn.)

Die St. Galler Regierungsrätin Heidi Hanselmann befreit den Stein TO im Stiftsbezirk vom Schnee. (Bild: Kn.)

Steine gehen selten auf Reisen, grosse sowieso kaum. Sie stehen für Standhaftigkeit und Stabilität, nur welterschütternde Ereignisse bewegen diese über Jahrmillionen geformten Zeitzeugen. Diese drei Steine aber, die seit gestern im Stiftsbezirk St. Gallen gezeigt werden, machen sogar eine Schweizer Reise. Die grossen Steine, die für zwölf Tage im Schnee vor dem Dom liegen, ­haben erstens Namen und sind zweitens eine Installation von ­Johannes M. Hediger und Marcus Gossolt vom Künstlerduo Com & Com.

Zehnjährige Zugehörigkeit zum Unesco-Welterbe

Mit dieser Kunstinstallation und weiteren Aktionen feiert die Tektonikarena Sardona bis in den November die zehnjährige Zugehörigkeit zum Unesco-Welterbe. Die steinigen Botschafter heissen TEK, TO und NIK und stehen in dieser Reihenfolge für die am Unseco-Welterbe beteiligten Kantone Glarus, St. Gallen und Graubünden. Der Künstler Marcus Gossolt beantwortet dazu gleich eine selbstgestellte Frage. Was ist Kunst an diesen naturbelassenen, sechs bis elf Tonnen schweren Verrucano-Steinen? «Die Natur ist die Künstlerin. Wir mussten nur deren Skulpturen suchen, finden und bergen. Wir sind mehr Vermittler als Künstler», sagt Gossolt. Verrucano ist das typische Gestein für das Unesco-Weltnaturerbe.

Bekannt in der Gebirgslandschaft um den Piz Sardona im Grenzgebiet der Kantone St. Gallen, Glarus und Graubünden ist die weitherum im Felsen sichtbare Linie, die Glarner Hauptüberschiebung, auch «magische Linie» genannt. Über diese Linie schoben sich 270 Millionen Jahre alte Gesteine über eine Distanz von mindestens 35 Kilometern auf viel jüngere, lediglich 40 Millionen Jahre alte Gesteine.

Diese weltweit einzigartige Sichtbarkeit der Gebirgsbildung, deren erfolgreiche Erforschungsgeschichte sowie die Bedeutung für die geologische Forschung haben der Tektonikarena Sardona vor zehn Jahren die Aufnahme als Weltnaturerbe beschert. Nun besuchen die steinernen Vertreter andere Welterben in der Schweiz. Am Anfang das St. Galler Stiftsbezirk, danach reisen TEK, TO und NIK in die Altstadt von Bern, zu den Pfahlbauten am Zürichsee, dann zum Unesco-Welterbe der Eisenbahnstrecke der RhB zwischen Thusis und Tirano, zum Bahnmuseum Bergün. Am Schluss werden die Steine an der Skulpturentriennale in Bad Ragaz gezeigt.

Am Schluss zurück ins Weltnaturerbe

«Wichtig ist aber, dass die drei von uns ausgewählten Steine am Schluss wieder dort sind, wo sie herkommen», sagt Hediger. Nämlich aus dem bündnerischen Tamins, dem glarnerischen Ennenda und aus der Nähe von Sargans. Gefunden haben die beiden Künstler die Steine in Zusammenarbeit mit einem geologischen Berater. Der Stein aus Ennenda ist gleichzeitig ein prähistorischer Zeuge eines Felssturzes.

Am ersten Standort der Tour treffen zwei sehr unterschied­liche Welterben zusammen, wie Gastgeber Thomas Franck, Präsident des Vereins Weltkulturerbe Stiftsbezirk, feststellt. «Das Stiftsbezirk ist 1406 Jahre alt, Sardona über 100 Millionen Jahre.» Hier die verletzlichen Bücher aus Pergament und die von Menschen geformten Sandsteine des Doms, dort das von der Natur geformte steinerne Welterbe. Beide müssten geschützt, aber auch vermittelt werden, sagt Franck. Ganz im Sinne von Regierungsrätin Heidi Hanselmann: Sie ist die Gotte des St. Galler Steins TO und hat diesen gestern mit einem Besen vom Neuschnee befreit.

Bruno Knellwolf

bruno.knellwolf

@tagblatt.ch

Kunstprojekt von Com&Com

Tektonik Steinreise, 13. bis

25. Februar Stiftsbezirk St. Gallen

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