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Hörbar Klassik Ihre musikalische Heimat scheint die 48jährige amerikanische Komponistin Jennifer Higdon in der Tonsprache Sergej Prokofjews und Dmitri Schostakowitschs gefunden zu haben.

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Hörbar Klassik

Ihre musikalische Heimat scheint die 48jährige amerikanische Komponistin Jennifer Higdon in der Tonsprache Sergej Prokofjews und Dmitri Schostakowitschs gefunden zu haben. Ihr durchaus virtuoses, Hilary Hahn zugedachtes Violinkonzert fordert der Solistin technisch, aber in den ausgedehnten langsamen Abschnitten auch musikalisch alles ab.

Hilary Hahn, die bis anhin nicht als Spezialistin für zeitgenössische Musik aufgefallen ist, nimmt diese Herausforderung dankbar an. Gerade im lyrischen zweiten Satz erkennt man die mittlerweile grosse gestalterische Reife von Hilary Hahn. Jennifer Higdon, eine der meistgespielten Komponistinnen in Amerika hätte es verdient, würde sie bald auch in Europa entdeckt.

Hilary Hahn, Vasily Petrenko: Higdon, Tchaikovsky, Deutsche Grammophon 477 8777.

Ein Überblick

Der Pianist Lang Lang kann alles, aber kann er alles gleich gut? Sein Best-of-Sampler bietet einen repräsentativen Höreindruck. Auch ein Lang Lang kann kaum verbergen, dass ihm ein Satz aus einem Klavierkonzert von Chopin eher behagt als ein Andante Cantabile aus einer Mozart-Sonate.

Hier zeigt sich: Mit Agogik und Virtuosität hat der Chinese keine Probleme, die Innigkeit und Transparenz eines Beethovens oder Mozarts scheint ihn jedoch wenig zu berühren. Die Frage stellt sich: Muss ein Lang Lang denn wirklich alles können?

Best of Lang Lang, Deutsche Grammophon 477 9014.

Sinfonischer Jazz

Da haben sich zwei gefunden: der Pianist Stefano Billani und der Dirigent Riccardo Chailly.

Von ihrem südländischen Temperament angetrieben, rasen sie wie Derwische durch die Partitur von George Gershwins «Rhapsody in Blue». Sogar ein durchaus impulsiver Leonard Bernstein, der das Stück vom Flügel aus dirigierte, nahm es zu Lebzeiten um einiges gemütlicher. Das Stück erträgt die hohen Tempi, in der Version für Jazz Band sowieso.

Die Musiker im Gewandhausorchesters Leipzig zeigen sich in den Jazz-Phrasierungen auch beim nachfolgenden «Concerto in F» für Klavier und Orchester gewandt und stilsicher.

Riccardo Chailly, Stefano Bollani: Gershwin, Rhapsody in Blue, u. a., Decca 476 3922.

Philippe Reichen

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