Umfrage an der Premiere von «Commedia» vor der Tonhalle St.Gallen: Wie ist es, mit Maske ins Konzert zu gehen?

An der Konzertpremiere herrschte für das Publikum Maskenpflicht. Dies ist bei allen Konzerten, Theater- und Ballettaufführungen des Theaters St.Gallen ab dieser Saison der Fall. Die Konzertbesucherinnen und -besucher sind sich einig: Sie nehmen das Tragen der Maske gerne in Kauf, wenn sie dafür wieder ins Konzert gehen können. Viele aber bedauern, dass es keine Pause mehr gibt.

Christina Genova
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In der Tonhalle St.Gallen gibt es Konzertgenuss nur mit Maske.

In der Tonhalle St.Gallen gibt es Konzertgenuss nur mit Maske.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn um 19.30 Uhr am Freitagabend stehen Konzertbesucherinnen und -besucher in kleinen Grüppchen vor der Tonhalle St.Gallen. Welche Erwartungen haben sie für ihren ersten Konzertbesuch mit Schutzmaske?

Hanspeter Stiboller und Kati Fricker.

Hanspeter Stiboller und Kati Fricker.

Christina Genova

Hanspeter Stiboller geht in Begleitung seiner Frau und Kati Frickers in die Tonhalle. Hanspeter Stiboller nimmt die Maskenpflicht pragmatisch und mit Humor. Er sagt:

«Wenn ich blaue anlaufe, kann ich mich ja bei Ihnen melden.»

Kati Fricker ist ebenfalls gelassen. Das Konzert sei ja nicht anders, nur weil man einen Fetzen Stoff über Mund und Nase trage:

«Man gewöhnt sich an das Tragen der Maske wie an eine Brille.»

Die völlig durchgesessenen Sitzen im Theater St.Gallen hätten bei ihm viel grössere Beschwerden verursacht, als das Tragen der Schutzmaske, sagt Hanspeter Stiboller. Nach dem Konzertbesuch hat er einen Tipp: «Man muss gleichmässig atmen, dann läuft die Brille nicht an.» Die Maske habe ihn während des Konzerts überhaupt nicht gestört:

«Ich war so entspannt, dass ich vergessen habe, dass ich eine Maske trage.»

Gefehlt hat Stiboller jedoch die Pause und damit die Möglichkeit, sich zwischendurch die Beine zu vertreten. Kati Fricker hingegen war froh, als sie die Maske ausziehen konnte: «Gegen Schluss des Konzerts reicht es mir.» Eine dreistündige Oper mit Maske könne sie sich nicht vorstellen.

Lukas und Roger Stump.

Lukas und Roger Stump.

Christina Genova

Roger Stump besucht das Tonhalle-Konzert mit seinem 14-jährigen Sohn Lukas. Das Maskentragen nimmt er gerne in Kauf:

«Es ist eine kleine Einschränkung dafür, dass wir ins Konzert gehen können.»

Schöner wäre es ohne Maske, sagt Sohn Lukas. Vater Roger Stump glaubt nicht, dass es einen grossen Unterschied mache, ob man das Konzert mit oder ohne Maske besuche. Was er jedoch bedauert ist, dass es keine Pause mehr gibt. Zum Verschnaufen sei das gut gewesen und auch um etwas zu trinken. Fürchtet er sich vor einer Ansteckung? «Ich habe keine Angst, absolut nicht.»

Yvonne und Fredy Brunner.

Yvonne und Fredy Brunner.

Christina Genova

Auch alt Stadtrat Fredy Brunner und seine Frau Yvonne Brunner besuchen das Tonhalle-Konzert. Sie tragen elegante Stoffmasken, die Yvonne Brunner selbst genäht hat. Da Ehepaar Brunner hat schon Erfahrung im Maskentragen. Sie waren in Italien in den Ferien, wo diesbezüglich viel strengere Regeln herrschen. Und sie besuchten schon zweimal das Festspielhaus in Bregenz, wo es ebenfalls eine Maskentragepflicht gibt. Fredy Brunner sagt: «Es ist nicht lustvoll, eine Maske zu tragen, aber es geht.» Es sei schön, dass man wieder Konzerte besuchen könne. Auch für die Künstler sei es wichtig, dass sie wieder auftreten könnten, sagt Yvonne Brunner. Es gibt nur eine Sache, die sie bedauert:

«Was mir fehlt, ist der soziale Kontakt und der Austausch in der Pause.»

«Hauptsache, sie spielen wieder», sagt Eike-Harriet Riga. Dafür nimmt die die Chefdisponentin und Leiterin des künstlerischen Betriebs des Theaters St.Gallen die Maske gerne in Kauf. «Das einzige Problem ist, dass ständig die Brille anläuft.» Ihr Partner Markus van Grinsven pendelt täglich zweimal 45 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr, das Maskentragen ist ihm deshalb schon vertraut: «Ich habe mich daran gewöhnt.» Er empfiehlt, sich gar nicht erst darüber aufzuregen. Für van Grinsven ist es die erste Kulturveranstaltung, die er mit Maske besucht.

Tenor Riccardo Botta.

Tenor Riccardo Botta.

Christina Genova

Tenor Riccardo Botta musste auf der Bühne keine Maske tragen. Das ganze Publikum mit Maske vor sich zu haben und nur die Augen der Leute sehen zu können, sei schon komisch gewesen. Er sagt:

«Wir freuen uns, dass wir spielen können. Besser mit Maske, als ein Lockdown.»

Es freut sich über das tolle Programm, es sei lustvoll, trotz Schutzkonzept. Obwohl das Orchester in kleiner Besetzung spiele, klinge es wie ein grosses Orchester: «Hoffentlich geht es so weiter. »

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