Um eine Dimension reicher

Mit seiner Mischung aus Electro, Folk und Indie-Pop haben Bodi Bill etwas eigenes erschaffen. Heute abend gastiert das Berliner Trio am Kulturfestival.

David Gadze
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Bodi Bill verbinden Elektro, Folk und Pop zu etwas Eigenständigem. (Bild: pd)

Bodi Bill verbinden Elektro, Folk und Pop zu etwas Eigenständigem. (Bild: pd)

Der Titel sagt – oder besser: fragt – alles: «What?» haben Bodi Bill ihr im März veröffentlichtes drittes Werk genannt. «Was?» denkt wohl auch immer wieder, wer sich durch diesen einzigartigen Klangkosmos der Berliner hört. Noch mehr als auf den Alben zuvor gelingt es ihnen, mit Unerwartetem zu überraschen. Das Cover ist dabei sinnbildlich für die Platte: Steine liegen auf Küchenpapier in einer Glasschüssel, seltsam aufeinandergeschichtet und verzerrt, so als fehle eine Dimension.

Hart und zerbrechlich

Dieses Aufeinandertreffen von Härte und Zerbrechlichkeit findet sich auch in ihrer Musik. Darin verbinden Bodi Bill mit viel Feingefühl treibenden Electro, feingliedrigen Folk und leichtfüssigen Indie-Pop zu einer eigenen Klangästhetik, sie verknüpfen analoge Instrumente mit elektronischen Elementen und lassen daraus einen organischen, beseelten und warmen Sound entstehen, der in alle Richtungen wächst. Vor allem aber sind Bodi Bill als Band so fühlbar wie nie zuvor.

Auf «What?» ist es dem Berliner Trio gelungen, seinen Sound aufzubrechen, ihn von innen heraus umzubauen und um ein neues, erfrischendes Gefühl zu erweitern. Doch es braucht Zeit, bis sich dieses Gefühl einnisten will. So unnahbar das neue Werk bei der ersten Begegnung wirkt, so sehr öffnet es sich mit jedem Hördurchgang und gibt immer mehr Details von sich preis. Die Vielschichtigkeit von Stücken wie «Pyramiding» oder «And Patience» lädt förmlich dazu ein, immer wieder in dieses Album einzutauchen. «What?» ist ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Texten, Artwork und Videos. Anspruchsvoll, aber niemals verkopft; verstörend, doch niemals irreführend.

Blumen schenken

So eingängig das Trio in gewissen Momenten nach wie vor klingt, so verschroben, ja geradezu komplex sind sie auch. Und so vollendet ihre Musik oft wirkt, so viel Freifläche lässt sie. Nichts klingt überladen, kein Ton drängt sich in den Vordergrund, sondern fügt sich ins Gesamtbild ein. Dabei sind sie um Zitate nicht verlegen. «Wir sind ja beileibe nicht originell, sondern filternd. Die beständige Suche nach etwas eigenem schliesst ja die Hilfe durch die Worte anderer nicht aus. Schliesslich legen wir kein Fundament für ein neues Gebäude, sondern wir bauen höchstens etwas daran, in der Hoffnung dem Balkon eines Tages mal ein paar Blumen zu schenken», sagten sie einst dem Magazin «Spex».

Geliebt werden Bodi Bill aber vor allem für ihre mitreissenden Auftritte. Auf der Bühne wächst die Musik über sich hinaus, die Verspieltheit ihrer Songs entfaltet sich zu einer neuen Dimension – vielleicht genau der, die sich weder bildlich noch via Heimlautsprecher vermitteln lässt: des unmittelbaren Erlebens.

Heute Mi, Kulturfestival. Support: A Crashed Blackbird Called Rosehip. Konzerte ab 20 Uhr (Tür 18.30)