Üppige und andere Frauen

In der Zürcher Maag Halle dreht sich ab morgen zum zehnten Mal alles um Fotos: An der Photo 15 zeigen Kriegs- und Modefotografen sowie Iouri Podladtchikov und Amateure ihre Bilder.

Diana Bula
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«Physikalischen Feminismus» nennt die deutsche Fotografin Iris Brosch das: Sie zeigt, wie schön mollige Frauen sein können. (Bild: Iris Brosch)

«Physikalischen Feminismus» nennt die deutsche Fotografin Iris Brosch das: Sie zeigt, wie schön mollige Frauen sein können. (Bild: Iris Brosch)

Er hat in Afghanistan Taliban- und Landminen-Opfer fotografiert, HIV-Kranke in Simbabwe, Heroinsüchtige in Pakistan. Auch am 11. September 2001 in New York, am Tag der Terroranschläge auf das World Trade Center, drückte James Nachtwey auf den Auslöser. Wo der US-Amerikaner hinreist, brodelt es. Zürich ist eine Ausnahme: Der renommierte Kriegsfotograf kommt zum Vergnügen hierher – als Referent der Photo 15.

Sinnvoll, aber gefährlich

«Ich bin Zeuge gewesen und die Bilder sind mein Zeugnis. Die Ereignisse, die ich aufgenommen habe, sollen nicht vergessen gehen und dürfen sich nicht wiederholen», pflegt Nachtwey über seine Arbeit zu sagen. In der Maag Halle wird er morgen Freitag, 20 Uhr, erzählen, wie es ist, freiwillig in Gebieten unterwegs zu sein, aus denen andere flüchten. Seit 30 Jahren arbeitet der heute 66-Jährige für das Nachrichtenmagazin Time. Ein sinnvoller, aber gefährlicher Beruf: Im Februar 2014 wurde Nachtwey in Bangkok bei Unruhen erneut angeschossen.

Porträts und Mode-Aufnahmen haben in den letzten zwei Jahren die grösste Schweizer Fotografie-Werkschau dominiert. Die Arbeiten von Nachtwey verleihen ihr nun mehr Ernsthaftigkeit, auch die Bilder von Christian Bobst tragen dazu bei. Der Schweizer hat mit seiner Kamera den Pater Hermann Klein-Hitpass in Windhoek besucht. Der 74-Jährige setzt sich dort für Frauen und Mädchen ein, die sich prostituieren. Für eine andere Serie ist Fotograf Bobst nach Senegal in die Wüste gereist, wo er Projekte des Schweizer Hilfswerks Heks dokumentierte. Und in einer Sonderausstellung geben Fotos von Helmut Wachter Einblick in die Arbeit von «Ärzte ohne Grenzen».

Frauen-Kontrastprogramm

«Dieses Jahr sind zwar weniger Porträt- und Modefotografen dabei, jene aber, die mitwirken, sind dafür umso stärker», sagt Kuratorin Lina Baumann. Sie spielt damit auf den Zürcher Gianni Pisano (Mode), den Grabser Georg Gatsas (Porträts) und auf Armin Zogbaum (Stillleben) an; letzterer zeigt Bilder, die er für die italienische «Vogue» gemacht hat. Zu den 130 professionellen und halbprofessionellen Fotografen gesellen sich erstmals zehn Amateure.

Die Besucher – 2012 waren es noch 12 500, vergangenes Jahr 24 600 – erfahren auch, dass sich Snowboard-Olympiasieger Iouri Podladtchikov hinter der Kamera genau so wohl fühlt, wie auf dem Brett. Der 26-Jährige lässt sich als Fotograf hauptsächlich «von Frauen und der Liebe zu ihnen» inspirieren. Zu sehen ist etwa seine Traumfrau, Topmodel Aurélie Claudel. Podladtchikov hat sie für das «Friday»-Magazin abgelichtet.

Ein ganz anderes Frauenbild portiert Iris Brosch. Sie hat genug von Dürren in Modemagazinen. Mit «Round is beautiful» huldigt sie weiblichen Formen. Die Frauen erinnern an Statuen aus der Renaissance, als Üppigkeit noch als schön galt.

Die Photo 15 findet vom 9. bis 13. Januar statt. www.photo-schweiz.ch