Überwintern in Sosawapa

Ein Hoch auf die Phantasie: Mit der «Bärenhöhle» kommt ein Stück ins Figurentheater St. Gallen, das zum Reisen in selbstgeschaffene Welten einlädt.

Petra Mühlhäuser
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Phantasie hilft Maus, Hase und Affe gegen die Unbill des Winters. (Bild: Coralie Wenger)

Phantasie hilft Maus, Hase und Affe gegen die Unbill des Winters. (Bild: Coralie Wenger)

«Es schmeckt schon nach Schnee», stellen Emilie Maus und Oskar Hase sorgenvoll fest. Denn die beiden Tiere haben es im Stück «Die Bärenhöhle» mit Susan Edthofer und Stefan Engel versäumt, rechtzeitig Vorräte zu sammeln. Zugeben können sie das natürlich nicht. Stattdessen flunkern sie einander vor, dass sie im Winter jeweils wie die Zugvögel in den Süden fliegen, mit Hasenohren als Flügel, Stummelschwänzchen als Düsenantrieb und Mäuseschwanz als Propeller. Nach Sosawapa – Sonne, Sand, Wasser, Palmen.

Mit Phantasie über den Winter

Das tönt besonders verlockend, als der erste Schnee in Form von Papierschnitzeln auf die Bühne im Schulhaus Riethüsli rieselt, wo das Stück dieser Tage gespielt wurde. Dabei rettet das Phantasie-Paradies die beiden liebenswerten Aufschneider tatsächlich vor Kälte und Hunger, wenn auch anders, als sie es einander vorgaukeln: Sie umgarnen als «Sommersängergeschichtenerzähler» den Bären, der zur Freude der Kinder so genüsslich laut schnarchen kann.

«Wir bringen Schwung und Farbe in deine Winterhöhle», so preist die Maus dem Bären ihre Dienste an. Mit Erfolg: Gegen Kost und Logis in der warmen Bärenhöhle unterhalten sie ihn während seiner langen Winterruhe mit ihren aufregenden Abenteuergeschichten aus Sosawapa. Und im Nu verwandelt sich die Höhle in ein farbenprächtiges Inselparadies. Der Spaziergang im Sonnenuntergang gibt dem Hasen ein rotes Fell, und das Bad im Meer macht die Maus blau. Und so rettet die Phantasie die Tiere über den kalten Winter. So etwas sollte man sich merken in unseren Breitengraden!

Mit ihrem ersten eigenen Stück, das im wesentlichen dem (vergriffenen) Bilderbuch «Die Bärenhöhle» von Regine Schindler folgt, touren Susan Edthofer und Stefan Engel derzeit durch Schulen und Kindergärten der Region. Kennengelernt haben sie sich als Spieler im Figurentheater, wo sie nun für drei öffentliche Vorstellungen gastieren.

Die Kulissen sind ganz einfach, bestehen vor allem aus Tüchern und etwas Höhlenwand. Auch die Kinder spielten ja mit wenig Mitteln, erklären die beiden. Ihre kleinen Zuschauer sollen sich vom Stück dazu animieren lassen, sich selber Geschichten auszudenken und auf ihre eigene Bühne zu bringen. Das würde man tatsächlich gerne: Die knopfäugigen Viecher sind so wunderbar knuddelig, dass es einfach herzerwärmend ist!

Ans Herz gewachsen

«Das sind richtige Persönlichkeiten», sagt eine Lehrerin, als die Kinder nach der Aufführung den Tieren die Hand geben dürfen. Da sind das überall Gefahren witternde Angsthäschen und die vorwitzige Maus, die nervöse Krabbe, das Äffchen mit der Musikbegabung und der brummelig-gemütliche Bär. Köpfe und Körper sind von Stefan Engel, den Pelz hat ihnen Susette Neuweiler auf den Leib gestrickt. «Die Tiere wachsen einem richtig ans Herz», sagt Susan Edthofer. «Schliesslich setzt man sich ja auch intensiv mit ihrer Persönlichkeit auseinander.» Und Stefan Engel ergänzt: «Wahrscheinlich haben sie auch viel von uns.»

Für beide ist das Puppentheater Hobby. «Es juckt einen, und dann vergisst man den ganzen Aufwand», sagt Susan Edthofer. Sie unterrichtet Englisch an der Primarschule und ist ausserdem Journalistin. Stefan Engel arbeitet als schulischer Heilpädagoge. Regie geführt hat Kathrin Bosshard. Das Stück dauert rund 50 Minuten und eignet sich für Kinder ab vier Jahren. Gespielt wird, passend zum Inhalt, nur bis zum Frühling, Das Stück wird aber im Herbst wieder aufgenommen.

Heute Sa, morgen So und Mi, 2.2., Figurentheater St. Gallen, jeweils 14.30 Uhr.

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