Überflüssiges Remake

Regisseur Michael Bay präsentiert ein Remake des Horror-Klassikers «A Nightmare on Elm Street».

André Wesche
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Jackie Earle Haley übernimmt Freddy Kruegers Rolle. (Bild: Fox-Warner)

Jackie Earle Haley übernimmt Freddy Kruegers Rolle. (Bild: Fox-Warner)

Frederick Charles Krueger, als Schauspieler kurz Freddy Krueger genannt, ist als Ikone der Pop-Kultur wohl ebenso populär wie Frankensteins Monster. Man muss keinen Film der schaurigen «Nightmare On Elm Street»-Filmreihe kennen, um den entstellten Mann mit dem rotgrün gestreiften Pullover, dem Filzhut und der Klingenklaue zuordnen zu können.

Eltern schauen tatenlos zu

Achtmal geisterte Freddy in der Filmgeschichte durch die Albträume der Jugendlichen aus der Elm Street. Das reichlich vergossene Blut spülte dabei stets ein Vielfaches der Produktionskosten in die Kassen.

Für Schauspieler wie Johnny Depp oder Patricia Arquette waren die «Nightmare»-Filme das Sprungbrett in eine grosse Karriere. Mittlerweile hat Freddy-Darsteller Robert Englund endgültig den Dienst quittiert. Die Serie aber lebt weiter, in Form eines freien Remakes des Originals. In diesem teilen sich die Jugendlichen aus der Elm Street einen bizarren Albtraum.

Ein furchterregender Mann mit schrecklichen Brandnarben bedroht ihr junges Leben, sobald die Kids in Morpheus' Arme versinken. Schon bald sind die ersten Opfer zu beklagen. Die Eltern der Jugendlichen schauen tatenlos zu, obwohl oder gerade weil sie dieses Monster geschaffen haben.

In seiner Rolle als Produzent stürzt sich Action-Regisseur Michael Bay («Transformers») seit einigen Jahren auf jeden Horrorklassiker, dessen er habhaft werden kann, und poliert ihn nach seinen Vorstellungen neu auf.

Die aktuellen Versionen von «The Texas Chainsaw Massacre», «The Amityville Horror» oder «Freitag, der 13.» sind manchmal mehr und manchmal weniger gelungen, wirklich notwendig sind sie alle nicht. Selbiges gilt für «A Nightmare On Elm Street», – sein vielleicht schlechtestes Remake.

Pures Spektakel der Effekte

Die Saga, deren Grundstein Horrorpapst Wes Craven im Jahre 1984 legte, steht im Genre für aussergewöhnliche Intelligenz, Vielschichtig- und Tiefgründigkeit.

Michael Bay und sein Regisseur Samuel Bayer, ein Musik-Video-Veteran, erkennen die sozialkritische Brisanz des Stoffes nicht. Sie setzen auf pures Effektspektakel, die Dezimierung gut aussehender junger Menschen und einen zynischen Bösewicht, der ein paar Sprüche klopft. Alles Subtile wurde konsequent ausgeblendet. Jackie Earle Haley, der für den Oscar nominierte Sexualtäter aus «Little Children», kann der Rolle des Freddy Krueger wenig Substanz abringen, zumal die neue Maske stärker auf Monster getrimmt ist.

Robert Englund hätte man als Zivilperson in der Strassenbahn sofort erkannt. Das neue Pizzagesicht ist völlig austauschbar. Damit steht es symptomatisch für die finanziell erfolgreiche, künstlerisch aber fragwürdige Praxis, Hand an Klassiker zu legen.