Über das Predigen und Leben von Göttlichem

Der Dominikanerorden feiert 2016 sein 800-Jahr-Jubiläum. Im Kloster Ilanz fand die Premiere des Theaterstückes «Kloster zu verschenken» statt, das nun in verschiedenen Klöstern in der Ostschweiz aufgeführt wird. Beim Rundgang durch die Klöster erlebt man die ereignisreiche Geschichte des Ordens.

Ursina Trautmann
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Szene aus dem Stück «Kloster zu verschenken». (Bild: pd/Verein Theater)

Szene aus dem Stück «Kloster zu verschenken». (Bild: pd/Verein Theater)

Es ist Theater im Kloster. Unter der Leitung der Autorin und Theaterpädagogin Annette Windlin entstand ein zweistündiges, stark befrachtetes Stück über die Geschichte des Dominikanerordens. Es führt das Publikum erst in die Kirche und anschliessend auf einen Rundgang durchs Kloster. An der Premiere im Kloster Ilanz sind an vier verschiedenen Orten Szenen gespielt worden, in denen der Theologe und Autor Paul Steinmann auch Inquisition, Sklaverei und Hexenverfolgung zur Sprache bringt.

Von Spiritualität geführt

Die Dramaturgie ist – wegen des Spielorts und der starken Statistinnen, in deren Rollen die Ordensschwestern für ein paar Stunden schlüpfen – von katholischer Spiritualität geführt. So werden zu Beginn die Heiligen angerufen: «Ora con nobis» singen die Schauspielerinnen und Schauspieler in weisse Ordensgewänder gekleidet, dann legen sie die Habits ab und das Stück nimmt seinen weltlichen Lauf.

Annette Windlin setzt die Figuren einer Politikerin, eines Moderators, eines Ordensvertreters und eines Denkmalpflegers auf ein Podium. Die vier sollen darüber diskutieren, was aus dem Kloster werden soll. Aus dem Kreise der Dominikanerinnen, so der Moderator, sei die Idee gekommen, es zu verschenken. Die Politikerin möchte die Immobilie für soziale Zwecke verwenden, der kantonale Denkmalpfleger eiert um die Verantwortlichkeit herum. Da tritt aus dem Publikum die Immobilienfachfrau hervor. Sie hat Pläne für ein Burn-out-Klinik. Ein Ordensbruder mischt sich in die etwas lang geratene Diskussion ein und schliesslich auch noch eine ehemalige Ordensschwester, die vorschlägt, das Kloster zu sprengen.

Vier Stationen, vier Geschichten

An dieser Stelle ist das Publikum schon tief in den Diskurs der Dominikaner eingetaucht: Es geht um das «weniger Haben» und das «mehr da Sein», um das Predigen und Leben von Göttlichem. Fragen, die manchen beschäftigen könnten. Dann leitet die Musikerin Christina Volk den Rundgang durch die «Immobilie» ein. Die Ordensschwestern führen das Publikum an vier verschiedene Spielorte im Kloster: In einem Versammlungsraum vor der Holzstatue des Heiligen Dominikus überlegt sich der spanische Bischof Diego (Peter Zimmermann), wie man den Katharern (im damaligen Südfrankreich) beikommen kann, deren Priester mit ihren Predigten grossen Zulauf haben. Ein Orden muss her, rät ihm sein Berater (Markus Keller). Die Idee für den neuen Orden ist geboren und der erste Kreuzzug auf die Katharer beginnt.

An der nächsten Station stehen der von David Imhoof gespielte Dominikaner und Bischof Bartholomé de Las Casas (1484–1566), eine verzweifelte Hebamme und Kräuterfrau (Andrea Pintece), die der Hexerei belastet wird, die heilige Katharina von Siena (Sabine Schädler) und eine abtrünnige Ordensschwester (Franziska Bachmann Pfister) im Mittelpunkt. Das Stück schliesst im Gebet, mit einer gesanglichen Komposition von Markus Keller des Vaterunsers.