Üben am Kartonmodell

Bubble Beatz wollen sich künstlerisch erneuern. Die St. Galler Mülltrommler entwickeln zurzeit mit professioneller Hilfe eine neue Show mit neuer Musik und einer wandelbaren Bühne. Diese gibt es jetzt im Miniaturmodell zu sehen.

David Gadze
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Vom Modell zur grossen Bühne: Kay Rauber und Christian Gschwend alias Bubble Beatz tüfteln an ihrer neuen Live-Show. (Bild: Urs Bucher)

Vom Modell zur grossen Bühne: Kay Rauber und Christian Gschwend alias Bubble Beatz tüfteln an ihrer neuen Live-Show. (Bild: Urs Bucher)

Eine unscheinbare Industriehalle in einer Arboner Quartierstrasse. Seit einem halben Jahr basteln hier im Keller Bubble Beatz an neuen Klängen und Schlagutensilien für ihre neue Show. Wären da nicht überall irgendwelche Trommeln, könnte man meinen, in einer Sammelstelle für Altmetall gelandet zu sein. Eine alte Satellitenschüssel, verbeulte Bratpfannen, Farbkübel, Metall- und Plastikfässer, Bleche, entstellte Kochtöpfe, verformte Eimer und Eisenstangen liegen herum.

Ein Kartonmodell verdeutlicht, wie die neue Bühne aussehen könnte. Wobei das Wort «Bühne» im Fall der beiden St. Galler Mülltrommler zu kurz greift. «Letztes Mal haben wir das Bühnengerüst zu einem Instrument gemacht. Diesmal kommt noch viel mehr dazu. Das Gerüst soll nicht bloss ein Instrument sein, sondern ein Bestandteil des gesamten Bühnenbildes», sagt Kay Rauber.

Mehr Show

Nachdem die beiden «Supertalent»-Finalisten von 2010 in den vergangenen Jahren die Show «Don't Litter» mehrere hundert Mal gespielt haben, hätten sie sich entschieden, bei Null anzufangen und sich etwas komplett Neues auszudenken, erzählen sie. Dafür haben sie ein Kreativteam ins Boot geholt: Ein Regisseur, ein Bühnenbauer und ein Produzent entwickeln mit ihnen das neue Programm.

«Unsere Auftritte sollen nicht bloss Konzerte sein, sondern noch mehr zu einer Show werden», sagt Christian Gschwend. Denn gerade hier gebe es noch viel Potenzial, das sie bisher noch nicht ausgeschöpft hätten. «Die zentrale Frage ist: Was können wir noch, ausser trommeln? Aus diesem Grund ziehen wir von Anfang an einen Regisseur hinzu.» Er schaue das mit anderen Augen an und sehe die Trommelrhythmen als Teil eines Ganzen. «Das Drumherum bekommt eine andere Gewichtung und das Konzert eine Dramaturgie.»

Es gehe jedoch nicht darum, alles auf den Kopf zu stellen und Effekthascherei zu betreiben. «Wir wollen nicht mit Leuchtleinwänden ablenken, sondern weiterhin mit unserer mechanischen Show überzeugen», sagt Gschwend. Sie würden auch nicht tanzen oder Comedy machen, verspricht Rauber. «Wir sind keine Schauspieler, sondern Musiker.» Vielmehr soll die Show eine Geschichte erzählen. «Es wird ein abstrakter Tag im Leben von Bubble Beatz sein.»

Stilistisch breiter werden

Mit dem Produzenten und Sounddesigner Leander Bauer gelte es jetzt, neue Tracks auszuarbeiten. Die zwölf neuen Nummern sollen ein grösseres musikalisches und stilistisches Spektrum abdecken als das elektroniklastige «Don't Litter». Die Musik und die Live-Show seien jedoch zwei verschiedene Dinge, betonen Bubble Beatz. «Wir entwickeln zuerst die Live-Show und adaptieren sie dann auf die Platte», sagt Rauber.

Beim neuen Programm kommen auch neue Instrumente hinzu. Bisher haben Rauber und Gschwend auf dem Schrottplatz alte Teile gesammelt und sie an das Bühnengerüst montiert. «Jetzt helfen uns zwei Schweisser, unsere Ideen für Instrumente zu verwirklichen», sagt Rauber. Ein Beispiel dafür ist ein Ölfass, aus dessen einer Hälfte ein Saiteninstrument und aus der anderen eine Kalimba entstanden ist. «Wir suchen noch weitere solche Harmonieinstrumente. Das gibt uns neue Möglichkeiten, vermehrt auch Melodien zu spielen.» Doch auch bei den Schlaginstrumenten gehe es darum, nach neuen Klängen zu suchen. Das neueste Ergebnis dieser Suche ist eine Talking Drum.

Vom Lotteriefonds unterstützt

Nicht nur die Popularität der Metallperkussionisten ist seit der «Supertalent»-Show rasant gestiegen, sondern auch der finanzielle Aufwand. Auf fast 120 000 Franken berappen sich die Kosten für das neue Programm. Der Lotteriefonds des Kantons St. Gallen unterstützt Bubble Beatz mit 12 000 Franken. «Wir konnten in den letzten Jahren Rückstellungen bilden und sind in der Lage, einen Grossteil selber zu finanzieren. Aber wir sind nach wie vor auf Unterstützung angewiesen», sagt Gschwend. Im Gesamtbudget seien jedoch nicht nur die Bühnenkonstruktion und die Entwicklung des neuen Live-Programms enthalten, sondern auch die CD-Produktion und -Promotion, neue Technik, Videos und die Tournée. Die neue Show soll am 21. September 2013 im Casino Herisau zum ersten Mal zu sehen sein.

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