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Ein Hit hat Geburtstag:
Überall ist «Stille Nacht»

Vor genau 200 Jahren ertönte in einem Dorf in Österreich zum ersten Mal das Weihnachtslied «Stille Nacht». Dass die Zeilen vertont wurden, ist einer verstimmten Orgel und einem findigen Pfarrer zu verdanken.
Laura Widmer
Die «Stille Nacht»-Kapelle im österreichischen Oberndorf. (Bild: Christian Bruna/Keystone)

Die «Stille Nacht»-Kapelle im österreichischen Oberndorf. (Bild: Christian Bruna/Keystone)

«Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht …» Kaum ein Lied wird an Weihnachten so häufig angestimmt wie «Stille Nacht». Das Lied ist seit 2011 Unesco-Weltkulturerbe, wird in über 50 Sprachen gesungen und hat schon Kriegsparteien versöhnt – zumindest für eine Nacht.

Während des Zweiten Weltkrieges stimmten deutsche Soldaten in der Weihnachtsnacht 1914 an der belgischen Front das Lied an (Ausgabe vom Samstag). Die Engländer in den Schützengräben hörten die Melodie und sagen mit. Eine Nachricht, die um die Welt ging und «Stille Nacht» zu einem Friedenslied machte. Am nächsten Tag folgte eine eintägige Waffenruhe und die Versöhnung gipfelte in einem freundschaftlichen Fussballspiel.

Eine kaputte Orgel hilft bei der Entstehung

Komponiert wurde «Stille Nacht» fast 100 Jahre früher in Österreich. Zu einer Zeit, in der das Leben der Menschen von Entbehrungen geprägt ist. Jahrelang wüteten Napoleonische Kriege in Europa und das Wetter spielte nach einem Vulkanausbruch auf Indonesien 1816 weltweit verrückt. Die Zeit danach wird auch als «Jahr ohne Sommer» bezeichnet. Die Menschen sind arm, leiden Hunger. Joseph Mohr bring die berühmten Zeilen von «Stille Nacht» 1816 im Wallfahrtsort Mariapfarr in Österreich zu Papier. Ursprünglich schreibt er sie als Gedicht mit sechs Strophen, von denen heute nur noch drei gesungen werden.

Dass aus dem Gedicht eines der bekanntesten deutschen Weihnachtslieder wird, ist einem Zufall am Weihnachtstag vor ­genau 200 Jahren geschuldet. Joseph Mohr ist in der Stadt Oberndorf angestellt. Es ist Weihnachten, und er bereitet in der festlich geschmückten, aber kalten St.-Nikolaus-Kirche die Messe vor. Nach der Teilung der Stadt Laufen ist sie die neue Pfarrkirche im österreichischen Oberndorf. Zur musikalischen Begleitung soll der Lehrer Franz Xaver Gruber aus dem benachbarten Arnsberg die Orgel spielen. Doch als sich dieser an die Orgel setzt, ist das Instrument komplett verstimmt.

Einer Eingebung folgend, bittet Mohr Gruber, sein Gedicht zu vertonen und auf der Gitarre zu begeleiten. So komponiert Gruber an einem einzigen Nachmittag das Lied mit der wiegenden Melodie, das heute weltweit gesungen wird. Noch am selben Abend wird «Stille Nacht» am Ende der Christmette von den beiden zum ersten Mal vor­getragen.

Rund 100000 Pilger im Jahr

Bekannt wird das Weihnachtslied noch zu Lebzeiten seiner beiden Komponisten. Reich werden sie jedoch damit nicht. Der Orgelbauer, der die verstimmte Orgel der Sankt-Nikolaus-Kirche ein Jahr später repariert, nimmt das Lied mit nach Tirol. Dort erklingt es im Schloss eines Grafen bei einem Volksliederabend vor Kaiser Franz I. und dem russischen Zaren Alexander I. Tiroler Sängerfamilien wie die Geschwister Strasser und die «Rainer Family» verbreiten die Melodie international.

Heute versuchen verschiedene österreichische Gemeinden mit dem Kult um das Weihnachtslied Geld zu verdienen. So werben sie für die «wundervolle Reise ins Stille-Nacht-Land». Im Stille-Nacht-Bezirk können Touristen das Stille-Nacht-Museum in den ehemaligen Wohnräumen von Franz Xaver Gruber besuchen, und auch in der Stille-Nacht-Kapelle in Obersdorf dreht sich alles um das weltberühmte Weihnachtslied. Die Kirche Sankt Nikolaus, in der das Lied erstmals erklang, existiert jedoch nicht mehr. Auch Dörfer, die nur am Rande mit dem Leben Joseph Mohrs und Franz-Xaver Grubers zu tun hatten, werden heute als Orte der Inspiration vermarktet. So Hallen, wo der Lehrer Franz Xaver Gruber musikalisch tätig war. Insgesamt gibt es in Österreich 13 Orte, die an das Leben von Mohr und Gruber sowie an die Geschichte des Liedes erinnern.

Jährlich findet in Oberndorf an Heiligabend eine Gedenkfeier statt. Rund 100000 Menschen pilgern jedes Jahr in den kleinen Ort, viele von ihnen kommen aus Asien. Dieses Jahr werden aufgrund des Jubiläums noch mehr Menschen erwartet. Pilger, Touristen und Einheimische werden heute Abend gemeinsam die ­bekannte Melodie anstimmen: «Stille Nacht, heilige Nacht …»

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