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Kunsthalle Luzern: Über Bienen ins Schwärmen geraten

Die Bienen und die Pigmente der Erde malen bei der tschechischen Künstlerin Olga Zimmelova seit Jahrzehnten mit. In der Kunsthalle Luzern führt sie ihre bekannten Bienenwabenbilder mit neueren Arbeiten zusammen.
Julia Stephan
Kurator Michael Sutter hängt in der Kunsthalle Luzern die mit Leinwänden bezogenen Imkerkästchen von Olga Zimmelova auf. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 10. Januar 2019))

Kurator Michael Sutter hängt in der Kunsthalle Luzern die mit Leinwänden bezogenen Imkerkästchen von Olga Zimmelova auf. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 10. Januar 2019))

Rom, Anfang der 1980er-Jahre: Die tschechische Künstlerin Olga Zimmelova hält sich gerade für zwei Studienjahre am Istituto Svizzero in Rom auf, als sich beim Malen im Garten eine Biene auf ihren Pinsel setzt. Fern der Heimat, die sie 1968 nach der Niederschlagung des Prager Frühlings in Richtung Luzern verlassen hat, bringt das Tier, das in einer Kindheit mit Imkervater jeweils in Schwärmen um sie herumgeflogen war, sie wieder ganz nah an ihre Heimat zurück.

Die Bilder, die sie später im Garten des Instituts aufstellen sollte und von denen derzeit eine Auswahl in der Kunsthalle Luzern gehängt ist, bilden Felder aus violetten, gelben und blauen Farbflecken. Farben, von denen sich Bienen besonders angezogen fühlen. Denn sie nehmen mehr Facetten darin wahr als der Mensch. Im Miteinander erzeugen die Farben den Rhythmus einer Blumenwiese. Der Rhythmus erzeugt wiederum dieses Flimmern, das entsteht, wenn einem als Betrachter die auf den ersten Blick verborgene Ordnung der Natur offenbar wird.

In Schwarmformation gehängte Wabenbilder

Die Arbeit markierte den Beginn einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit den Bienen, die nicht nur Zimmelova, sondern auch Dichter wie Philosophen gleichermassen inspiriert hat. Wo die Medien davon sprechen, dass vom Menschen nicht mehr viel übrig bleibt, wenn die geheimnisvollen Staatsverbände irgendwann von der Erde abziehen, interessiert sich Zimmelova für die Kulturgeschichte der Biene. In der Kunsthalle Luzern kann man ihre von Kurator Michael Sutter in Schwarmformation gehängten Bienenwabenbilder neben grossformatigen Malereien bewundern, die teils auch jüngeren Datums sind.

Die Bienenwabenbilder entwickelt die Künstlerin seit Mitte der 1990er-Jahre mit Unterstützung von Imkern. Auf den mit bemalten Leinwänden bezogenen, mit Safran gebeizten Imkerkästchen haben die Bienen Zimmelovas Kunst mit Waben überbaut und verbergen teilweise oder auch ganz die mit Bleistift oder Farbe auf die Leinwand notierten Zitate von Geistesgrössen wie Nietzsche, Pasolini, Giordano Bruno, Brecht oder Novalis, die mit Bienengleichnissen und Bienenmetaphern ihre eigene Philosophiegebäude aufgebaut haben.

Folgerichtig hat schon der legendäre Ausstellungsmacher und ­Ex-Direktor des Luzerner Kunst­museums, Jean-Christophe Ammann, Zimmelova einmal eine «Naturkraft» genannt.

Chinesische Erde zu Farbe verarbeitet

Das ist die Künstlerin, die heute in Basel lebt, bis heute geblieben. Eben erst hat sie in China Dörfer besucht, und liess sich von den unbebauten Flächen, der Landschaft und den Lücken bei der sprachlichen Verständigung zu grossen, wiederum rhythmisch strukturierten Malereien inspirieren, die nun in der Kunsthalle mit den Bienenwabenbildern dialogisieren.

Die Farbe, die sie dafür verwendet hat, hat sie aus der roten Erde gewonnen, die sie in China antraf. Über manchem warmem Rot-Ton liegt eine milchig weisse Farbschicht, die den Blick verschleiert. Sie steht für die Distanz zu einer fremden Kultur, in die man sich als Fremder ebenso wenig eingliedern kann wie in einen geschlossen Bienenstaat.

Olga Zimmelova, «in cuore sento il pazzo volo di un’ape regina». Kunsthalle Luzern. Mi–Sa, 15– 20.30 Uhr, sowie So, 14–18 Uhr.

Bis 10. 2.2019 Künstlerinnengespräch an der Finissage.

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