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TV-STAR: Vom Glück der zweiten Karriere

Bekannt wurde sie durch die SRF-Serie «Der Bestatter». Jetzt spielt Suly Röthlisberger in einem Drei-Personen-Stück in der Kellerbühne St. Gallen. Lampenfieber hat sie auch nach 40 Berufsjahren immer noch.
Julia Nehmiz
Im rosa Bühnenbild: Suly Röthlisberger als Kat in «Falsch». (Bild: Sabrina Stübi (St. Gallen, 27. Februar 2018))

Im rosa Bühnenbild: Suly Röthlisberger als Kat in «Falsch». (Bild: Sabrina Stübi (St. Gallen, 27. Februar 2018))

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@tagblatt.ch

«Dass du die ganze Zeit lügst!» Harte Worte, aufgebrachte Stimmung im rosa gedämpften Bühnenlicht. «Ich kann nicht glauben, dass das hier alles wahr ist!», ruft Suly Röthlisberger als Kat. Noch ist es eine Woche hin bis zur Schweizer Erstaufführung von «Falsch». Die Schauspieler proben intensiv. Es ist ein atmosphärisch dichtes, emotionales Kammerspiel, das ist jetzt schon zu ­sehen.

Dass Suly Röthlisberger mitwirkt, darüber ist er «sehr glücklich», sagt Matthias Peter und schwärmt von seiner Truppe. ­Röthlisberger brachte ihre Schauspielkollegin Sabine Martin für die Rolle ihrer Schwester Sis mit. Und den Dritten im Bunde, den St. Galler Schauspieler Alexandre Pelichet, der schon in einigen ­Kellerbühne-Produktionen spielte, kannte Röthlisberger noch aus ihrer Zeit am Theater Krefeld. «Schon nach einer Woche Proben hatte ich den Eindruck, hier entsteht ein kleines Theaterwunder», sagt Regisseur Matthias Peter. «Das erlebt man selten, dass es nie um Befindlichkeiten geht, dass alle aus dem Hier und Jetzt arbeiten und am gleichen Strang ziehen.» Er dürfe mit wunder­baren Schauspielern arbeiten.

«Wenn ich das jetzt nicht mache, dann nie»

Die wunderbare Suly Röthlis­berger steht zum ersten Mal in St. Gallen auf der Bühne. Trotzdem ist es für sie fast eine Art Heimkommen: «Meine Eltern haben in den 1940er-Jahren am Theater St. Gallen gearbeitet, meine beiden älteren Schwestern sind hier geboren.» Der Vater war Bühnenbildner, die Mutter Schauspielerin am Theater. Der Vater wurde als Ausstattungs­leiter ans Opernhaus Zürich berufen, die Familie zügelte dorthin. Und Klein Suly sah sich unzählige Vorstellungen im Opernhaus an. Für Angehörige gab es eine Extraloge. «Wenn meine Mutter sagte, ich solle um zehn Uhr zu Hause sein, wusste ich, nach dieser Arie muss ich los», erzählt Röthlis­berger. Für sie war klar, sie wollte Opernsängerin werden.

Zwei Semester studierte sie Gesang am Konservatorium Zürich, dann wurde sie vom Sog der 1968er erfasst. «Mir kam Oper veraltet und verstaubt vor, mehr wie ein Museum. Das Schauspiel war viel politischer und lebendiger.» Sie wollte auf der Bühne die Welt verändern. Röthlisberger studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg und spielte anschliessend an zig verschiedenen Häusern, vor allem in Deutschland, wo sie 40 Jahre lebte. Zuletzt war sie am Stadttheater ­Krefeld engagiert, als plötzlich ein Angebot aus der Schweiz kam: eine Hauptrolle in der SRF-Soap «Tag und Nacht». Für Röthlis­berger, damals 58 Jahre alt, eine einmalige Chance, wie sie sagt. «Nach 40 Jahren in der Stadttheatermühle war ich ein bisschen theatermüde und ausgelaugt.» Viel gedreht hatte sie bis dahin nicht. «Ich dachte, wenn ich das jetzt nicht mache, dann nie.» Sie kündigte ihre Festanstellung und zügelte mit ihrem Mann nach Baden.

«Tag und Nacht» wurde nach nur einer Staffel abgesetzt, und Suly Röthlisberger musste sich zwischenzeitlich beim RAV melden. Doch sie liess sich nicht entmutigen. Schnell ging es weiter, ein Film mit Petra Volpe, Theaterengagements, Drehtage, eine kleine durchgehende Rolle im Luzerner Tatort. Der Durchbruch gelang ihr mit der Rolle der Erika Büsser im «Bestatter». Seit 2013 hat sie sechs Staffeln der SRF-­Serie gedreht, im Sommer starten die Dreharbeiten zur siebten. Ob es weitergeht, hängt auch von der No-Billag-Abstimmung ab.

Und sie spielt wieder Theater. Immer noch mit «furchtbarem Lampenfieber», wie Röthlisberger sagt. Merkwürdigerweise verspüre sie das vor der Kamera nie. Sie trat auf in Bern, Zürich, Winterthur – und, «mein Sechser im ­Lotto», mit der freien Produktion «When I die» von Thom Luz reist sie durch die halbe Welt. Vorstellungen an Festivals in Frankreich, Island, Finnland, Berlin. Im Mai geht es nach Rotterdam, im August nach Venedig an die Theater-Biennale.

Die kleinen Theaterräume sind ihr lieber

Jetzt steht die 68-Jährige auf der Kellerbühne in St. Gallen. «Die kleinen Theaterräume sind mir viel lieber», sagt sie. Der engere Kontakt zum Publikum, das in­timere Spiel – es zieht sie nicht mehr auf die grossen Bühnen. Am Stück «Falsch» der hollän­dischen Dramatikerin Lot Vekemans findet sie die Konflikte spannend – «die gehen weit über den Unfall, den eine Figur verursacht haben soll, hinaus».

Wie es weitergeht für sie? Suly Röthlisberger lächelt verschmitzt – und hält sich bedeckt. Über mögliche Projekte plaudert man nicht. Doch etwas mag sie noch sagen: «Ich hatte so viel Glück und erlebe eine tolle ­zweite Karriere.» Sie sei grundsätzlich zuversichtlich: Es komme alles gut.

Hinweis

«Falsch», Kellerbühne St. Gallen, Premiere 7.3.; weitere Vorstellungen bis 18.3.

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