TV-KRITIK: "26 minutes": Grossartige Satire trotz Sprachbarriere

Am Donnerstagabend geben die Westschweizer Satiriker Vincent Kucholl und Vincent Veillon ein Gastspiel auf SRF 1. Wir haben uns die Satireshow vorab bereits angesehen und befinden: Einschalten lohnt sich.

Christof Krapf
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Die Westschweizer Satiriker Vincent Kucholl (links) Vincent Veillon überzeugen auch auf Deutsch. (Bild: Keystone)

Die Westschweizer Satiriker Vincent Kucholl (links) Vincent Veillon überzeugen auch auf Deutsch. (Bild: Keystone)

Erst ganz am Schluss der Sondersendung von "26 minutes" wird klar, dass Vincent Kucholl und Vincent Veillon kaum Deutsch sprechen. Im Interview mit der Schlagersängerin Melanie Oesch stolpern die beiden über das eine oder andere Wort. Stören tut das nicht. Vor allem deshalb nicht, weil die beiden Satiriker die Zuschauer der Sondersendung von "26 minutes" zuvor aufs Beste unterhalten haben. Das Konzept der Westschweizer Kultsendung ist simpel: Veillon führt als seriöser Nachrichtensprecher durchs Programm; Kucholl gibt als Studiogast oder in Einblendern immer wieder seine Meinung als Experte ab. Das Format - bekannt aus der "Heute Show" im ZDF - funktioniert.

Schon der Start der "Spezialsendung über den Sonderfall Schweiz" ist vielversprechend. In einer Reportage versuchen die Satiriker zu ergründen, warum Westschweizer Schüler so schlecht Deutsch sprechen. Lehrer beklagen sich im Beitrag darüber, dass das neue Lehrmittel "zu stressig ist" und dass ihr Arzt die Krankschreibung wegen Burnouts nicht verlängert hat. Sowohl für diesen Sketch wie für die ganze Sendung gilt: Veillon und Kucholl teilen gehörig aus - allerdings nie unter der Gürtellinie.

Im Verlauf der Sendung bekommen nicht nur Lehrer sondern auch amerikanische Expats, Schweizer Filmschaffende und frustrierte Walliser ihr Fett weg. Und auch wenn Kucholl und Veillon ihren Text wegen mangelnder Deutschkenntnisse von einem Teleprompter ablesen, funktioniert "26 minutes" auch auf Deutsch. Mehr sogar: Die beiden sind den mittlerweile abgetretenen SRF-Satirikern Viktor Giacobbo und Mike Müller mindestens ebenbürtig - und das in einer Fremdsprache. Als Deutschschweizer Zuschauer wünscht man sich deshalb mehr "26 minutes". In der Sondersendung fehlt mit Lieutenant-colonel Karl-Heinz Inäbnit beispielsweise die Kultfigur des Formats - leider. Denn wie die Karikatur eines Berufsoffiziers in bestem "français fédéral" zu Armeethemen Auskunft gibt, ist grossartig. Das SRF darf das Experiment mit "26 minutes" also gerne wiederholen. Und wenn nicht, können Deutschschweizer Zuschauer immer noch auf das Original am Samstagabend auf RTS ausweichen - endlich lohnt sich das Frühfranzösisch einmal.

Die Spezialsendung von "26 minutes" läuft heute Donnerstagabend um 22.25 Uhr auf SRF 1.