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Es geht auch einmal lustig: Turbulente Komödie um einen Sozialhilfebetrüger

Feinste Unterhaltung bietet Michael Cooneys Stück «Cash», das an Silvester im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden Premiere gefeiert hat. Das Publikum war begeistert.
Christof Lampart
Lügengeschichte in aussichtsloser Lage? Szene aus «Cash» der Bühni Wyfelde. (Bild: Reto Martin)

Lügengeschichte in aussichtsloser Lage? Szene aus «Cash» der Bühni Wyfelde. (Bild: Reto Martin)

Eines gleich vorweg: die jüngste Winterproduktion der Bühni Wyfelde, bei der Jean Grädel bereits zum dritten Mal Regie geführt hat, ist voll und ganz gelungen. Denn die turbulente Komödie, in der sich ein Witz an den anderen und eine Situationskomik an die andere reiht, wird vom Bühni-Wyfelde-Ensemble äusserst lebendig und präzise gespielt. Die Personenführung ist – was bei einem Ensemble von zehn Personen nicht selbstverständlich ist – exzellent. Denn egal, ob es sich um eine Haupt- oder Nebenrolle handelt – alle Schauspielerinnen und Schauspieler werden ins beste Licht gerückt und auf eine Weise in Szene gesetzt, dass jede und jeder von ihnen einen Auftritt hat. Selbst die kleinsten Nebenrollen wirken nicht wie Staffage, sondern bereichern das Stück auf charmante Weise.

Ein betont heiteres Publikum

Zudem «sitzen» die Gags einfach dermassen gut, dass das Premierenpublikum zuweilen lauthals herausgelacht hat. Und das nicht nur ein-, zwei- oder dreimal. Und was ist schon ein besseres Kriterium für die Bewertung einer Komödie als die kaum enden wollende Heiterkeit des Publikums? Kurzum – wer in den tristen Ja­nuartagen einmal für zwei Stunden den Alltag einfach loslassen, innerlich entschleunigen und herzhaft lachen möchte, sitzt bei «Cash» in der richtigen Vorstellung. Gleichwohl fehlt es dem Stück nicht an der Prise Sozialkritik, die in diesem Fall am staatlichen Sozialsystem festgemacht wird, das oft ebenso bürokratisch wie blind jene Menschen «verwaltet», die ihm anvertraut sind. Damit verkommt der Abend auch nicht zum plumpen Schwank – was allerdings bei der Qualität des Ensembles auch nicht zu erwarten gewesen war.

Doch worum geht es bei «Cash», das im Untertitel vielsagend mit dem Kalauer «Und ewig rauschen die Gelder» für sich wirbt? Eric Swan (Thomas Götz) ist seit zwei Jahren arbeitslos, hat seiner Frau Linda (Mara Fässler) davon aber nichts erzählt. Genauso wenig wie von der Tatsache, dass er seitdem im Namen des ehemaligen Untermieters sowie des jetzigen Untermieters Norman Basset (Benjamin Heutschi) und zahlreicher anderer erfundener Untermieter die unterschiedlichsten Unterstützungsleistungen bezieht: Witwenrente, Kindergeld, Umzugshilfe, Stütz- strümpfe … Letztere lassen sich mit der Hilfe des Onkels (Peter Wenk) auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Doch nun hat sich das Sozialamt in der Person von Mr. Jenkins (Reto Meier) angekündigt und braucht ein paar Unterschriften – von Personen, die hier noch nie gelebt haben. Also erfinden Eric Swan, sein Onkel und der unschuldig mit hineingezogene Norman Basset eine Lügengeschichte, die es in sich hat – und mit jeder Minute verworrener wird. Was nicht weiter verwundert, herrscht doch sowohl auf der Treppe als auch zwischen den vier Türen, die allesamt ins Wohnzimmer führen, reger Durchgangsverkehr.

Schlimmer geht es immer

Denn neben den Hauptakteuren treten nacheinander noch eine Sozialarbeiterin (Kim Binder), ein Eheberater (Res Reutimann), ein Bestatter (Martin Beck), die Leiterin der städtischen Sozialbehörde (Patricia Venturini) und Bassets Verlobte (Naemi Züricher) ins Rampenlicht und unter die irrlichternden Chaoten. Dass dabei jeder Auftritt die schon zuvor fast aussichtslose Lage von Swan und seinen Kumpanen noch weiter verschlechtert, versteht sich da schon irgendwie von selbst. Wie das Ganze ausgeht, sei hier nicht verraten. Ausser, dass es am Ende natürlich genau so kommt, wie es wohl doch niemand geahnt hat.

Das Premierenpublikum dankte den Schauspielern am Ende mit einem langen und intensiven Applaus. Viel Zeit, diesen zu geniessen, blieb den Protagonisten allerdings nicht, stand doch bereits eine halbe Stunde später die zweite Vorstellung des Premierenabends an. Verdient war der Beifall auf jeden Fall.

Weitere Vorstellungen im Januar: theaterhausthurgau.ch

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