Turandot fürs finanzielle Glück

In Zürich haben gestern die Verantwortlichen der Bregenzer Festspiele über ihre Pläne informiert. Der Vorverkauf läuft glänzend, dreizehn Prozent der Besucher kommen aus der Schweiz.

Rolf App
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Die Terrakotta-Armee ist in Bregenz angekommen. (Bild: Dietmar Mathis)

Die Terrakotta-Armee ist in Bregenz angekommen. (Bild: Dietmar Mathis)

ZÜRICH. Mit zwei simplen Kieskähnen hat alles angefangen. Damals, 1946, war der Hunger nach Kultur gross. Alle arbeiteten ehrenamtlich, niemand dachte ans Geschäft. 1979 kam das Festspielhaus dazu, ab da war der Besuch der Bregenzer Festspiele meteorologisch kein Glücksspiel mehr. Obwohl heute auch unter eher garstigen Verhältnissen noch draussen gespielt wird: Eine Verlegung ins Festspielhaus wäre möglich, ist aber mit grossem künstlerischen Verlust verbunden.

Sie gibt Gas, er bremst

Daran allerdings mögen die Verantwortlichen nicht denken, die gestern im Zürcher Schiffbau über ihre Pläne für dieses Jahr informiert haben. «Ich hätte es nicht geglaubt, dass der Vorverkauf für Giacomo Puccinis Oper <Turandot> auf der Seebühne so gut laufen würde», sagt Michael Diem, der Kaufmännische Direktor, der mittlerweile ein Jahresbudget von zwanzig Millionen Euro verwaltet. 5,7 Millionen davon sind Subventionen, 1,3 Millionen Sponsorengelder. Die Vorstellungen sind ausverkauft, besonders rasch im Buchen sind erfahrungsgemäss die Schweizer. «Sie kaufen auch die teuersten Karten», sagt Diem. Und: Sie stellen dreizehn Prozent der Besucher. Das sind, bei 250 000 Besuchern im Jahr, doch immerhin 32 500 Personen, die aus der Schweiz anreisen.

«Ich bin die Bremse»

Bereits musste auch eine Zusatzvorstellung anberaumt werden, Puccinis Geschichte von der chinesischen Prinzessin, die ihren Freiern Fragen stellt und sie umbringen lässt, wenn sie sie nicht beantworten können, wird «ganz sicher magisch wirken», sagt die Intendantin Elisabeth Sobotka. Sie ist für das Künstlerische verantwortlich, während Diem für das Wirtschaftliche sorgt. «Ich bin die Bremse», sagt er, «Elisabeth gibt Gas.»

Das Bühnenbild steht, die nachgebaute Terrakotta-Armee ist auch in Bregenz eingetroffen. Nächste Woche wird Richtfest sein. Dennoch muss Elisabeth Sobotka auf vielen Feldern Gas geben, immerhin wird man sie an ihrem Vorgänger David Pountney messen. Dessen zuletzt auf die Seebühne gezauberte «Zauberflöte» wird schwer zu überbieten sein, obwohl «Turandot» grosse klangliche und szenische Qualitäten hat.

«Hoffmanns Erzählungen»

Pountney hat im Festspielhaus oft eine Oper uraufgeführt. Elisabeth Sobotka setzt stattdessen auf «das Besondere», wie sie sagt. Das ist dieses Jahr die Oper «Hoffmanns Erzählungen» von Jacques Offenbach. Das wirklich Besondere daran ist der Name des Regisseurs: Stefan Herheim ist von der Zeitschrift «Opernwelt» dreimal zum Regisseur des Jahres gewählt worden. Viele seiner Inszenierungen sind kontrovers aufgenommen worden, beispielsweise seine Inszenierung von Wagners «Parsifal» für Bayreuth.

Wie eine Oper wird

Besondere Projekte hat Elisabeth Sobotka für den Nachwuchs entwickelt. Ganz junge Sängerinnen und Sänger arbeiten im Opernstudio am Kornmarkt an Mozarts Oper «Cosí fan tutte». Ausserdem wird die berühmte Sängerin Brigitte Fassbaender eine Meisterklasse leiten.

Noch kühner klingt, was die Intendantin über das «Opernatelier» erzählt: Der Komponist Zesses Seglias, der Regisseur Ernst M. Binder und der bildende Künstler Heimo Zobernig entwickeln gemeinsam eine Oper. Interessierte können den Prozess mitverfolgen, der dann im Jahr 2017 in eine Oper münden soll. Einfache, aber ganz wesentliche Fragen stehen am Anfang: Wie wird aus einer literarischen Vorlage ein Libretto? «Bereits haben Regie und Komponist am Textbuch gearbeitet», sagt Elisabeth Sobotka.

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