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Starch im Gare de Lion: Tu den Affentanz und weniger Montag

Ein Neujahrskonzert der etwas anderen Art gab die Kirchberger Band Starch im Gare de Lion in Wil. Die sieben Funk-Rapper zelebrieren nun schon seit fast 20 Jahren einen Musikstil, der eigentlich längst überholt ist.
Michael Hug
Voller Energie wie stets: Christian Käufeler am Saxofon. (Bild: Michael Hug)

Voller Energie wie stets: Christian Käufeler am Saxofon. (Bild: Michael Hug)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Wils Musikclub für junges Publikum steht draussen in der Agglo und ist eine Insel. Zwischen Getreidesilo, Rangierbahnhof, Kettensägenfabrik, Umschlag- und Parkplätzen hält er rebellisch die Stellung und das Fähnchen für Alternativkultur hoch. Seine Neon-Affiche «Gare de Lion» aber leuchtet heller als das weissblaue «Wil» am Intercity-Bahnhof gleich daneben. Graffiti an den Wänden, gefrorene Wasserlachen, ein rostendes Stumpengleis, vergammelter Bauschrott, ein gekiester Parkplatz, der nicht benützt werden darf, weil die Zufahrt nur für Zubringerdienst gestattet ist. Immerhin dürfen die Musiker und ihre Instrumentenschlepper mit den Materialtransportern durchfahren und bis zum frühen nächsten Morgen da stehen bleiben. Hier aber gehen jedes Wochenende mehr junge Leute ein und aus als in der Tonhalle der gleichen Stadt. Es gibt hier einen Garderobenservice wie dort auch und eine Cüpli-, respektive Bierbar. Nur Stühle gibt es nicht. Im Gare de Lion steht man, seit es ihn gibt. Sonst brächte man auch gar nicht 350 Leute auf dieses recht enge Parkett.

Andere Stile gefragt in der Schweiz

Nicht ganz 350, aber fast, folg-ten dem Ruf zum funkigen Neujahrskonzert am Freitagabend. Starch war angesagt, die Band die ihre Geburtsurkunden grösstenteils in der Nachbargemeinde erhalten hatte und noch immer als Kirchberger Band wahrgenommen wird, obwohl fast alle Mitglieder in oder um Zürich zu Hause sind. Deren Besetzung seit mehr als fünfzehn Jahren nicht geändert hat. Aber auch eine Band, deren Mitglieder – sieben – mehrheitlich in anderen Projekten engagiert sind. Bei Marc Sway spielen zwei, im Swiss Jazz Orchestra spielt einer, solo ist ein weiterer unterwegs und einige sind auch noch Musiklehrer. Manchmal gehen sie auf Tournee, nicht hierzulande, doch in Südostasien, Arabien oder auf dem Balkan. Da spielen sie auf grossen Bühnen vor sehr viel Publikum, da wo Live-Party-Musik noch gefragt ist, wo sie die Masse noch bewegt.

Hier, in der Schweiz, ist das vorbei. Die Jungen stehen auf angesagtere Stile, die Älteren nehmen’s gerne geruhsamer. Party-Funk hatte seine Zeit vor einem Jahrzehnt und mehr, da hatten auch die «Starchies» ihre Zeit. Heute sind ihre Auftritte durch das nachlassende Interesse des Publikums ziemlich reduziert, und selbst an Auftritten in der Nachbarschaft ihrer damaligen Hochburg werden nur noch von gut 200 Fans aufgesucht. Die Fans sind mit ihnen älter geworden, Junge rücken nicht nach, deren Favoriten sind Pop, Hiphop und R&B. Für Starch bedeutet das keine rosige Zukunft, sie wissen es wohl selbst auch.

Groove mit den sieben Aufrechten

Aber dieses Feeling, diesen Groove, diese Stimmung, «voll abgehen» wie man so sagt, das wollen die sieben Aufrechten Simon Winiger (Bass und Gesang), Manuel Winiger (Keyboards), Kay Rauber (Schlagzeug), Benjamin Manser (Gitarre) sowie die Bläsersektion mit Andreas Tschopp (Posaune), Pascal Nägeli, (Trompete) und Christian Käufeler (Saxofon und Rap) natürlich nicht missen. Auch wenn das Gemeinschaftserlebnis durch die völlig veraltete Tontechnik im Gare de Lion schon ziemlich getrübt wird.

Mit dem Affentanz («Do the Monkey Dance») geht der Abend los, mit «Come Closer» und «Less Monday» geht es weiter, mit «Madness» ist er dann gegen Mitternacht auch schon fast fertig. Dazwischen Songs von alten Platten und der neuen «Tscanny Sessions», die man eben erst in Italien eingespielt und ausserdem auch auf Vinyl aufgenommen hat. Das Publikum tobt und skandiert, applaudiert und hüpft und tanzt mit, sodass es ziemlich heiss wird im Gare und der Bierabsatz an der Bar zünftig steigt. Es wird warm an Wils dunkelster und vielleicht auch kältester Ecke. Am nächsten Abend spielt Starch im Zürcher «Moods» – aber dann ist vorderhand kein Konzert mehr angesagt. Der Funk hat’s schwer in diesen Zeiten.

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