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«Trump ist ein Angeber»

Schlagzeuger Chad Smith (54) über das neue Album «The Getaway» der Red Hot Chili Peppers, das wilde Image der Band und Vergleiche zwischen Musik und den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen.
Nick Joyce
Die Red Hot Chili Peppers mit Schlagzeuger Chad Smith (oben). (Bild: pd)

Die Red Hot Chili Peppers mit Schlagzeuger Chad Smith (oben). (Bild: pd)

Herr Smith, auf «The Getaway» geht es unter anderem um Altersdemenz. Das überrascht bei den Red Hot Chili Peppers, die oft als Spasstruppe verunglimpft werden.

Chad Smith: Ja, der Vater unseres Sängers Anthony Kiedis ist von Demenz betroffen. Aber eine Spasstruppe sind wir schon lange nicht mehr. Wir sind verantwortungsvolle Familienväter, die nun mal ihren Lebensunterhalt als Musiker verdienen. Wir haben einen Job, der für die Gesellschaft nicht so wichtig ist wie der eines Arztes oder eines Lehrers, wir nehmen ihn trotzdem ziemlich ernst und setzen uns auch immer mit der Welt auseinander.

Die Band existiert seit über dreissig Jahren. Wie schwierig ist es, nach so langer Zeit kreativ zu bleiben?

Smith: «The Getaway» ist ein Beispiel dafür, wie das uns auch heute noch gelingt. Wir sind mit vielen fertigen Songs zum Produzenten Danger Mouse gegangen, der zu unserer grossen Überraschung vorschlug, mit ihm ein völlig neues Repertoire zu erarbeiten. Wir waren im ersten Augenblick etwas verdattert, trotzdem haben wir uns auf diesen Kaltstart eingelassen. Dank ihm konnten wir persönliches Neuland begehen.

In den 80er-Jahren waren die Chili Peppers vor allem dafür berühmt, dass sie ihre Konzerte nur mit Socken behangen spielten. Hat die Flitzerei Spätfolgen für Sie?

Smith: Als ich 1988 bei der Band vorspielte, war das Image der vier Nackedeien mit den strategisch plazierten Socken fast schon das Einzige, was ich über sie wusste. Zum Glück gehört dieses Gimmick der Vergangenheit an. Schliesslich will niemand sehen, wie Männer in ihren Fünfzigern über die Bühne flitzen. Die wohltätigen Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, haben auf jeden Fall kein Problem mit unserer Vergangenheit.

Sie machen sich insbesondere für den Musikunterricht an den staatlichen Schulen stark. Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?

Smith: Kunst und Musik sind die ersten Fächer, die aus den Lehrplänen fliegen, wenn die Schulen Geld sparen wollen: In den USA haben heute sechs Millionen Kinder keinen Zugang zu Kunst- oder Musikunterricht. Wie wichtig diese Fächer sind, weiss ich aus eigener Erfahrung. Hätte ich mich nicht auf das Fach Musik einschiessen können, hätte ich die High School wohl nie abgeschlossen. Dank dieser Ausbildung konnte ich gleich nach den Abschlussexamen meine Karriere als Profimusiker beginnen.

Dabei haben Sie einmal behauptet, dass Sie erst dann Musiker geworden sind, als Sie mit Funk-Bands zu spielen begannen. Davor waren Sie nach eigener Aussage nur Schlagzeuger.

Smith: Mit zwanzig war ich mit dem Perkussionisten Larry Fratangelo in einer Band, der damals für Funk-Meister George Clinton gespielt hat. Der hat mir gezeigt, dass es nicht reicht, einfach einen Beat rauszuhauen und die Passagen abzuwarten, wo man seine Paradestücke abspulen kann. Erst, wenn man einen Song als Ganzheit begreift, ist man wirklich Musiker.

Könnte man den Unterschied zwischen Schlagzeuger und Musiker vielleicht auf die US-amerikanische Politik anwenden?

Smith: Sicher. Donald Trump ist ein Angeber, der ohne Rücksicht auf Verluste irgendwelche Pirouetten dreht. So einen möchte man auf keinen Fall auf dem Schlagzeugschemel haben. Barack Obama ist hingegen ein Teamwerker, der das politische Arrangement im Kopf behält. Einen Stilisten wie ihn hätte ich viel lieber in der Band als einen Prahlhans wie Donald Trump.

Bis jetzt haben Sie die Kampagne von Bernie Sanders unterstützt. Was tut die Band jetzt, da Hillary Clinton die demokratische Nominierung auf sicher hat?

Smith: Bernie war der Kandidat, der uns am geistig ausgeglichensten erschien. Ein Republikaner stand für uns eh nicht zur Debatte – ihre Auswahl war ja ein einziges Gruselkabinett. Es ist sicher schade, das Bernie die Nominierung nicht kriegen wird. Aber wenn Wahltag ist, werde ich selbstverständlich mein Kreuz hinter Hillarys Namen setzen.

Red Hot Chili Peppers, «The Getaway», Warner Bros. Live: 5./6.10., Hallenstadion Zürich

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