Trost aus dem Garten

Im grünen Bereich

Urs Bader
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Wir sind in der Zeit der ritualisierten Erntedankfeste. Wer selbst gärtnert, sei es ums Haus herum, in einem Schrebergarten oder als «Guerilla-Gärtner» auf Brachen in einer Stadt, der kann allerdings im Lauf eines Jahres immer wieder Erntedank feiern. Jedesmal nämlich, wenn ein üppiger Salatkopf, zarte Spinatblättchen, duftende Kräuter oder pralle Zwetschgen geerntet werden können. Das ergibt eine wunderbare «Cuisine du Jardin». Was für ein Reichtum! Was für ein Glück!

Nun neigt sich diese Zeit jedoch erneut einem Ende zu. Bald kann man an Eigenem fast nur noch auf das zurückgreifen, was man an Früchten und Gemüsen eingemacht, gedörrt oder eingefroren hat – immerhin. Auch wenn der Garten noch allerlei hergibt, einzelne Pflanzen sich aufzubäumen scheinen – etwas Melancholie befällt einen schon. Die Dichter haben sie besungen, nicht ohne auch das Jahr zu feiern, beispielsweise Georg Trakl: «Gewaltig endet so das Jahr / mit goldnem Wein und Frucht der Gärten…» Oder Rilke: «Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross…» Doch so sicher, wie das Gartenjahr endet, so gewiss wird wieder ein neues beginnen. Tröstlich.

Urs Bader