Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Luzerner Theater: Trommeln für Kinder und für das Kind im Mann

«Kindheit», das Thema des diesjährigen Lucerne Festivals, führte zum Schluss Gegensätze zusammen: «Composer in residence» Fritz Hauser war im Luzerner Theater ein einsamer Mann mit Trommel, die Young Performance «Heroïca» trommelte am Sonntag viele Kinder in den Luzerner Saal.
Urs Mattenberger
In kurzen Hosen auf kindlicher Entdeckertour: Fritz Hauser auf der Bühne des Luzerners Theaters in «Trommel mit Mann». (Bild: Priska Ketterer/LF)

In kurzen Hosen auf kindlicher Entdeckertour: Fritz Hauser auf der Bühne des Luzerners Theaters in «Trommel mit Mann». (Bild: Priska Ketterer/LF)

So dicht gedrängt wie der Sommer von Lucerne Festival gestartet ist, so reich befrachtet kam er an diesem Wochenende zum Abschluss. Dazu gehörten weiterlaufende Produktionen wie Mahlers «Kindertotenlieder» und die Oper «Im Amt für Todesangelegenheiten» im Luzerner Theater. Aber das Wochenende bot auch einzelne Konzertereignisse wie den Auftritt des City of Birmingham Symphony Orchestra (mit Gidon Kremer als Solist in Bartóks Violinkonzert Nr. 1) oder Cecilia Bartoli im KKL (vgl. Besprechung auf dieser Seite) .

Daneben brachte das Wochenende das Thema «Kindheit» mit Produktionen zum Abschluss, die nicht gegensätzlicher hätten sein können. Aus der Erwachsenenperspektive tat es der Schlagzeuger Fritz Hauser mit dem Ein-Mann-Musiktheaterstück «Trommel mit Mann» am Samstag im Luzerner Theater.

Dem üblichen Profil eines «Composer in residence» hatte Hauser insofern nicht entsprochen, weil er vor allem als Performer in Erscheinung trat. «Trommel mit Mann» führte beides zusammen und trieb die für Hauser typische Reduktion auf die Spitze. Und das Stück führt vor Augen, was Hauser am Festivalmotto interessierte: dass man über die Improvisation versuche, «zur Energie und zur Offenheit zurückzufinden, die Kinder und ihre Fantasie auszeichnet».

Der Mann wird zur Trommel

So erleben wir in «Trommel mit Mann» quasi den kleinen Fritz, der die Trommel entdeckt. Die kurzen Hosen unterstreichen das, und die Einsamkeit vor dem Instrument betont der Lichtkegel, der den Schlagzeuger aus der Dunkelheit der Theaterbühne herausleuchtet. Die Erkundung beginnt, nach langem Ausharren, mit der primitivsten Aktion, einem wiederholten Handschlag aufs Fell. Sie geht weiter, wenn die Hände und Finger immer neu über Fell und Holz wischen, klöpfeln, kratzen und rutschen, bis der Schlagzeuger in einer riesigen Umarmung mit dem Instrument verschmilzt. So sehr, dass die Suchbewegungen der Finger über den Nacken hinauf zum Kopf wandern und der Mann selber zur Trommel wird. Wenn Hauser einen ersten Schlägel wie ein Messer zückt, ermöglicht das subtile Steigerungen, wobei das Instrument auch mal zu summen beginnt, bevor das durch Wiederholungen ritualisierte Stück repetitiv und lange ausklingt.

Ein Lehrstück für Kinderproduktionen

Für Erwachsene, die in sich die Sehnsucht nach der Kindheit bewahrt haben, ging die Stunde wie zeitlos vorbei und war einer der Höhepunkte von Hausers Festival-Residenz. Kinder hingegen hätten sich in dieser Metaproduktion zum Thema «Kindheit» gelangweilt. Ihnen reicht eben nicht, wenn auf der Bühne jene Art von regelloser Fantasie geboten wird, die sie selber eh schon kennen und mitbringen.

Als Lehrstück für solche Fragen an Kinderproduktionen bestätigte sich die Wiederaufnahme von Dan Tansons Young Performance «Heroïca» gestern im Luzerner Saal. Die verspielte Action erntete zwar die grössten Lacher des kleinen Publikums: Die furzende Posaune, das Gezänk um die Diva-Rolle der Geigerin oder der Horden-mässige Kampf zwischen Mädchen und Burschen, bei dem auch hier die – grosse – Trommel wie schweres Geschütz zum Einsatz kam.

Aber ihre Energiezufuhr ermöglichte Momente der Musik und Poesie, die über kindliche Fantasie hinausgehen und damit Kinder ernst nehmen. Schön für die Kinder, dass es solche Produktionen am Festival wie auch in der Region (vgl. obenstehenden Artikel) immer mehr gibt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.